
Russland startet digitales Migrantenprofil – globale Welle biometrischer Erfassung
Moskau, Jakarta und Washington führen zeitgleich neue Registrierungs- und Biometriesysteme für Ausländer ein, die den Zugang zu Aufenthalt, Gesundheitsversorgung und Telekommunikation neu ordnen.
In Russland hat das Innenministerium am 30. Juni den staatlichen Informationsdienst „Digitales Profil des ausländischen Bürgers“ in Betrieb genommen. Das System bündelt nach Angaben der Behördensprecherin Irina Wolk sämtliche Daten von Migranten und Staatenlosen – von Ausweisdokumenten und Migrationsregistrierung über Arbeitserlaubnisse, Bildung und Krankenversicherung bis hin zu Immobilienbesitz, Fahrzeugen, Ordnungswidrigkeiten und Einreisesperren. Der Zugriff ist für Staatsorgane, Organisationen und die Betroffenen selbst über das Portal „Gosuslugi“ möglich. Die Plattform soll laut Innenministerium eine vollständige und aktuelle Datenbasis für die Bewertung der Migrationslage und eine effizientere staatliche Steuerung schaffen.
Aus Moskauer Sicht ist der Schritt Teil einer grundlegenden Verschärfung der Migrationspolitik, die nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall im März 2024 eingeleitet wurde. Die Tageszeitung Kommersant verweist auf einen entsprechenden Auftrag von Präsident Wladimir Putin vom Juli 2024 sowie auf die im Januar 2024 von der Regierung verabschiedete Migrationskonzeption, die eine Verknüpfung von Daten aus Innenministerium und Inlandsgeheimdienst FSB sowie die Einbindung biometrischer Merkmale vorsieht. Bereits seit Dezember 2024 läuft an Moskauer Flughäfen ein Pilotprojekt zur Erfassung biometrischer Daten von Ausländern; seit Februar 2025 existiert ein Register für illegal aufhältige Personen, das deren Rechte etwa bei Eheschließung oder Kontoeröffnung beschneidet. Ab Juni 2026 soll das digitale Profil auch Angaben zu Staatsangehörigkeit und Geschlecht enthalten und den Papierpatent ersetzen.
Zeitgleich treten in anderen Weltregionen ähnliche Systeme in Kraft. In Indonesien ist seit dem 1. Juli die Registrierung neuer Mobilfunknummern nur noch mit Gesichtsverifikation möglich. Die bisherige Methode über die nationale Identitätsnummer und die Familienkartennummer entfällt. Die Ministerin für Kommunikation und Digitales, Meutya Hafid, erklärte, die biometrische Erfassung solle die Anonymität senken und Straftaten erschweren. Die Vereinigten Staaten wiederum haben in dieser Woche eine endgültige Regelung der Einwanderungsbehörde USCIS veröffentlicht, die ein im April 2025 eingeführtes Online-Registrierungs- und Biometrieverfahren für bestimmte Ausländergruppen festschreibt. Betroffen sind Personen, die sich länger als 30 Tage im Land aufhalten und ohne gültige Registrierungsunterlagen wie Visum, Einreiseformular I-94 oder Green Card einreisten – darunter unkontrolliert Eingereiste, visumfreie Kanadier ohne I-94 sowie Kinder, die im Land 14 Jahre alt werden. Parallel dazu kündigte die Regierung an, dass ab Oktober 2026 der Zugang zu den Gesundheitsprogrammen Medicaid und CHIP für einige legal anwesende Einwanderer eingeschränkt wird; dauerhafte Aufenthaltsberechtigte und bestimmte Schutzgruppen bleiben hingegen leistungsberechtigt.
Die parallelen Vorstöße illustrieren aus Sicht von Beobachtern in Washington, Jakarta und Moskau einen globalen Trend zur digitalen Erfassung und biometrischen Identifizierung von Ausländern, der mit Sicherheitserwägungen und dem Wunsch nach besserer Datenkontrolle begründet wird. Für deutsche Staatsbürger, die sich länger in diesen Ländern aufhalten oder dorthin reisen, können die neuen Systeme zusätzliche Registrierungspflichten und den Nachweis biometrischer Daten bedeuten. Die russische Regierung hat angekündigt, das Profil bis 2026 auszubauen; die US-Behörde bittet bis zum 28. August 2026 um Stellungnahmen zu möglichen weiteren Änderungen der Registrierungsvorschriften.
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