
US-Zölle von 25 Prozent auf Brasilien in Kraft – Brasília verzichtet auf sofortige Vergeltung
Die neuen Einfuhrzölle der USA auf rund 3.000 brasilianische Produkte gelten seit Mittwoch; die Regierung Lula setzt auf Verhandlungen und Kredithilfen, während eine weitere Abgabe von 12,5 Prozent droht.
Seit dem 22. Juli 2026 erheben die Vereinigten Staaten einen zusätzlichen Zoll von 25 Prozent auf etwa 3.000 brasilianische Waren. Nach Berechnungen des Entwicklungsministeriums in Brasília sind davon rund 18 Prozent der Ausfuhren in die USA betroffen, was auf Basis der Zahlen von 2024 einem Volumen von 7,4 Milliarden US-Dollar entspricht. Ausgenommen von der Abgabe blieben Rohöl, Kaffee, Rindfleisch, Flugzeugteile und Zellstoff; belastet werden dagegen Maschinen, Ethanol, Zucker, Schuhe, Papier und bestimmte Aluminiumprodukte. Die amerikanische Handelskammer in Brasilien beziffert das maximal betroffene Exportvolumen auf über 11 Milliarden Dollar.
Grundlage der Maßnahme ist eine Untersuchung des Handelsbeauftragten der USA (USTR) nach Section 301 des Handelsgesetzes von 1974. Aus Washingtoner Sicht behindern brasilianische Politiken – darunter das Zahlungssystem PIX, die Regulierung großer Technologieplattformen, unzureichender Schutz geistigen Eigentums sowie Versäumnisse bei der Korruptionsbekämpfung und beim Waldschutz – den Marktzugang amerikanischer Unternehmen. Der USTR erklärte, Brasilien habe über ein Jahr hinweg nicht in gutem Glauben verhandelt. Brasilianische Regierungsvertreter wiesen die Vorwürfe als sachlich falsch zurück und sprachen von einem „beklagenswerten Meilenstein“ in den bilateralen Beziehungen.
Trotz scharfer Rhetorik verzichtet die Regierung in Brasília vorerst auf eine Anwendung des im Vorjahr verabschiedeten Reziprozitätsgesetzes. Vizepräsident Geraldo Alckmin erklärte, Vergeltung nach dem Prinzip „Auge um Auge“ könne beide Seiten erblinden lassen; das Gesetz werde „zum geeigneten Zeitpunkt und in angemessener Form“ genutzt. Stattdessen setzt die Regierung auf diplomatische Gespräche, die Ausweitung von Kreditlinien des Programms „Brasil Soberano“ sowie auf eine Diversifizierung der Exportmärkte – etwa durch eine geplante Handelsmission nach Indien. Mehrere betroffene Branchenverbände, darunter die Maschinen- und die Schuhindustrie, sprachen sich in Konsultationen mit der Regierung gegen sofortige Gegenmaßnahmen aus.
Die Belastung könnte in den kommenden Tagen weiter steigen. Für den 24. Juli wird eine Entscheidung Washingtons über einen zusätzlichen Zoll von 12,5 Prozent erwartet, der auf Vorwürfen mangelnder Unterbindung von Importen aus Zwangsarbeit beruht. Sollte dieser kumulativ erhoben werden, stiege die Gesamtabgabe auf brasilianische Waren auf bis zu 37,5 Prozent. Die brasilianische Regierung hält die Begründung für unzutreffend und verweist auf die Anerkennung des Landes als Referenz im Kampf gegen Zwangsarbeit durch die Internationale Arbeitsorganisation. Der weitere Verlauf hängt nun von der genauen Ausgestaltung der erwarteten Ankündigung sowie von den parallel laufenden Gesprächen über das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA ab, in deren Rahmen Washington auch gegenüber Kanada und Mexiko neue Zölle vorbereitet.
| Lateinamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | −0.30 | critical |
| Indische & südasiatische Presse | 0.00 | neutral |
Brasilien lehnt Vergeltung ab und setzt auf Diplomatie, wobei es die Metapher 'Auge um Auge' verwendet, um Mäßigung zu rechtfertigen.
Brasilien wiederholt Alckmins Zitat als Autoritätsargument, schließt die Debatte über Alternativen und stellt Nicht-Vergeltung als einzig vernünftige Option dar.
Brasilien lässt die spezifischen Ausnahmen für Rindfleisch, Kaffee und Flugzeugteile sowie die Schätzung, dass die Hälfte der Exporte unbesteuert bleibt, aus, was die Auswirkungen abmildern würde.
Russland sieht Brasiliens Entscheidung als Beispiel diplomatischer Mäßigung, im Gegensatz zur US-Aggression.
Russland nutzt Alckmins Zitat und das Fehlen von Vergeltung, um eine Erzählung aufzubauen, in der Diplomatie über Gewalt siegt, und passt sich damit seiner eigenen Rhetorik der Nicht-Eskalation an.
Russland lässt die Details der Section-301-Untersuchung und die spezifischen US-Vorwürfe gegen Brasilien aus, die die Zölle rechtfertigen könnten.
Indien beobachtet das Ereignis als vollendete Tatsache, ohne Partei zu ergreifen, und hebt Ausnahmen und den globalen Kontext hervor.
Indien nutzt die Einbeziehung von Think-Tank-Daten und die Erwähnung von Ausnahmen, um eine ausgewogene Sichtweise zu präsentieren und moralische Urteile zu vermeiden.
Indien lässt Alckmins 'Auge um Auge'-Zitat und die explizite Ablehnung von Vergeltung aus, die für die brasilianische Erzählung zentral sind.
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