
Millionen bei Trauerzug für Ali Khamenei – Nachfolger Mojtaba bleibt abwesend
Die Prozession durch Teheran wird zur Machtdemonstration der iranischen Führung, während Rufe nach Vergeltung die laufenden Waffenstillstandsverhandlungen überschatten.
In Teheran hat am Montag der Trauerzug für den getöteten iranischen Obersten Führer Ali Khamenei begonnen. Nach Angaben des Staatsfernsehens IRIB und der Nachrichtenagentur Tasnim säumten Millionen Menschen die rund zwölf Kilometer lange Route vom Osten der Hauptstadt bis zum Azadi-Platz. Auf einem Lastwagen wurden die flaggengeschmückten Särge Khameneis und vierer mit ihm am 28. Februar bei einem Luftangriff getöteter Familienmitglieder – darunter eine Tochter, ein Schwiegersohn und eine 14 Monate alte Enkelin – durch die Menge gefahren. Teilnehmer hissten rote Rachebanner, verbrannten US- und israelische Flaggen und hängten eine Puppe von Präsident Donald Trump auf. Der seit März amtierende neue Oberste Führer, Khameneis Sohn Mojtaba, blieb der Zeremonie fern; seine drei Brüder waren anwesend.
Aus Sicht der iranischen Staatsführung dient die einwöchige Trauerfeier, die noch über Ghom und die irakischen Pilgerstädte Nadschaf und Kerbela bis zur Beisetzung am Donnerstag in Maschhad führt, als Beleg für den Rückhalt der Bevölkerung und die Widerstandsfähigkeit nach dem fünfwöchigen Krieg gegen die USA und Israel. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sprach von einer „geeinten und unbesiegbaren Nation“. Gleichzeitig wurde die Veranstaltung von Aufrufen zur Vergeltung begleitet; ein Dichter rief vor der Menge zur Tötung Trumps auf, und Spruchbänder forderten „Blut für Blut“. Die US-Regierung, die mit Teheran über eine dauerhafte Beendigung der Kampfhandlungen und die vollständige Öffnung der Straße von Hormus verhandelt, hat die Gespräche nach Angaben Trumps für die Dauer der Trauerfeierlichkeiten ausgesetzt. Israels Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Khamenei sei getötet worden, weil er ein Programm zur Vernichtung Israels vorangetrieben habe, und drohte jedem künftigen iranischen Führer mit demselben Schicksal.
Die Abwesenheit Mojtaba Khameneis lenkt die Aufmerksamkeit auf die ungeklärte Nachfolgefrage. Iranische Stellen führen Sicherheitsgründe an; israelische Drohungen, auch ihn zu töten, sind dokumentiert. Zudem berichten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf mit der Familie vertraute Personen, Mojtaba habe bei dem Angriff schwere Gesichts- und Beinverletzungen erlitten. Sein Fernbleiben von sämtlichen öffentlichen Auftritten seit der Amtsübernahme nährt in westlichen Hauptstädten und unter Regionalbeobachtern Spekulationen über die Stabilität der Führungsspitze. Die iranische Führung bemüht sich unterdessen, Parallelen zum Begräbnis von Revolutionsführer Ruhollah Chomeini 1989 zu vermeiden, als Massenpaniken mehr als zehn Todesopfer forderten; Betonmauern und Wasserwerfer gegen die Hitze sollen die Menge kontrollieren.
Der Krieg war am 28. Februar mit massiven Luftschlägen der USA und Israels gegen Ziele im Iran ausgebrochen. Eine vorläufige Waffenstillstandsvereinbarung, die im vergangenen Monat erzielt wurde, hält seither, ohne dass die ursprünglichen Kriegsziele Washingtons – Zerstörung des Nuklear- und Raketenprogramms sowie ein Sturz der Führung – erreicht worden wären. Teheran wiederum wertet den Waffenstillstand als Sieg und verweist auf die Kontrolle über die Energieversorgung am Persischen Golf. Die Trauerfeierlichkeiten werden voraussichtlich am Donnerstag mit der Beisetzung im Imam-Reza-Schrein in Maschhad enden; danach sollen die Verhandlungen über eine dauerhafte Friedensregelung wieder aufgenommen werden.
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Das revolutionäre Iran feiert seinen Märtyrer: Das Volk schart sich um den gefallenen Führer und zeigt, dass die Revolution lebt.
Die Wiederholung des Begriffs 'Märtyrer' und die Betonung der Massenbeteiligung schaffen eine Gleichsetzung zwischen der Legitimität des Regimes und der Zuneigung des Volkes, wodurch ein Trauerereignis in eine Bekräftigung der Macht verwandelt wird.
Ausgelassen wird die Tatsache, dass der Nachfolger, Mojtaba Khamenei, nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten ist und dass der Krieg die iranische Führung dezimiert hat.
Der Westen beobachtet mit Skepsis: Die Inszenierung verbirgt nicht die Nachfolgekrise und die Dezimierung der Führung.
Es stellt die offizielle Erzählung von Einheit dem Beweis der Abwesenheit des Nachfolgers gegenüber und schafft einen Kontrast, der die Glaubwürdigkeit des Regimes untergräbt.
Ausgelassen wird die Tatsache, dass die Menge tatsächlich riesig war und viele Iraner spontan teilnahmen, nicht nur auf Befehl des Regimes.
China beobachtet mit pragmatischer Distanz: Iran versucht, Stabilität zu projizieren, aber die Nachfolge bleibt ungewiss.
Es wird ein neutraler und sachlicher Ton angenommen, der sowohl die Massenbeteiligung als auch den unbekannten Nachfolger berichtet, ohne Wertung, im Einklang mit einer Nichteinmischungshaltung.
Ausgelassen werden der detaillierte Kriegskontext und die Kritik an der iranischen Führung, um die bilateralen Beziehungen nicht zu gefährden.
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