
Nach zwei tödlichen Schüssen binnen einer Woche: ICE setzt Fahrzeugkontrollen aus
Die US-Einwanderungsbehörde hat die meisten Verkehrsstopps vorläufig gestoppt, nachdem Beamte in Maine und Texas zwei Migranten erschossen hatten, die nicht Ziel der jeweiligen Einsätze waren.
In der Küstenstadt Biddeford im US-Bundesstaat Maine hat ein Beamter der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE am Montagmorgen einen 26-jährigen Kolumbianer durch Schüsse getötet. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums (DHS) überwachten die Beamten ein Haus, in dem ein mit Haftbefehl gesuchter Ausländer vermutet wurde. Als ein Fahrzeug das Grundstück verließ, versuchten die Beamten, es anzuhalten; der Fahrer habe fliehen wollen, woraufhin ein Beamter aus Sorge um die öffentliche Sicherheit das Feuer eröffnet habe. Der Kolumbianer, der nach übereinstimmenden Berichten von Anwohnern und Einwandererorganisationen Joan Sebastián Durán Guerrero hieß, erlag noch am Ort seinen Verletzungen. Seine Ehefrau und die dreijährige Tochter wurden Augenzeugen des Geschehens. Der Senator von Maine, Angus King, erklärte, DHS-Minister Markwayne Mullin habe ihm mitgeteilt, dass der Getötete nicht die Person gewesen sei, der der Einsatz eigentlich gegolten habe.
Nur sechs Tage zuvor war in Houston, Texas, ein mexikanischer Staatsbürger unter ähnlichen Umständen ums Leben gekommen. Lorenzo Salgado Araujo, 52 Jahre alt und Vater dreier Kinder, wurde auf dem Weg zur Arbeit in seinem Wagen von ICE-Beamten erschossen. Auch er war nach Auskunft der demokratischen Abgeordneten Sylvia Garcia nicht das Ziel des Einsatzes. Die Behörde hatte zunächst von Notwehr gesprochen, weil der Fahrer einen Beamten habe rammen wollen; Zeugen widersprachen dieser Darstellung. Als Reaktion auf beide Vorfälle wies die ICE-Führung ihre für Festnahmen und Abschiebungen zuständigen Beamten noch am Dienstag an, bis auf Weiteres auf eigenständige Fahrzeugkontrollen zu verzichten. Ausnahmen gelten demnach nur bei der Vollstreckung von Haftbefehlen in Zusammenarbeit mit anderen Strafverfolgungsbehörden. Die Anordnung ist nach Behördenangaben vorläufig und soll durch ein neues Ausbildungsprogramm für Verkehrskontrollen ergänzt werden.
Die genauen Umstände beider Schüsse sind umstritten. Während das DHS in beiden Fällen von einer unmittelbaren Gefahr für die Beamten spricht, legen Videoaufnahmen aus Biddeford nahe, dass das Fahrzeug des Kolumbianers nur langsam rollte und von einem SUV der Beamten gerammt wurde. Ein Zeuge berichtete, der Verletzte habe noch gerufen, er habe versucht anzuhalten. Keiner der beteiligten Beamten trug eine Körperkamera. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro bezeichnete den Tod Durán Guerreros als „Mord“ und forderte von US-Präsident Donald Trump eine Erklärung. Die mexikanische Regierung hat nach früheren Todesfällen bereits Klagen beim US-Justizministerium eingereicht und spricht von 17 getöteten Mexikanern seit Trumps zweitem Amtsantritt. In Maine kam es zu Protesten, bei denen Demonstranten den Abzug des ICE aus dem Bundesstaat verlangten.
Die beiden Todesfälle reihen sich in eine Serie von Schusswaffeneinsätzen der Einwanderungsbehörde ein, die seit Beginn der zweiten Amtszeit Trumps nach Zählungen von US-Medien mindestens neun Menschen das Leben gekostet haben. Die ICE hatte zuletzt massiv auf Fahrzeugkontrollen gesetzt, um die Zahl der Festnahmen im Rahmen der verschärften Abschiebepolitik zu steigern. Die Ermittlungen zu den Vorfällen in Maine und Texas werden von der Bundespolizei FBI, den jeweiligen Staatsanwaltschaften und dem Generalinspekteur des Heimatschutzministeriums geführt. Die vorläufige Aussetzung der Verkehrskontrollen markiert eine deutliche taktische Zäsur, während die Untersuchungen andauern.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.70 | critical |
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| Lateinamerikanische Presse | −0.90 | critical |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | 0.00 | neutral |
Europa verurteilt den übermäßigen Gewalteinsatz durch ICE und fordert unabhängige Ermittlungen.
Durch den Vergleich der offiziellen Version mit Überwachungsaufnahmen und die Einordnung in den breiteren Anti-Einwanderer-Kurs entsteht eine Vertuschungserzählung.
Es wird nicht erwähnt, dass ICE behauptete, Guerrero habe eine endgültige Ausweisungsanordnung.
Lateinamerika trauert um den Tod eines Sohnes und fordert Gerechtigkeit gegen die Brutalität des ICE.
Indem die persönliche Geschichte des Opfers (Arbeiter, Vater, nicht Ziel) erzählt und die Rechtfertigungen des ICE ausgelassen werden, werden Empathie und Empörung hervorgerufen.
Es wird weder die Version des ICE berichtet, dass das Fahrzeug floh, noch dass Guerrero eine Ausweisungsanordnung hatte.
Subsahara-Afrika berichtet die Fakten ohne Parteinahme und präsentiert beide Versionen.
Durch die Zitierung der ICE-Erklärung und der Tatsache, dass das Opfer nicht das Ziel war, wird journalistische Neutralität gewahrt.
Es enthält weder die Proteste, noch die Forderungen nach Ermittlungen oder persönliche Details des Opfers.
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