
NEET-Wiederholungsprüfung in Indien: Verpasste Chancen, neue Betrugsfälle und anhaltende Proteste
Nach der Annullierung der ersten Prüfung wegen eines Papierlecks traten über 20 lakh Kandidaten zur Wiederholung an – doch Verspätungen, Festnahmen und Demonstrationen prägten den Tag.
Vor den Prüfungszentren in mehreren indischen Bundesstaaten spielten sich am Sonntag, dem 21. Juni 2026, Szenen ab, die das ganze Ausmaß der Belastung für die Aspiranten des National Eligibility cum Entrance Test (NEET-UG) zeigten. In Vidisha (Madhya Pradesh) brach ein Vater zusammen, nachdem seine Tochter wegen zwei Minuten Verspätung – verursacht durch Starkregen und eine Reifenpanne – nicht mehr eingelassen wurde. Ähnliche Vorfälle wurden aus Bengaluru gemeldet, wo Verkehrsbehinderungen im Zusammenhang mit einer politischen Kundgebung mindestens drei Kandidaten den Zugang versperrten, sowie aus Telangana, wo eine Mutter vor Sicherheitspersonal auf die Knie fiel. Die Bilder verbreiteten sich rasch in sozialen Netzwerken und lösten eine Debatte über die strikte Auslegung der Einlassregeln aus.
Die Wiederholungsprüfung selbst, die nach der Aufhebung des ursprünglichen Tests vom 3. Mai wegen erwiesener Papierlecks angesetzt worden war, bezeichnete der Generaldirektor der National Testing Agency (NTA), Abhishek Singh, als „fehlerfrei und makellos“. Nach Angaben der Behörde nahmen mehr als 20 lakh Kandidaten an 5.440 Zentren im Inland und 14 Standorten im Ausland teil. Umfassende Sicherheitsvorkehrungen – darunter biometrische Aadhaar-Authentifizierung, Gesichtserkennung, Störsender und eine zweistufige Durchsuchung – sollten Manipulationen unterbinden. Die vorübergehende Sperrung des Messenger-Dienstes Telegram vom 16. bis 22. Juni begründete Singh damit, dass die Plattform eine „falsche Wahrnehmung von Leaks“ erzeugt und Betrüger ermutigt habe. Ein in sozialen Medien kursierendes Video, das ein angebliches Leck zeigte, wies die NTA als Fälschung zurück.
Dennoch wurden aus Bihar neue Betrugsfälle bekannt. Im Distrikt Lakhisarai nahm die Polizei nach eigenen Angaben zunächst neun Personen fest, die verdächtigt werden, anstelle registrierter Kandidaten die Prüfung abgelegt zu haben. Spätere Berichte sprachen von 30 Festnahmen, darunter Medizinstudenten etablierter Hochschulen wie dem Patna Medical College. Auch sieben Mitarbeiter einer privaten Agentur, die für die biometrische Erfassung zuständig war, wurden zur Befragung festgehalten. In Indore (Madhya Pradesh) verhaftete die Kriminalpolizei einen Jurastudenten, der über Instagram ein mittels künstlicher Intelligenz generiertes angebliches Prüfungspapier verkauft haben soll. Die Ermittler prüfen Verbindungen zu einem überregionalen „Solver“-Netzwerk.
Parallel dazu setzte die Cockroach Janta Party (CJP) unter Führung des aus den USA zurückgekehrten Aktivisten Abhijeet Dipke ihren Sitzstreik am Jantar Mantar in Neu-Delhi fort. Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan und beklagen polizeiliche Schikanen – darunter die angebliche Forderung nach Aadhaar-Ausweisen als Zugangsvoraussetzung. Am Abend hielten sie eine Mahnwache für Studierende ab, die sich nach Bekanntwerden des ursprünglichen Papierlecks das Leben genommen hatten. Der Klimaaktivist Sonam Wangchuk kündigte für den 27. Juni einen unbefristeten Hungerstreik an, sollte der Minister nicht zurücktreten. Die Vishva Hindu Parishad (VHP) erhob unterdessen den Vorwurf, hinduistischen Prüflingen sei das Tragen religiöser Symbole wie Kalava untersagt worden, während muslimischen Kandidatinnen Hijab und Burka erlaubt gewesen seien, und verlangte eine Untersuchung.
Die NTA hat für Juli die Veröffentlichung eines vorläufigen Antwortschlüssels in Aussicht gestellt, gegen den Einsprüche eingelegt werden können. Die Ermittlungen zu den Betrugsfällen in Bihar und Madhya Pradesh dauern an. Die Proteste am Jantar Mantar bestehen fort, während die Behörde die Integrität der Prüfung als gewahrt betrachtet.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Wiederholung des NEET-UG wurde zu einem neuen politischen und sozialen Schlachtfeld. Von Jugendlichen angeführte Proteste fordern den Rücktritt des Bildungsministers und werfen der Polizei vor, den Zugang zu behindern. Neue Festnahmen wegen Identitätstäuschung in Bihar und herzzerreißende Geschichten von ausgesperrten Schülern schüren die Wut auf ein als korrupt und gefühllos empfundenes System.
Nach einem Fragenleck wiederholte Indien die Medizin-Aufnahmeprüfung unter strenger staatlicher Überwachung. Der Vorfall wird als ein weiterer Betrugsfall in einem extrem wettbewerbsintensiven Prüfungssystem dargestellt, während Straßenproteste als Nebensache vermerkt werden. Der Schwerpunkt liegt auf Kontrollmaßnahmen und der Notwendigkeit, künftige Unregelmäßigkeiten zu verhindern.
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