
Sicherheitsrat debattiert über Eskalation am Golf – Washington warnt vor schwindender Geduld
Während die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran fortgesetzt werden, prallen im UN-Sicherheitsrat die gegensätzlichen Darstellungen der jüngsten Militärschläge und Angriffe auf Handelsschiffe aufeinander.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich am Donnerstag in einer von Bahrain beantragten Dringlichkeitssitzung mit der zugespitzten Lage in der Golfregion befasst. Nach Darstellung der stellvertretenden UN-Generalsekretärin Elizabeth Spehar hatten die jüngsten wechselseitigen Angriffe – darunter iranische Drohnenangriffe auf Frachter unter singapurischer und panamaischer Flagge sowie amerikanische Luftschläge gegen iranische Küstenanlagen – die Fragilität des Waffenstillstands offengelegt. Zugleich begrüßten die Vereinten Nationen die gemeinsame Entscheidung Teherans und Washingtons zur Deeskalation, die ein „Fenster der Hoffnung“ für die Diplomatie öffne. Die Gespräche im Rahmen des von Pakistan und Katar vermittelten Memorandums von Islamabad vom 17. Juni werden demnach in Doha fortgesetzt; die Vermittlerstaaten meldeten am Mittwoch „positive Fortschritte“.
Aus Washingtoner Sicht stellte der amerikanische UN-Botschafter Michael Waltz die Geduld von Präsident Donald Trump als begrenzt dar. Er warf der iranischen Führung vor, trotz der diplomatischen Vereinbarung weiterhin zivile Schiffe anzugreifen, die Freiheit der Schifffahrt zu behindern und mit Angriffen auf Bahrain und Kuwait die Weltwirtschaft „als Geisel“ zu nehmen. Waltz zeigte im Rat Aufnahmen von Schäden an Wohngebieten und Hotels in Bahrain und betonte, Angriffe auf nichtmilitärische Ziele ließen sich nicht als Selbstverteidigung rechtfertigen. Die USA forderten Teheran auf, die Angriffe auf Nachbarstaaten einzustellen und die Straße von Hormus für den internationalen Handel offen zu halten.
Der iranische UN-Botschafter Amir Saeid Iravani wies sämtliche Vorwürfe zurück und beschuldigte seinerseits die USA und Israel, zweimal „die Diplomatie verraten“ und Angriffskriege gegen Iran geführt zu haben. Dabei seien seit Juni 2025 mehr als 4.800 Zivilisten getötet worden. Iran habe sein inhärentes Selbstverteidigungsrecht nach Artikel 51 der UN-Charta ausgeübt und ausschließlich militärische Einrichtungen jener Staaten ins Visier genommen, von deren Territorium aus Angriffe auf Iran erfolgt seien. Die von Bahrain und westlichen Ratsmitgliedern vorgebrachten Anschuldigungen bezeichnete Iravani als Versuch, das Opfer zum Täter zu machen. Gleichzeitig bekräftigte er das Interesse Teherans an der vollständigen Umsetzung des Memorandums und forderte den Sicherheitsrat auf, den Verhandlungsprozess nicht durch eine solche Sitzung zu untergraben.
Bahrains Außenminister Abdullatif bin Rashid al-Zayani bezifferte die Zahl der Angriffe auf sein Land seit Ende Februar auf 808, darunter 203 ballistische Raketen und 605 Drohnen, die gezielt zivile Infrastruktur getroffen und drei Todesopfer sowie 465 Verletzte gefordert hätten. Er verlangte einen wirksamen Überwachungsmechanismus des Sicherheitsrats. Die stellvertretende russische UN-Botschafterin Anna Evstigneeva nannte die vollständige Umsetzung der erzielten Übereinkünfte in dieser „höchst sensiblen Phase“ unerlässlich, um eine neue Spirale der Gewalt zu verhindern. Die Vermittler in Doha vereinbarten unterdessen die Einrichtung eines Kommunikationskanals zur Meldung möglicher Verstöße gegen die Waffenruhe. Die nächste Runde der technischen Gespräche soll sich auch der Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und der künftigen Ausgestaltung der Nukleargespräche widmen.
| Iranische & verwandte Presse | +0.20 | neutral |
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