
US-Sammelklage gegen StubHub nach massenhaften Ticket-Ausfällen bei der WM 2026
Zwei Kalifornier werfen der Plattform irreführende Verkaufspraktiken vor, nachdem sie für hunderte Dollar Eintrittskarten erwarben, die nie geliefert wurden – ein Fall mit potenziell tausenden Betroffenen.
Vor einem Bundesgericht in New York ist eine Sammelklage gegen die Ticket-Wiederverkaufsplattform StubHub eingereicht worden. Die Kläger, zwei Einwohner Kaliforniens, werfen dem Unternehmen vor, durch „falsche und irreführende“ Verkaufspraktiken WM-Tickets verkauft zu haben, die entweder nicht existierten oder kurz vor den Spielen storniert wurden. Laut Klageschrift zahlte Julia Reeker Moghal 1.905 US-Dollar für drei Karten, Reuben Renteria 2.294 Dollar für zwei Karten – beide erhielten keinen Zutritt zu den Stadien. Die Anwälte der Kläger sprechen von Hunderten oder gar Tausenden ähnlich Betroffener und fordern neben Schadenersatz ein Verbot für StubHub, weiterhin WM-Tickets zu vertreiben.
StubHub wies die Vorwürfe nicht direkt zurück, machte jedoch in einer Stellungnahme die technische Infrastruktur des Weltfußballverbands FIFA für die Probleme verantwortlich. Die neu eingeführte Ticket-App des Veranstalters habe „erhebliche Leistungsprobleme“ verursacht, die Ticketübertragungen auf allen Wiederverkaufsplattformen beeinträchtigt hätten. Die eigene „FanProtect-Garantie“ sehe in solchen Fällen Ersatztickets oder eine vollständige Rückerstattung vor. Die FIFA hingegen erklärte, sie habe keinerlei Einblick in oder Kontrolle über Transaktionen auf Drittplattformen und wies jede Verantwortung für dort auftretende Funktionsstörungen zurück. Die offizielle Verkaufsplattform des Verbands arbeite zuverlässig; zugleich erhebt die FIFA auf ihrem eigenen Wiederverkaufsmarkt einen Aufschlag von 30 Prozent, was viele Fans auf günstigere Sekundärmärkte ausweichen lässt.
Branchenkenner sehen die eigentliche Ursache der Ausfälle in der Praxis des spekulativen Ticketverkaufs („speculative ticketing“). Dabei bieten Händler Karten an, die sie noch gar nicht besitzen, in der Hoffnung, sie später günstiger zu erwerben. Steigen die Preise, stornieren sie die Verkäufe, um die Tickets mit höherem Gewinn erneut anzubieten. Für die Käufer bleibt dann oft nur der reine Ticketpreis erstattet; Reise- und Unterkunftskosten, die sich wie im Fall des Mexikaners Sergio Enrique Alvarado Montalvo auf nahezu 6.000 Dollar summieren können, werden nicht ersetzt. Die BBC berichtete von mehreren solcher Fälle, bei denen Familien nach langen Anreisen vor verschlossenen Stadiontoren standen.
Das Verfahren in New York könnte grundsätzliche Bedeutung für die Haftung von Wiederverkaufsplattformen bei spekulativen Ticketgeschäften erlangen. Die Kläger beantragen die Zulassung als Gruppenklage, um eine Vielzahl von Geschädigten zu vertreten. Ein Verhandlungstermin ist noch nicht anberaumt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die wachsenden Spannungen zwischen offiziellen, digital geschlossenen Ticketökosystemen und einem weitgehend unregulierten Sekundärmarkt, auf dem die Grenzen zwischen berechtigter Weiterveräußerung und spekulativem Handel zunehmend verschwimmen.
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