
Nach Starmers Rücktritt: Andy Burnhams dritter Anlauf auf die Labour-Führung
Der Bürgermeister von Greater Manchester, als „König des Nordens“ bekannt, hat seine Kandidatur erklärt und bringt ein regionales Gegenmodell in die nationale Politik ein.
Der Rücktritt des britischen Premierministers Keir Starmer hat eine Nachfolgedebatte ausgelöst, in der sich Andy Burnham, der direkt gewählte Bürgermeister von Greater Manchester, als erster prominenter Kandidat positioniert hat. Burnham, der bereits 2010 und 2015 in Labour-Führungswahlen unterlag, kehrte erst kürzlich über eine Nachwahl im Wahlkreis Makerfield ins Unterhaus zurück. Seine Ankündigung, für den Parteivorsitz zu kandidieren, erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Unterstützung unter Labour-Abgeordneten, wie britische Medien berichten.
In der britischen Öffentlichkeit wird Burnham seit der Corona-Pandemie als „King of the North“ bezeichnet – ein Beiname, der auf seine öffentlichen Auseinandersetzungen mit der Regierung Boris Johnson um Finanzhilfen für den Norden Englands zurückgeht. Politisch verortet ihn die Londoner Presse im „weichen linken“ Spektrum Labours, zwischen dem zentristischen Kurs Starmers und dem radikaleren Flügel um Jeremy Corbyn. Burnham selbst bewirbt ein als „Manchesterism“ bezeichnetes Modell, das auf regionaler Wirtschaftsförderung, lokaler Kontrolle über öffentliche Dienstleistungen und einer Abkehr von London-zentrierter Politik beruht. In seiner Siegesrede in Makerfield erklärte er, ein vierzigjähriger politischer Kurs habe „für Menschen und Orte in diesem Teil der Welt einfach nicht funktioniert“.
Aus Sicht nordenglischer Regionalvertreter verkörpert Burnham eine Abkehr vom Westminster-zentrierten Regierungsstil. Seine neunjährige Amtszeit als Bürgermeister war von der Rekommunalisierung des öffentlichen Nahverkehrs und städtebaulichen Großprojekten geprägt. Beobachter in Brüssel registrieren zudem seine pro-europäische Haltung: Burnham warb 2016 für den Verbleib in der EU, betont jedoch seither die Respektierung des Brexit-Votums – eine Position, die in starken Leave-Gebieten wie Makerfield als wahlentscheidend gilt. Gleichzeitig verspricht er niedrigere Energiepreise, günstigere Bahntarife und neue Industrieansiedlungen im Norden, was ihn für Wählerschichten attraktiv macht, die sich von der Londoner Politik abgehängt fühlen.
Für die Labour-Partei eröffnet Burnhams Kandidatur eine Richtungsdebatte. Während ihm Anhänger zuschreiben, als einer der kommunikationsstärksten Politiker der Partei Brücken zu entfremdeten Wählergruppen schlagen zu können, verweisen Kritiker in Westminster auf seine bisherigen Niederlagen bei gesamtparteilichen Urwahlen. Die kommende Führungswahl wird nach Darstellung britischer Kommentatoren auch eine Entscheidung darüber sein, ob das regional erprobte Regierungsmodell von Greater Manchester auf die nationale Ebene übertragen werden soll. Ein Termin für die Wahl des neuen Parteivorsitzenden ist noch nicht festgelegt; die Labour-Fraktion wird voraussichtlich in den kommenden Tagen über das Verfahren beraten.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Nach zwei gescheiterten Anläufen hat Andy Burnham, der als 'König des Nordens' für regionale Interessen kämpfte, nun freie Bahn, um Labour-Chef und Premierminister zu werden. Seine Amtszeit als Bürgermeister von Manchester hat ihm den Ruf der Geradlinigkeit und des Erfolgs eingebracht und ihn zum Favoriten gemacht.
Andy Burnham, lange eher als ewiger Anwärter denn als Gewinner gesehen, glaubt, dass seine Stunde nach Starmers Rücktritt endlich gekommen ist. Der Bürgermeister von Greater Manchester, zweimal in früheren Führungsrennen geschlagen, sieht nun einen gangbaren Weg in die Downing Street.
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