
Pegasus-Affäre: Neue Beweise belasten Marokko – Frankreich erwog selbst Kauf
Ein Whistleblower und Geheimdienstvermerke erhärten den Verdacht, dass Rabat Pegasus gegen Politiker und Journalisten einsetzte; Paris prüfte zeitgleich eine Anschaffung.
Das internationale Recherchekonsortium Forbidden Stories hat gemeinsam mit dem Security Lab von Amnesty International neue Belege für den Einsatz der Spionagesoftware Pegasus durch marokkanische Dienste vorgelegt. Ein ehemaliger Agent der Direction Générale de la Surveillance du Territoire (DGST) mit dem Decknamen „Safir“ schildert, wie der Inlandsgeheimdienst ab 2017 mithilfe der israelischen Software Journalisten, Menschenrechtsverteidiger sowie französische und spanische Regierungsmitglieder ausspähte. Die technisch aufwendige Software sei den Angaben zufolge von den Vereinigten Arabischen Emiraten als Geschenk bereitgestellt worden. Parallel dazu belegen die Recherchen, dass französische Sicherheitsbehörden zwischen 2019 und 2020 selbst den Erwerb von Pegasus prüften; das Vorhaben im Umfang von 60 bis 80 Millionen Euro wurde nach einem Élysée-Arbitrage aus Gründen der Technologiesouveränität und des Reputationsrisikos fallengelassen.
Die marokkanische Regierung bestreitet sämtliche Vorwürfe und hat die Justizbehörden in Frankreich wiederholt auf die Vorlage belastbarer Beweise verwiesen, ohne selbst Rechtshilfeersuchen zu beantworten. Aus Sicht der französischen Ermittler erschwert die fehlende Kooperation Rabats und Israels eine formelle Zuschreibung der Angriffe. Das spanische Centro Nacional de Inteligencia (CNI) dokumentierte laut dem Konsortium, dass die Infiltration der Telefone von Ministerpräsident Pedro Sánchez und mehrerer Minister in die diplomatische Krise um Ceuta im Mai 2021 fiel. Die Berichte machen den königlichen Berater Fouad Ali El Himma und DGST-Chef Abdellatif Hammouchi für die Steuerung der Operationen verantwortlich. Die NSO Group betont, Pegasus werde ausschließlich an Regierungen zur Verbrechens- und Terrorbekämpfung verkauft.
Die neuen Unterlagen umfassen interne DGST-Dokumente, forensische Analysen der französischen ANSSI und einen Vermerk des Auslandsgeheimdienstes DGSE vom November 2022, wonach Marokko und die Emirate NSO-Produkte mindestens seit 2017 nutzen. Die ANSSI stellte Kompromittierungsspuren auf den Geräten von sieben französischen Ministern fest, darunter der amtierende Premierminister Sébastien Lecornu, der sich derzeit zu einem Besuch in Marokko aufhält. Nach Darstellung des CNI wurden allein vom Telefon Sánchez’ 2,57 Gigabyte an Daten extrahiert; die zeitliche Koinzidenz mit der späteren Änderung der spanischen Westsahara-Politik werten Ermittler als Indiz für eine gezielte Druckausübung. Der Zeuge Safir beschreibt eine Vorführung der Software in einer Villa in Rabat, bei der NSO-Vertreter die Ferninfektion von Testtelefonen demonstrierten, und bezeichnet Pegasus als „Waffe des Monsters“, die nur gegen hochrangige Ziele eingesetzt worden sei.
Der Pegasus-Skandal war im Juli 2021 öffentlich geworden. Von Marokko angestrengte Verleumdungsklagen gegen Medien in Frankreich, Deutschland und Spanien wurden sämtlich abgewiesen. Die neuen Enthüllungen fallen in eine Phase der Wiederannäherung zwischen Paris und Rabat und verleihen dem laufenden französischen Ermittlungsverfahren zusätzliches Gewicht. Ein in den USA veröffentlichtes Gerichtsdokument identifizierte den NSO-internen Kundencode „Morgan“ als Marokko. Das Dossier bleibt offen; eine förmliche Zuschreibung steht weiterhin aus, solange die ersuchten Staaten die Zusammenarbeit verweigern.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.80 | critical |
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.90 | critical |
| Lateinamerikanische Presse | −0.60 | critical |
Frankreich erwägt den Kauf von Pegasus, lehnt ihn aber aus Gründen der Technologiesouveränität ab, während Marokko die Spionagevorwürfe bestreitet.
Die Abwägung zwischen französischem Interesse und marokkanischen Anschuldigungen schafft eine Erzählung gegenseitiger Ambiguität, die direkte Verurteilung abschwächt.
Erwähnt weder die Rolle Israels als Hersteller noch konkrete Opfer unter Journalisten und Aktivisten.
Der ehemalige marokkanische Agent beschreibt Massenüberwachungsoperationen und bestätigt die Beteiligung des Königreichs.
Die Verwendung einer glaubwürdigen internen Quelle verleiht Autorität und operative Details, was die Anschuldigung schwer widerlegbar macht.
Erörtert nicht die Möglichkeit, dass andere Länder ebenfalls Pegasus verwendet haben, noch die Rolle Frankreichs oder Israels.
Marokko orchestrierte durch seine Geheimdienstchefs systematische Spionage gegen Oppositionelle und Verbündete.
Die namentliche Nennung bestimmter Sicherheitschefs personalisiert die Schuld und macht eine Institution zu einem moralischen Ziel.
Erwähnt nicht, dass auch Frankreich den Kauf von Pegasus in Betracht zog, noch den geopolitischen Kontext der französisch-marokkanischen Beziehungen.
Die internationale Untersuchung dokumentiert marokkanische Spionageoperationen mit forensischen Beweisen und Zeugenaussagen.
Die Betonung technischer Beweise und Aussagen schafft einen justiziellen Rahmen, der Anschuldigungen als feststehende Tatsachen legitimiert.
Geht nicht auf die politischen Motive hinter der Spionage ein, noch auf laufende diplomatische Reaktionen.
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