
Russlands Wirtschaft schrumpft, Lateinamerika wächst verhalten
Während das russische BIP im ersten Quartal 2026 um 0,2 Prozent sank, zeigen Frühindikatoren in Brasilien, Mexiko und Kolumbien ein moderates, aber uneinheitliches Wachstum.
Die russische Statistikbehörde Rosstat bestätigte am Mittwoch, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,2 Prozent geschrumpft ist. Das absolute BIP-Volumen belief sich auf 49,9 Billionen Rubel, der Deflator lag bei 104,2 Prozent. Als Hauptursachen gelten ein Kalendereffekt – drei Arbeitstage weniger als im Vorjahresquartal – sowie ein strenger Winter, der die Bauwirtschaft um 9,7 Prozent einbrechen ließ. Auch die Wasserver- und -entsorgung, der Transportsektor und das verarbeitende Gewerbe verzeichneten Rückgänge. Dagegen legten die Informations- und Kommunikationsbranche sowie das Gastgewerbe deutlich zu. Der Einzelhandelsumsatz sank preisbereinigt um 1,2 Prozent, was auf eine schwächere Binnennachfrage hindeutet. Sowohl das Wirtschaftsministerium als auch die Zentralbank erwarten für das zweite Quartal eine Erholung um 0,9 Prozent, da dann drei Arbeitstage mehr zur Verfügung stehen.
Aus Brasília kommen hingegen Signale einer fortgesetzten, aber nachlassenden Expansion. Der von der Zentralbank veröffentlichte Frühindikator IBC-Br, der als Vorabschätzung des BIP gilt, stieg im April saisonbereinigt um 0,51 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der Wert blieb damit unter der Markterwartung von 0,6 Prozent, nachdem der März-Wert auf einen Rückgang von 0,18 Prozent revidiert worden war. Im gleitenden Dreimonatsvergleich legte der Index um 1,38 Prozent zu, im Jahresvergleich um 1,63 Prozent. Die Dienstleistungen wuchsen um 0,27 Prozent, die Industrie um 0,36 Prozent, während die Landwirtschaft mit 0,04 Prozent nahezu stagnierte. Das BIP des ersten Quartals war bereits um 1,1 Prozent gestiegen, doch die April-Daten deuten auf eine leichte Abkühlung hin.
In Mexiko-Stadt prognostiziert das Statistikinstitut INEGI mit seinem zeitnahen Indikator IOAE für April ein jährliches Wachstum der Gesamtwirtschaft von 1,4 Prozent, für Mai von 1,1 Prozent. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem von der Industrie, die im April um 1,8 Prozent zulegen soll, und vom Dienstleistungssektor mit einem erwarteten Plus von 1,7 Prozent. Gegenüber dem Vormonat wird für April ein Anstieg der Wirtschaftsaktivität um 1,0 Prozent vorhergesagt. Die mexikanische Konjunktur zeigt damit eine moderate, aber stabile Grunddynamik.
Aus Bogotá wird für den Monat April ein Wachstum des gesamtwirtschaftlichen Indikators ISE von 3,4 Prozent erwartet, nach 4,0 Prozent im März. Das kolumbianische Statistikamt DANE sieht die Expansion vor allem von Dienstleistungen, Handel und Primärsektoren getragen, während Industrie und Bauwirtschaft nur langsam an Fahrt gewinnen. Die Abkühlung gegenüber dem Vormonat spiegelt eine Normalisierung nach einem starken Jahresauftakt wider.
Die Frühindikatoren zeichnen das Bild einer globalen Konjunktur, die regional stark divergiert. Russland dürfte im zweiten Quartal dank Basiseffekten wieder wachsen, bleibt aber von Sanktionen und strukturellen Problemen belastet. In Lateinamerika deuten die Daten auf eine Fortsetzung des Wachstums hin, allerdings mit nachlassender Dynamik. Für exportorientierte Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Signale gemischt: Während Mexiko als Produktionsstandort und Absatzmarkt stabil wächst, könnten die Schwäche in Russland und die Verlangsamung in Brasilien die Nachfrage dämpfen. Die Notenbanken in Brasilien und Kolumbien stehen vor der Herausforderung, ihre Zinspolitik zwischen Inflationsrisiken und Wachstumsförderung auszutarieren.
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Russlands BIP schrumpfte im ersten Quartal um 0,2 % und bestätigte damit vorläufige Schätzungen. Die Behörden führen den Rückgang auf weniger Arbeitstage und einen strengen Winter zurück, der das Baugewerbe belastete. Im zweiten Quartal wird mit einer Erholung gerechnet.
Die Wirtschaftsdaten in Lateinamerika deuten auf eine gemischte Expansion hin. Der brasilianische IBC-Br stieg im April um 0,51 %, blieb aber hinter den Prognosen zurück, was auf eine allmähliche Verlangsamung hindeutet, während Mexiko ein bescheidenes Wachstum prognostiziert, das vom Dienstleistungssektor und der Industrie getragen wird. Kolumbiens Wirtschaft wuchs voraussichtlich um 3,4 % im Jahresvergleich, doch Industrie und Baugewerbe hinken hinterher.
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