
Pinot Noir und ein QR-Code: Die Piusbrüder vollziehen den Bruch mit Rom
In Écône weihte die traditionalistische Bruderschaft St. Pius X. vier Bischöfe ohne päpstliches Mandat – und bot den Gläubigen Wein-Souvenirs und Livestream-Spenden an.
Der Regen setzte früh ein, als sich am Mittwochmorgen eine lange Prozession von Priestern über das nasse Feld vor dem Seminar von Écône bewegte. Unter einem großen Zelt, das an eine Festhalle erinnerte, warteten Tausende Gläubige, viele mit Baseballkappen, auf denen das Siegel „Econe2026“ prangte. Auf den Bildschirmen, die die Zeremonie in alle Welt übertrugen, erschien während der Opferung ein QR-Code – eine Einladung zu Fernspenden. Im Angebot war zudem eine limitierte „Cuvée des Sacres“: ein Geschenkkarton mit vier Flaschen Wein, jede mit einem bischöflichen Motiv etikettiert – Mitra, Ring, Kreuz und Hirtenstab. So begann ein Tag, der nach dem Kirchenrecht die automatische Exkommunikation aller Beteiligten nach sich zieht.
Die Weihe selbst folgte dem alten Ritus. Monsignore Alfonso de Galarreta, assistiert von Bernard Fellay – beide 1988 von Erzbischof Marcel Lefebvre ohne päpstliche Erlaubnis geweiht – legte den vier Priestern die Hände auf und sprach die Formel „Accipe Spiritum Sanctum“. Die neuen Bischöfe: Pascal Schreiber aus der Schweiz, Michael Goldade aus den Vereinigten Staaten sowie die Franzosen Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier. Papst Leo XIV. hatte noch am Vortag in einem verzweifelten Brief an den Generaloberen Davide Pagliarani appelliert: „Ich bitte Sie von ganzem Herzen: Kehren Sie um!“ Pagliarani antwortete in seiner Predigt mit dem Bild einer leidenden Mutter: „Wir wollen der Kirche dienen wie einer Mutter in Not, die manchmal verraten wird und die es verdient, geliebt zu werden.“ Man sei bereit, jeden Preis zu zahlen.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X., 1970 von Lefebvre gegründet, verwirft zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils – die Religionsfreiheit, den ökumenischen Dialog, die Liturgie in der Landessprache. Sie feiert die Messe ausschließlich nach dem Messbuch von 1962, in Latein, der Priester dem Altar zugewandt. Schon 1988 hatte Lefebvre an derselben Stelle vier Bischöfe geweiht und damit die Exkommunikation durch Johannes Paul II. provoziert. Benedikt XVI. hob die Strafe 2009 auf, doch zu einer vollen kanonischen Anerkennung kam es nie. Heute zählt die Bruderschaft nach eigenen Angaben rund 600.000 Anhänger, 751 Priester und 264 Seminaristen in fünf Seminaren weltweit. Sie beruft sich auf einen „Notstand“, um die Weihen zu rechtfertigen – nur noch zwei der ursprünglichen Bischöfe seien am Leben.
Die Zeremonie zog Gläubige aus zahlreichen Ländern an, darunter Delegationen der italienischen äußersten Rechten um Mario Borghezio und Roberto Fiore. Der Livestream mit mehrsprachigen Kommentaren machte das Ereignis zu einem globalen Medienereignis der traditionalistischen Szene. Aus Rom kam scharfe Kritik: Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller nannte das Vorgehen der Bruderschaft „lächerlich“ und fügte hinzu, sie verhielten sich „protestantischer als die Protestanten“. Der Vatikan dürfte die Exkommunikation in den kommenden Tagen offiziell feststellen; Beobachter erwarten zudem eine mögliche Rücknahme jener Zugeständnisse, die Papst Franziskus der Bruderschaft bei Beichte und Eheschließung gewährt hatte.
Als die Feier nach über vier Stunden endete, blieb ein Bild zurück, das die Ambivalenz dieses Tages einfing: Auf demselben Feld, auf dem Lefebvre 1988 die Tunika Christi zu zerreißen drohte, trugen die neuen Bischöfe exakt jene Paramente, die schon damals verwendet worden waren. Der Regen hatte aufgehört, und die Gläubigen verließen das Gelände mit ihren Wein-Souvenirs und den Baseballkappen – Devotionalien eines Schismas, das sich nicht als Bruch, sondern als Rettung der Kirche versteht.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
The Catholic Church condemns the Lefebvrists' disobedience; with this ordination they place themselves outside Roman communion.
A framework of ecclesiastical legitimacy is built: the Pope is the supreme authority, any contrary act is schism. The rain and physical isolation become metaphors for spiritual separation.
No space is given to the Lefebvrists' motivations, such as defense of liturgical tradition or criticism of Vatican II, which are central to their discourse.
Anglophone public opinion watches with irony the dispute between Catholic traditionalists and the Pope, reducing it to an anachronism.
A light, descriptive register is adopted, emphasizing unusual aspects (rain, traditional vestments) to turn a doctrinal conflict into a matter of custom.
The deep theological context is omitted: the question of the validity of ordinations and the debate on the Tridentine Mass, which are crucial to understanding the stakes.
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