
Passive Technosignaturen rücken ins Zentrum der Suche nach außerirdischer Intelligenz
Zwei theoretische Arbeiten schlagen vor, mit KI-gestützter Analyse und der Untersuchung von Mondstaub nach Relikten erloschener Zivilisationen im Sonnensystem zu fahnden.
Die Suche nach außerirdischer Intelligenz erhält eine messbare Erweiterung ihres Suchrasters. Ein bei der Internationalen Astronomischen Union vorgestellter Beitrag sowie ein noch nicht begutachtetes Preprint eines Oxforder Astrophysikers plädieren dafür, den Fokus von aktiven elektromagnetischen Signalen auf passive Technosignaturen im eigenen Sonnensystem zu verlagern. Konkret geht es um physische Artefakte – von sondengroßen Objekten bis zu mikrometergroßem Staub –, die als Hinterlassenschaften vergangener Zivilisationen über Jahrmilliarden erhalten geblieben sein könnten. Die Arbeiten markieren einen konzeptionellen Schritt: Erstmals wird systematisch durchdekliniert, dass die bisherige Durchmusterung des Sonnensystems nicht ausreicht, um die Anwesenheit nicht-terrestrischer Technologie sicher auszuschließen.
Der Beitrag von T. Joseph W. Lazio benennt ein praktisches Hindernis. Selbst in vergleichsweise gut kartierten Regionen wie der Mondoberfläche oder dem Mars ist die Datenmenge inzwischen so groß, dass eine vollständige manuelle Sichtung auf Anomalien – ungewöhnliche Trajektorien, Temperaturprofile oder Materialeigenschaften – nicht mehr leistbar ist. Als Abhilfe schlägt Lazio den Einsatz maschineller Lernverfahren vor, die automatisiert nach Objekten mit auffälligen Merkmalen suchen. Ein illustrierendes Beispiel lieferte 2020 das Objekt 2020 SO, dessen Bahn zunächst auf einen Asteroiden hindeutete, bis genauere Beobachtung es als Oberstufe einer Centaur-Rakete identifizierte. Der Fall zeigt, wie leicht natürliche und künstliche Körper selbst in Erdumlaufbahn verwechselt werden können.
Brian C. Lacki geht in seinem arXiv-Preprint einen Schritt weiter und argumentiert, dass selbst makroskopische Strukturen wie Dyson-Sphären im Lauf der Zeit zu feinem Staub pulverisiert worden sein könnten. Solche „Technokörner“ würden durch Sonnenwind aus ihrem Ursprungssystem getragen und könnten sich, so die Überlegung, in der Regolithschicht von Monden und Planeten ablagern. Die bevorstehenden bemannten und robotischen Mondmissionen, darunter das Artemis-Programm, bieten aus dieser Perspektive eine doppelte Gelegenheit: Probenrückführungen könnten gezielt auf isotopische oder spektrale Auffälligkeiten hin untersucht werden. Dass hyperspektrale Fernerkundung – wie sie der NASA-Satellit PACE derzeit für die Vegetationsbeobachtung der Erde demonstriert – prinzipiell in der Lage ist, subtile chemische Signaturen aus dem Orbit zu unterscheiden, verleiht der Hypothese eine methodische Anschlussfähigkeit, auch wenn eine entsprechende Instrumentierung für planetare Oberflächen noch nicht operationell ist.
Die physikalischen Hürden interstellarer Reisen, wie sie in der Fachdiskussion immer wieder betont werden, verleihen der Suche nach lokalen Relikten zusätzliche Plausibilität. Distanzen von über 40 Billionen Kilometern zum nächsten Stern, die relativistische Zeitdilatation und der immense Energiebedarf selbst für annähernde Lichtgeschwindigkeit machen wiederholte Besuche aktiver Zivilisationen unwahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Analyse passiver, langlebiger Technosignaturen an Gewicht. Der nächste sachliche Meilenstein ist die Begutachtung von Lackis Preprint sowie die weitere Diskussion innerhalb der IAU-Arbeitsgruppen, ob und wie bestehende Teleskoparchive und künftige Missionsdaten für eine automatisierte Artefaktsuche geöffnet werden können.
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Die Suche nach außerirdischer Intelligenz verlagert sich auf passive Technosignaturen, mit Vorschlägen, künstliche Intelligenz einzusetzen, um das Sonnensystem nach Sonden oder Artefakten zu durchsuchen. Ein Bericht an die Internationale Astronomische Union stellt fest, dass weite Regionen und viele Objekte noch wenig erforscht sind und selbst kleine Körper mit neuen Methoden entdeckt werden könnten.
Mondstaub könnte pulverisierte Überreste außerirdischer Technologie längst untergegangener Zivilisationen bewahren, so ein Astrophysiker. Winzige Körner zerstörter Technik, getragen vom Sonnenwind, könnten sich auf dem Mondboden abgelagert haben und eine passive Technosignatur bieten, nach der wir suchen können, ohne eine aktive außerirdische Präsenz vorauszusetzen.
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