
Bielsa kritisiert Trinkpausen bei WM 2026: „Nehmen dem Fußball viel weg“
Der uruguayische Trainer sieht die kulturelle Grundlage des Spiels gefährdet, während Kritiker auf die kommerziellen Interessen der Fifa verweisen.
Marcelo Bielsa, der Trainer der uruguayischen Nationalmannschaft, hat am Samstag in Miami scharfe Kritik an den verpflichtenden Trinkpausen der Weltmeisterschaft 2026 geübt. „Vier Abschnitte zu spielen statt zweier verändert das kulturelle Konzept, das entstanden ist, um Fußball zu verstehen“, sagte der Argentinier. Die Maßnahme füge dem Spiel nichts hinzu, nehme ihm aber viel. Bielsa sprach von einem „Kulturwandel“, der nicht durchdacht sei; man habe nicht über die Folgen für den Sport, sondern über andere Auswirkungen nachgedacht – eine Anspielung auf die lukrativen Werbeunterbrechungen.
Die Fifa hatte die je dreiminütigen Pausen pro Halbzeit offiziell mit dem Schutz der Spieler vor der Sommerhitze in Nordamerika begründet. Allerdings werden sie in sämtlichen Partien angewendet, selbst in überdachten Stadien mit milden Temperaturen. In vielen Spielen quittierten die Zuschauer die Unterbrechungen mit Pfiffen. Trainer nutzen die Zwangspausen zunehmend für taktische Anweisungen, was den Spielfluss empfindlich stört. Eine statistische Analyse ergab, dass achtzig Prozent der bisherigen Begegnungen durch die Zäsuren in ihrem Rhythmus beeinträchtigt wurden.
Hinter der Gesundheitsrhetorik wittern Beobachter ein Milliardengeschäft. Mit 104 WM-Partien summieren sich die Pausen auf mehr als zehn Stunden Sendezeit, die Sender mit Werbung füllen. Nach Berechnungen könnten allein die US-Rechteinhaber Fox Sports rund 250 Millionen Dollar zusätzlich einnehmen. In Australien trägt die Pause gar einen Sponsorennamen: Als „Maccas Match Break“ wird sie von McDonald’s finanziert. Auch britische Sender erwarten Rekordwerbeeinnahmen.
Bielsa betonte, er sei nicht allein mit seiner Haltung. „Die Schlussfolgerungen, die ich vortrage, sind nicht meine eigenen. Ich höre sie immer wieder und stimme ihnen zu“, sagte der 70-Jährige. Anders als beim Videobeweis, den er als willkommene technische Hilfe sieht, fehle den Trinkpausen jeder sportliche Nutzen. Sie veränderten den Charakter des Fußballs grundlegend: „Vor dieser Entscheidung hatte der Fußball eine bestimmte Charakteristik, jetzt hat er eine andere.“
Sportlich steht Uruguays Equipe nach dem 1:1 gegen Saudi-Arabien unter Druck. Im zweiten Gruppenspiel gegen Kap Verde am Montagmorgen (Ortszeit) muss eine Steigerung her. Bielsa, der die erste Hälfte als „pastos“ (teigig) bezeichnete, setzt auf die Intensität der zweiten Hälfte. Die Debatte um die Trinkpausen dürfte indes die gesamte WM begleiten – und die Frage aufwerfen, wem die Unterbrechungen wirklich dienen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die lateinamerikanische Presse kritisiert scharf die obligatorischen Trinkpausen der FIFA und greift Marcelo Bielsas Argument auf, dass sie das kulturelle Verständnis des Fußballs verändern und sein Wesen aus kommerziellen Gründen aushöhlen. Kommentatoren und Fans sehen in den Unterbrechungen eine geschäftsmäßige Verzerrung, die Rhythmus und Tradition des Spiels beschädigt.
Die europäische Kontinentalpresse, insbesondere in deutschen Liveblogs, berichtet über die Kontroverse um die Trinkpausen als kurze Meldung unter anderen WM-Updates, wie Spieler-Erfrischungen und hitzebedingten Planänderungen. Die Berichterstattung bleibt distanziert und behandelt die Angelegenheit als logistische Fußnote ohne starke redaktionelle Haltung.
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