
Tom Hanks und die Kunst der Freundlichkeit: Eine amerikanische Ikone wird 70
Vom Hotelpagen zum zweifachen Oscar-Preisträger – Tom Hanks verkörpert wie kein Zweiter den anständigen Amerikaner, und das seit vier Jahrzehnten.
Es war eine jener kleinen Gesten, die in New York sofort die Runde machen. Im Jahr 2015 fand Tom Hanks im Central Park die Studentenkarte einer jungen Frau, fotografierte sie – den Nachnamen sorgsam verdeckt – und schrieb auf Twitter: „Lauren! Ich habe deine Karte gefunden. Wenn du sie noch brauchst, mein Büro wird dich kontaktieren. Hanx.“ Ein Professor wurde aufmerksam, und der Ausweis erreichte seine Besitzerin. Solche Anekdoten sind es, die das Bild des Schauspielers prägen, der an diesem 9. Juli siebzig Jahre alt wird: ein Mann, dessen öffentliche Persona mit der Güte seiner Leinwandfiguren zu verschmelzen scheint.
Dabei begann die Karriere des Thomas Jeffrey Hanks keineswegs als moralische Instanz. In den achtziger Jahren war er der komödiantische Glücksfall Hollywoods, ein junger Mann mit aufgerissenen Augen, der in „Splash – Eine Jungfrau am Haken“ einer Meerjungfrau verfiel und in „Big“ als Kind im Körper eines Erwachsenen die Welt erkundete. Der Sprung ins dramatische Fach gelang 1993 mit „Philadelphia“, für den er seinen ersten Oscar erhielt, und nur ein Jahr später wiederholte er diesen Triumph mit „Forrest Gump“ – ein Kunststück, das vor ihm nur Spencer Tracy gelungen war. Die Rolle des naiven Läufers aus Alabama machte Hanks weltweit zum Symbol für unerschütterlichen Optimismus; in Indien wagte sich Aamir Khan 2022 an ein Remake. Die amerikanische Kritik hingegen setzt andere Akzente: Auf der Plattform Rotten Tomatoes führt nicht „Forrest Gump“ die Rangliste seiner Filme an, sondern „Toy Story 2“, in dem Hanks dem Cowboy Woody seine Stimme leiht – mit einer perfekten Wertung von 100 Prozent.
Was Hanks von vielen Kollegen unterscheidet, ist die Selbstverständlichkeit, mit der er seine Bodenständigkeit kultiviert. „Ich muss mit meinem Gesicht leben“, sagte er der „Bild“-Zeitung und beschrieb seine „Goofy-Nase, hängende Ohren, leicht chinesische Augen“. Diese ironische Distanz zum eigenen Ruhm hat ihn zu einer Art inoffiziellem Botschafter amerikanischer Tugenden werden lassen. Präsident Barack Obama verlieh ihm 2016 die Presidential Medal of Freedom. Hanks’ Kaffeemarke „Hanks Coffee“ spendet sämtliche Erlöse an Organisationen für Kriegsveteranen – ein Engagement, das an die Wirkung von „Forrest Gump“ erinnert: Sein Co-Star Gary Sinise widmete nach den Dreharbeiten sein Leben der Unterstützung verwundeter Soldaten. Privat lebt Hanks seit 38 Jahren mit der Schauspielerin Rita Wilson zusammen, die eine Brustkrebserkrankung überwand; er selbst kontrolliert mit strenger Diät seinen Typ-2-Diabetes. Seine Sammlung von über 250 Schreibmaschinen und die griechische Staatsbürgerschaft, die er 2020 erhielt, verraten einen Mann, der sich bewusst kleine Refugien schafft.
Vielleicht ist es diese Mischung aus Alltäglichkeit und stiller Beharrlichkeit, die eine Umfrage des „Daily Mail“ zu dem Ergebnis brachte, Hanks sei das repräsentativste Gesicht der Vereinigten Staaten. Dass er über seinen Vater Amos Mefford Hanks ein entfernter Cousin Abraham Lincolns ist und den Präsidenten demnächst in der Verfilmung von „Lincoln im Bardo“ spielen wird, fügt der Biografie eine fast märchenhafte Note hinzu. Wenn der Siebzigjährige heute auf der Kykladeninsel Antiparos in seiner weißen Villa sitzt, dann nicht als entrückter Star, sondern als jemand, der gelernt hat, mit seinem Gesicht zu leben – und dem die Welt dafür dankbar ist.
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America recognizes in Tom Hanks its most authentic face, a timeless icon embodying national values.
A poll transforms Hanks into a national emblem, making his image universal and rooted in American identity.
Hanks' wisdom on patience and time is a reminder that greatness is built from the everyday.
A personal anecdote from the actor is elevated to a universal lesson, turning his figure into a model of conduct.
Tom Hanks is not just an actor but a figure whose roles have become part of the cultural canon, confirmed by an authoritative selection.
A list of best roles compiled by a historian lends objectivity to the assessment and places Hanks in the pantheon of world cinema.
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