
Krim ruft nach ukrainischen Drohnenangriffen den Notstand aus
Die Halbinsel leidet unter Treibstoffmangel und Stromausfällen, während Kiew eine 40-tägige Operation zur Erzwingung von Friedensverhandlungen einleitet.
Die von Russland eingesetzten Behörden der annektierten Halbinsel Krim haben am Freitag den regionalen Notstand ausgerufen. Der Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, begründete den Schritt mit den Folgen anhaltender ukrainischer Angriffe, die zu gravierenden Engpässen bei Treibstoff und Elektrizität geführt haben. Parallel meldete das russische Verteidigungsministerium, in der Nacht seien 660 ukrainische Drohnen über zwölf Regionen Russlands, der Krim sowie dem Schwarzen und Asowschen Meer abgefangen worden – eine der höchsten Zahlen seit Beginn der Invasion im Februar 2022. In der Stadt Nowomoskowsk südlich von Moskau wurde nach Behördenangaben eine Industrieanlage getroffen, bei der es sich unbestätigten Berichten zufolge um das Chemiewerk Asot handelt.
Aus Kiewer Sicht sind die Angriffe Teil einer vom Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angekündigten „40-tägigen Einflussoperation“ des Sicherheitsdienstes SBU. Ziel sei es, so Selenskyj, Russland zur Beendigung des Krieges zu zwingen. Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte, man wolle die Krim „in eine Insel verwandeln“ und die logistischen Verbindungen zum russischen Festland kappen. Der SBU selbst reklamierte Treffer auf zwei russische Marineschiffe und Luftabwehrradare in Kertsch für sich. Aus Moskauer Perspektive hingegen stellen die Attacken eine Eskalation dar, die zivile Infrastruktur gefährde; der Gouverneur der Region Tula, Dmitri Miljajew, sprach von einer verletzten Frau und beschädigten Stromleitungen.
Die faktischen Auswirkungen auf der Krim sind erheblich. Seit Tagen gilt ein Verkaufsverbot für Treibstoff an Privatpersonen, der Zugverkehr zur Halbinsel wurde halbiert, und die Hotelbuchungen sind im Vergleich zum Vorjahr um 88 Prozent eingebrochen. Die Stromversorgung ist instabil, was in Sewastopol auch die Wasserversorgung beeinträchtigt. Westliche Militäranalysten sehen in der massierten Drohnenkampagne eine systematische Strategie, um die russische Luftabwehr zu sättigen und wirtschaftlichen Druck aufzubauen. Die Angriffe auf Raffinerien und Treibstofflager zielen darauf ab, die für den Kriegsapparat des Kremls essenziellen Einnahmen aus dem Energiesektor zu schmälern.
Die Krim besitzt für Moskau sowohl strategische als auch symbolische Bedeutung. Seit der Annexion 2014 hat Russland Milliarden in die Integration der Halbinsel investiert, die nun durch die ukrainischen Angriffe teilweise rückgängig gemacht wird. Der Konflikt, der mit über 1.500 Tagen bereits länger dauert als der Erste Weltkrieg, tritt damit in eine Phase ein, in der Kiew versucht, die Kosten des Krieges zunehmend auf russisches Territorium zu verlagern. Die nächste entscheidende Wegmarke dürfte der NATO-Gipfel im kommenden Monat sein, bei dem die Ukraine weitere Unterstützung zur Stärkung ihrer Langstreckenfähigkeiten erwartet.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Ukraine hat eine ihrer größten Drohnenoffensiven des Krieges gestartet und über 600 unbemannte Flugzeuge gegen ein Dutzend russische Regionen und die illegal annektierte Krim geschickt. Der Angriff ist Teil einer anhaltenden Langstreckenkampagne, die den Konflikt nach Russland tragen soll, wobei Kiews Drohnen immer tiefer hinter den feindlichen Linien zuschlagen. Die russische Luftabwehr behauptete, 660 Drohnen abgefangen zu haben, doch das Ausmaß der Operation unterstreicht die wachsende Fähigkeit der Ukraine, Macht zu projizieren.
Russland behauptet, 660 ukrainische Drohnen in einem der größten Nachtangriffe seit Kriegsbeginn abgefangen zu haben, wobei Drohnen auf Moskau, die Krim und andere Regionen zielten. Der Angriff spiegelt die erklärte Strategie Kiews wider, den Krieg auf russischen Boden zu tragen, wie Präsident Selenskyj gewarnt hatte. Unterdessen wurde Berichten zufolge ein Chemiewerk in Tula getroffen, was die Reichweite der ukrainischen Drohnenkampagne verdeutlicht.
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