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Medien & UnterhaltungSamstag, 4. Juli 2026

Nichts als Leere: Wie aus Verlust und Chaos große Kunst entsteht

Claude Lanzmanns Kampf um 'Shoah', die Küche als Notaufnahme in 'The Bear' und wiederentdeckte Geschichten aus Bangladesch zeigen, wie Kunst aus dem Nichts entsteht.

„Ich wollte filmen, aber ich hatte nichts als Leere.“ Der Satz stammt von Claude Lanzmann, und er beschreibt den zwölfjährigen Kampf um seinen Dokumentarfilm „Shoah“, der heute als Meilenstein gilt. Die Dokumentation „All I Had Was Nothingness“ von Guillaume Ribot zeichnet diesen Weg nun anhand von Lanzmanns eigenen Tonbandaufnahmen und Tagebüchern nach – eine Art Roadmovie durch Deutschland, Polen, Israel und die Vereinigten Staaten. Lanzmann, der kein amerikanisches Geld auftreiben konnte, weil sein Film keinerlei versöhnliche Botschaften über gerechte Helfer bot, sprach davon, „unablässig in die schwarze Sonne der Shoah“ gestarrt zu haben. Was mit nichts begann, wurde zu einem neunstündigen Werk, das den Blick auf den Tod nicht abwendet.

Dieser schöpferische Impuls, der aus dem Nichts oder aus tiefer Verletzung erwächst, findet sich auch in der Literatur wieder. In Bangladesch sind nach Jahrzehnten verschollene Erzählungen des Autors und Filmemachers Zahir Raihan aufgetaucht, die zwischen 1955 und 1970 entstanden. Der Band „Koyekti Nodi O Ekti Somudro“ (Ein paar Flüsse und ein Meer) versammelt Geschichten, die von erbarmungsloser Ausbeutung durch Geldverleiher, von der Fragilität weiblicher Existenz und von der Suche nach Wahrheit angesichts eines rätselhaften Selbstmords handeln. Raihan, der selbst im Unabhängigkeitskampf verschwand, hielt die sozialen und politischen Spannungen seiner Zeit fest. Ähnlich dringt die Novelle „Ishwarkol“ (2021) von Sadia Sultana in die Innenwelt einer Frau vor, die als Kind sexuelle Gewalt erlitt und deren Wunsch nach einem eigenen Kind am Ende wie eine Wiederaneignung des Lebens wirkt.

Eine andere Art von Druck herrscht in der Küche der gefeierten Serie „The Bear“, deren letzte Staffel gerade veröffentlicht wurde. Schon die erste Episode, fast ohne Schnitte gedreht, folgt dem Protagonisten Carmy durch das Chaos eines heruntergekommenen Sandwich-Ladens – eine Kamera, die ein Schlachtfeld dokumentiert. Die argentinische Zeitung La Nación beschrieb, wie die Serie den leeren Glamour der Kochshows verdrängt und die Küche in eine „Notaufnahme“ verwandelt habe. Der dänische Spitzenkoch René Redzepi verglich sie mit der Serie „The Wire“. In Buenos Aires beobachtet der Koch Dante Liporace, wie Gäste an seiner Bar nicht mehr miteinander sprechen, sondern ihm schweigend beim Kochen zusehen – als wäre die Küche zur Live-Serie geworden. Ganz ohne Kameras, aber mit ähnlicher Hingabe, hat der Texaner Evan LeRoy die Barbecue-Tradition neu erfunden. Nach einem Englischstudium kehrte er nach Austin zurück, studierte am Le Cordon Bleu und eröffnete einen Imbisswagen, der heute ein Restaurant mit siebzig Mitarbeitern ist. LeRoy, der inzwischen einen Michelin-Stern trägt, verarbeitet ganze Tiere, setzt Gemüse als Hauptgericht ein und sagt, er habe gemerkt, dass niemand etwas anderes mit dem Grill mache.

