
Uruguay scheitert in der Vorrunde – Bielsa übernimmt die Verantwortung und hadert mit sich selbst
Nach dem 0:1 gegen Spanien ist Uruguay beim WM-Turnier 2026 ausgeschieden; Trainer Marcelo Bielsa sprach von einem Erbe, das „nichts“ sei, und geriet am Spielfeldrand mit einem Reporter aneinander.
Das entscheidende Bild lieferte Fernando Muslera in der 42. Minute. Beim Stand von 0:0 im letzten Gruppenspiel gegen Spanien ließ der 40-jährige Torhüter einen harmlosen Schuss von Álex Baena durch die Hände gleiten – der Ball trudelte zum 1:0 ins Netz. Uruguay, das im Estadio Guadalajara mindestens einen Punkt benötigte, um unter die besten Gruppendritten zu gelangen, fand keine Antwort mehr und schied mit nur zwei Zählern aus der Gruppe H aus. Zuvor hatte die Celeste gegen Kap Verde (2:2) und Saudi-Arabien (1:1) jeweils Führungen verspielt; Muslera war an beiden Gegentoren beteiligt gewesen.
In der Halbzeitpause zog der Schlussmann selbst die Konsequenz. „Er hat entschieden zu gehen“, erklärte Bielsa später und widersprach damit Darstellungen, es habe sich um eine taktische Maßnahme gehandelt. Für Muslera kam Sergio Rochet, doch die Wende blieb aus. Auch die Auswechslung von Kapitän Federico Valverde in der 56. Minute – Bielsa brachte mit Federico Viñas einen zweiten Stürmer – verpuffte. Valverde verließ wortlos das Feld, während südamerikanische Medien über ein vorangegangenes Treffen von Führungsspielern mit dem Trainer berichteten, bei dem die Mannschaft eine defensivere Spielweise gefordert haben soll.
Nach dem Abpfiff zeigte sich Bielsa zunächst ungehalten. In der Interviewzone rief er einem Kamerateam zu: „Dale, de una vez!“ („Mach schon, endlich!“). Asiatische und europäische Berichte griffen die Szene auf und deuteten sie als Ausdruck tiefer Frustration. In der anschließenden Pressekonferenz schlug der Argentinier dann einen gänzlich anderen Ton an. „Von sieben Punkten, die wir verdient hätten, haben wir zwei geholt. Das beschreibt das Ergebnis meiner Arbeit“, sagte er und fügte hinzu: „Ich hinterlasse dem uruguayischen Fußball nichts.“
Bielsa, der bereits 2002 mit Argentinien in der Vorrunde gescheitert war, stellte sein gesamtes Wirken infrage. Der vierte Platz in der südamerikanischen Qualifikation und der dritte Rang bei der Copa América 2024 hätten „keinen Wert“ gehabt. Aus europäischer Perspektive wurde seine Selbstanklage als ebenso radikal wie konsequent eingeordnet; französische Kommentatoren sahen darin das Eingeständnis eines tief zerrütteten Verhältnisses zur Mannschaft. Bielsa selbst räumte ein, es sei ihm nicht gelungen, „eine Gruppe hochqualifizierter Spieler in eine Kraft zu verwandeln, die nicht erklären muss, warum geschah, was geschah“.
Für Uruguay endet das Turnier damit zum zweiten Mal in Folge nach der Gruppenphase. Die beiden Weltmeistertitel liegen lange zurück, und die unmittelbare sportliche Konsequenz ist das Ende des Zyklus unter Bielsa, dessen Vertrag ohnehin auslief. Während Kap Verde als Gruppenzweiter überraschend in die K.-o.-Runde einzog, steht der uruguayische Verband vor der Aufgabe, einen Neuanfang zu organisieren – ohne den Mann, der nach eigenem Bekunden nichts Bleibendes hinterlassen habe.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die lateinamerikanische Presse betont Bielsas harte Selbstkritik, seine volle Verantwortungsübernahme und das Eingeständnis, das Potenzial der Mannschaft nicht ausgeschöpft zu haben. Der Ausbruch gegenüber dem Reporter wird als Zeichen aufgestauter Frustration und tiefer Enttäuschung gedeutet und verstärkt die Erzählung eines persönlichen und kollektiven Scheiterns.
Die indische und südasiatische Presse berichtet distanziert über den Vorfall und erwähnt lediglich Bielsas Schrei in Richtung des Reporters und seine spätere Schuldübernahme. Der Ton ist neutral und beschreibend, ohne auf den emotionalen Kontext oder die langfristigen Folgen für den uruguayischen Fußball einzugehen.
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