
Umfragen: 92 Prozent der Israelis sehen Iran als Sieger des Krieges
In Israel zweifelt eine überwältigende Mehrheit am militärischen Erfolg, während in den USA die Zustimmung zur Iran-Politik Trumps sinkt – doch die Bereitschaft zu neuen Militärschlägen bleibt.
Eine von der Hebräischen Universität Jerusalem und dem Agam-Institut zwischen dem 17. und 20. Juni durchgeführte Umfrage unter 3.644 Israelis zeigt, dass 92,1 Prozent der Befragten Iran als Gewinner des jüngsten Konflikts sehen. Zugleich bewerten 86 Prozent das Kriegsergebnis negativ und 82,9 Prozent sagen, die langfristige Sicherheit Israels sei geschwächt worden. Parallel dazu lehnen laut einer AP-NORC-Erhebung 65 Prozent der Erwachsenen in den USA die Iran-Politik von Präsident Donald Trump ab. Die Zahlen offenbaren eine tiefe Vertrauenskrise in die politische Führung beider Länder.
In Israel glauben selbst im rechtsgerichteten Lager, der Wahlbasis von Premierminister Benjamin Netanjahu, 93,1 Prozent an einen iranischen Sieg. 72,5 Prozent der Befragten schenken Netanjahus Aussagen über militärische Erfolge keinen Glauben, und 56,4 Prozent beurteilen seine Kriegsführung als schlecht oder gescheitert. Die Zustimmung zu Netanjahus Regierungsführung sank von 40,5 Prozent Anfang März auf 29,4 Prozent im Juni. Trotz dieser Kritik befürworten 48,2 Prozent der Israelis erneute großangelegte Militäroperationen gegen die Hisbollah im Libanon, selbst auf die Gefahr eines Konflikts mit Washington. Der rechtsextreme Minister Itamar Ben-Gvir kommentierte das Abkommen mit den Worten, der Libanon müsse „brennen“. In den USA zeigt sich eine parteipolitische Kluft: Während Demokraten und Unabhängige mehrheitlich Trumps Vorgehen ablehnen, sind nur 28 Prozent der Republikaner unzufrieden.
Das am 17. Juni von den USA und Iran unterzeichnete Memorandum of Understanding sah einen Waffenstillstand auf allen Fronten vor, auch im Libanon. Dennoch setzte Israel seine Angriffe fort; Iran warf daraufhin Israel Verstöße gegen die Waffenruhe vor und drohte mit der Schließung der Straße von Hormus. Die für Sonntag in der Schweiz geplanten direkten Gespräche über ein dauerhaftes Abkommen stehen damit unter erheblichem Druck. Aus Teheraner Sicht gefährden die israelischen Operationen die Verständigung mit Washington. Laut CBS News halten die meisten Amerikaner den Konflikt nicht für die Kosten wert und bezweifeln, dass Irans Nuklearprogramm dauerhaft gestoppt wurde.
Die Erhebungen zeichnen das Bild einer politischen Führung, die innenpolitisch unter Druck steht, während die militärischen Spannungen anhalten. In Israel wird über eine mögliche Nachfolge Netanjahus spekuliert; Wirtschaftsminister Nir Barkat führt mit 18 Prozent Zustimmung in der Likud-Partei. Die geplanten Verhandlungen in der Schweiz sollen den Übergang zu einer dauerhaften Lösung einleiten, doch die fortgesetzten Feindseligkeiten sowie die tiefe öffentliche Skepsis auf beiden Seiten stellen die Erfolgsaussichten infrage. Vorerst bleibt die Lage volatil, während Diplomaten versuchen, die Kluft zwischen diplomatischer Annäherung und innenpolitischen Erwartungen zu überbrücken.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Survey results from Israel show an overwhelming public perception that Iran emerged stronger from the conflict, with 92% of Israelis holding this view. There is deep dissatisfaction with Netanyahu's leadership, and a majority want him to retire from politics. The tone is one of disillusionment with the government's handling of the war.
An Israeli opinion poll reveals that the vast majority of citizens consider Iran the victor in the recent Middle East war and view the US-Iran deal negatively. Interestingly, support for an aggressive military campaign against Hezbollah remains high, reflecting a complex mix of defeatism and belligerence. The survey underscores widespread skepticism toward Netanyahu's claims.
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