All diesen Werken ist gemein, dass sie keinen einfachen Trost spenden. Lanzmanns „Shoah“ verweigerte sich jedem erbaulichen Narrativ; „The Bear“ zeigt eine Küche voller Gebrüll und Traumata, bevor sie ihr Herz offenbart; Raihans Geschichten legen die Nerven einer Gesellschaft bloß, die kurz vor der Befreiung stand. Der japanische Nobelpreisträger Yasunari Kawabata, der selbst als Kind seine gesamte Familie verlor, schrieb, das menschliche Leben sei so zerbrechlich wie der Morgentau. Seine Prosa, eine Brücke zwischen westlicher Moderne und östlicher Sensibilität, fing die Schönheit des Vergänglichen ein. Der argentinische Film „Un buda“ (2005) wiederum erzählt von der spirituellen Suche eines jungen Mannes nach dem Verlust der Eltern während der Diktatur; sein Regisseur sagte, gute Lehren seien anfangs oft bitter.

Am Ende steht eine Geste, die wie ein leises Echo all dieser Kämpfe wirkt: In „Ishwarkol“ sagt die Protagonistin nach Jahren des Schweigens zu ihrem Mann: „Ich will ein Kind.“ Es ist kein Triumph, sondern ein behutsames Wiedererwachen. Wie der Morgentau, der mit dem ersten Licht verdunstet und doch in seiner Kürze eine ganze Welt enthält, beginnt Kunst oft genau dort, wo die Gewissheit endet.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseKontinentaleuropäische Presse
Lateinamerikanische Presse/ Markt
DistanzPragmatismus

Das Erdbeben in Venezuela wird als Statistik unter anderen täglichen Nachrichten gemeldet. Der Fokus liegt auf der Zahl von 2.595 Toten und dem Dekret der argentinischen Regierung zur Abschaffung eines Ministeriums. Es wird keine geopolitische Analyse oder Kritik angeboten; das Ereignis wird als Tatsache dargestellt.

Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
AlarmEmpörungSkepsis

Den Vereinigten Staaten wird vorgeworfen, María Corinas Reise nach Caracas torpediert zu haben, um ihre Einmischung in die US-Kontrolle über Venezuela zu verhindern. Der Artikel deutet an, dass US-Truppen gekommen sind, um zu bleiben, und das Erdbeben als Deckmantel für eine langfristige Besatzung nutzen. Der Ton ist kritisch gegenüber dem US-Imperialismus und solidarisch mit der venezolanischen Souveränität.

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Samstag, 4. Juli 2026

Nichts als Leere: Wie aus Verlust und Chaos große Kunst entsteht

Claude Lanzmanns Kampf um 'Shoah', die Küche als Notaufnahme in 'The Bear' und wiederentdeckte Geschichten aus Bangladesch zeigen, wie Kunst aus dem Nichts entsteht.

„Ich wollte filmen, aber ich hatte nichts als Leere.“ Der Satz stammt von Claude Lanzmann, und er beschreibt den zwölfjährigen Kampf um seinen Dokumentarfilm „Shoah“, der heute als Meilenstein gilt. Die Dokumentation „All I Had Was Nothingness“ von Guillaume Ribot zeichnet diesen Weg nun anhand von Lanzmanns eigenen Tonbandaufnahmen und Tagebüchern nach – eine Art Roadmovie durch Deutschland, Polen, Israel und die Vereinigten Staaten. Lanzmann, der kein amerikanisches Geld auftreiben konnte, weil sein Film keinerlei versöhnliche Botschaften über gerechte Helfer bot, sprach davon, „unablässig in die schwarze Sonne der Shoah“ gestarrt zu haben. Was mit nichts begann, wurde zu einem neunstündigen Werk, das den Blick auf den Tod nicht abwendet.

Dieser schöpferische Impuls, der aus dem Nichts oder aus tiefer Verletzung erwächst, findet sich auch in der Literatur wieder. In Bangladesch sind nach Jahrzehnten verschollene Erzählungen des Autors und Filmemachers Zahir Raihan aufgetaucht, die zwischen 1955 und 1970 entstanden. Der Band „Koyekti Nodi O Ekti Somudro“ (Ein paar Flüsse und ein Meer) versammelt Geschichten, die von erbarmungsloser Ausbeutung durch Geldverleiher, von der Fragilität weiblicher Existenz und von der Suche nach Wahrheit angesichts eines rätselhaften Selbstmords handeln. Raihan, der selbst im Unabhängigkeitskampf verschwand, hielt die sozialen und politischen Spannungen seiner Zeit fest. Ähnlich dringt die Novelle „Ishwarkol“ (2021) von Sadia Sultana in die Innenwelt einer Frau vor, die als Kind sexuelle Gewalt erlitt und deren Wunsch nach einem eigenen Kind am Ende wie eine Wiederaneignung des Lebens wirkt.

