
Trump ordnet Warnschilder vor dem amerikanischen Geschichtsmuseum an
Mit einer präsidialen Verfügung sollen Hinweistafeln Besucher vor angeblich ungenauen Darstellungen warnen und der Kulturkampf um die Deutungshoheit über die nationale Vergangenheit verschärft sich.
Präsident Donald Trump hat am Freitag eine Verfügung unterzeichnet, die das Innenministerium anweist, vor dem National Museum of American History in Washington provisorische Hinweistafeln aufzustellen. Diese sollen Besucher über einen Bericht des Weißen Hauses informieren, der dem Museum vorwirft, die amerikanische Geschichte nicht „ehrlich und dankbar“ zu erzählen, und sie zu alternativen Quellen mit „korrekten Informationen“ führen. Die Smithsonian Institution, der das Museum untersteht, wies die Vorwürfe umgehend zurück. Direktorin Anthea Hartig erklärte bei einer Kongressanhörung wenige Tage zuvor, der Bericht gebe die Arbeit des Hauses nicht zutreffend wieder; Smithsonian-Sekretär Lonnie Bunch betonte die Verpflichtung der Institution auf Wissenschaftlichkeit, Überparteilichkeit und Integrität.
Die Verfügung ist Ausdruck eines anhaltenden Kulturkampfes, in dem die Trump-Regierung versucht, aus ihrer Sicht „woke“ Narrative in bundesgeförderten Kultureinrichtungen zurückzudrängen. Ein bereits im März erlassenes Dekret forderte die Entfernung „unangemessener, spaltender oder antiamerikanischer Ideologie“ aus Smithsonian-Museen. Ein 162-seitiger Bericht des Domestic Policy Council vom 4. Juli wirft dem Museum für amerikanische Geschichte vor, es verbreite eine von Marxismus und sozialer Gerechtigkeit getriebene Agenda, die weiße, männliche und christliche Amerikaner herabwürdige, und empfahl Warnhinweise an den Museumseingängen. Republikanische Abgeordnete sprachen von „woker Ideologie“; Demokraten wie Melanie Stansbury verurteilten den Schritt als beispiellosen Versuch politischer Einflussnahme auf die Geschichtsschreibung.
Da das Smithsonian als unabhängiges Treuhandinstrument des Bundes nicht der direkten Weisungsbefugnis des Präsidenten untersteht, zielt die Anordnung auf die Gehwege vor dem Museum, die vom National Park Service und damit vom Innenministerium unterhalten werden. Dies verdeutlicht die begrenzten exekutiven Hebel gegenüber der Institution, zugleich aber die Bereitschaft der Regierung, alle verfügbaren Mittel zu nutzen: Der Erlass fordert das Office of Management and Budget sowie weitere Behörden ausdrücklich auf, sämtliche rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Politik der Verfügung durchzusetzen. Beobachter werten dies als Drohung, die beträchtlichen Bundesmittel für das Smithsonian – etwa zwei Drittel des Milliardenbudgets – an Bedingungen zu knüpfen; die Rechtslage dafür ist umstritten.
Der Konflikt um das Geschichtsmuseum ist Teil eines breiteren Umbaus der Kulturlandschaft, den Trump vorangetrieben hat, darunter die Entlassung der Leiterin der National Portrait Gallery und die zeitweise Anbringung seines Namens am Kennedy Center. Die nächsten Schritte sehen die Aufstellung der Schilder sowie möglicherweise temporäre Freiluftausstellungen des Innenministeriums vor, die die 56 Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung angemessen ehren sollen. Mit juristischen Anfechtungen und weiteren Kongressanhörungen ist zu rechnen; das Smithsonian hat zunächst keine weitere Stellungnahme abgegeben.
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