Eine andere Art von Druck herrscht in der Küche der gefeierten Serie „The Bear“, deren letzte Staffel gerade veröffentlicht wurde. Schon die erste Episode, fast ohne Schnitte gedreht, folgt dem Protagonisten Carmy durch das Chaos eines heruntergekommenen Sandwich-Ladens – eine Kamera, die ein Schlachtfeld dokumentiert. Die argentinische Zeitung La Nación beschrieb, wie die Serie den leeren Glamour der Kochshows verdrängt und die Küche in eine „Notaufnahme“ verwandelt habe. Der dänische Spitzenkoch René Redzepi verglich sie mit der Serie „The Wire“. In Buenos Aires beobachtet der Koch Dante Liporace, wie Gäste an seiner Bar nicht mehr miteinander sprechen, sondern ihm schweigend beim Kochen zusehen – als wäre die Küche zur Live-Serie geworden. Ganz ohne Kameras, aber mit ähnlicher Hingabe, hat der Texaner Evan LeRoy die Barbecue-Tradition neu erfunden. Nach einem Englischstudium kehrte er nach Austin zurück, studierte am Le Cordon Bleu und eröffnete einen Imbisswagen, der heute ein Restaurant mit siebzig Mitarbeitern ist. LeRoy, der inzwischen einen Michelin-Stern trägt, verarbeitet ganze Tiere, setzt Gemüse als Hauptgericht ein und sagt, er habe gemerkt, dass niemand etwas anderes mit dem Grill mache.

All diesen Werken ist gemein, dass sie keinen einfachen Trost spenden. Lanzmanns „Shoah“ verweigerte sich jedem erbaulichen Narrativ; „The Bear“ zeigt eine Küche voller Gebrüll und Traumata, bevor sie ihr Herz offenbart; Raihans Geschichten legen die Nerven einer Gesellschaft bloß, die kurz vor der Befreiung stand. Der japanische Nobelpreisträger Yasunari Kawabata, der selbst als Kind seine gesamte Familie verlor, schrieb, das menschliche Leben sei so zerbrechlich wie der Morgentau. Seine Prosa, eine Brücke zwischen westlicher Moderne und östlicher Sensibilität, fing die Schönheit des Vergänglichen ein. Der argentinische Film „Un buda“ (2005) wiederum erzählt von der spirituellen Suche eines jungen Mannes nach dem Verlust der Eltern während der Diktatur; sein Regisseur sagte, gute Lehren seien anfangs oft bitter.

Am Ende steht eine Geste, die wie ein leises Echo all dieser Kämpfe wirkt: In „Ishwarkol“ sagt die Protagonistin nach Jahren des Schweigens zu ihrem Mann: „Ich will ein Kind.“ Es ist kein Triumph, sondern ein behutsames Wiedererwachen. Wie der Morgentau, der mit dem ersten Licht verdunstet und doch in seiner Kürze eine ganze Welt enthält, beginnt Kunst oft genau dort, wo die Gewissheit endet.

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Das Erdbeben in Venezuela wird als Statistik unter anderen täglichen Nachrichten gemeldet. Der Fokus liegt auf der Zahl von 2.595 Toten und dem Dekret der argentinischen Regierung zur Abschaffung eines Ministeriums. Es wird keine geopolitische Analyse oder Kritik angeboten; das Ereignis wird als Tatsache dargestellt.

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AlarmEmpörungSkepsis

Den Vereinigten Staaten wird vorgeworfen, María Corinas Reise nach Caracas torpediert zu haben, um ihre Einmischung in die US-Kontrolle über Venezuela zu verhindern. Der Artikel deutet an, dass US-Truppen gekommen sind, um zu bleiben, und das Erdbeben als Deckmantel für eine langfristige Besatzung nutzen. Der Ton ist kritisch gegenüber dem US-Imperialismus und solidarisch mit der venezolanischen Souveränität.

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