
Militärblogger „Trinadzaty“ in Russland wegen Extremismus-Vorwürfen in Haft
Der regierungskritische Kriegsbefürworter Jegor Gusenko wurde nach Angaben seines Telegram-Kanals festgenommen – eine offizielle Bestätigung steht aus.
Der russische Militärblogger und Vertragssoldat Jegor Gusenko, bekannt unter dem Rufzeichen „Trinadzaty“ (der Dreizehnte), ist nach Darstellung seines eigenen Telegram-Kanals in Untersuchungshaft genommen worden. Ihm werde die „Erregung von Hass oder Feindschaft“ (Artikel 282 des russischen Strafgesetzbuches) vorgeworfen, teilten die Betreiber des Kanals am 10. Juli mit; zuvor war bereits von einem Verfahren wegen „Extremismus“ die Rede. Eine offizielle Bestätigung der Strafverfolgungsbehörden liegt nicht vor, auch der Gerichtsort ist unbekannt. Die Inhaftierung erfolgte demnach für zwei Monate.
Aus Sicht unabhängiger russischer Medien reiht sich der Fall in eine Serie von Verhaftungen ein, die sich gegen regierungskritische Stimmen auch innerhalb des pro-militärischen Lagers richten. Der Kanal Gusenkos, der rund 230.000 Abonnenten zählt, hatte die Vorwürfe als unbegründet bezeichnet und betont, der Blogger habe stets offen seine Meinung geäußert und Kämpfer unterstützt. Westliche Beobachter verweisen auf ein Muster, wonach öffentliche Kritik an der Kriegsführung oder an Präsident Wladimir Putin zunehmend mit strafrechtlichen Mitteln unterbunden werde. Die russischen Behörden selbst haben sich zu dem Fall bislang nicht geäußert.
Gusenko hatte im Frühjahr Putin wegen der flächendeckenden Abschaltung mobiler Internetdienste scharf attackiert und ihm vorgeworfen, die Bevölkerung zu belügen. Wenige Tage später wurde er nach Angaben seines Kanals trotz einer schweren Beinverletzung in eine Sturmabteilung an der Front versetzt und galt seither als vermisst. Bereits im Herbst 2024 war der Veteran, der seit 2014 im Donbass und später in Syrien kämpfte, in Stawropol festgenommen worden – damals wegen tätlichen Angriffs auf einen Polizisten. Nach einem Monat in Haft unterzeichnete er einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium und wurde an die Front geschickt, das Verfahren wurde ausgesetzt.
Für die deutschsprachige Öffentlichkeit unterstreicht der Vorgang die engen Grenzen, die das russische Staatswesen selbst systemloyalen Akteuren setzt, sobald sie grundlegende Entscheidungen der Führung infrage stellen. Der Kanal hat inzwischen zu Spenden für einen Anwalt aufgerufen. Mit einer offiziellen Stellungnahme der Ermittlungsbehörden ist vorerst nicht zu rechnen; das weitere Verfahren dürfte sich über Wochen hinziehen und maßgeblich davon abhängen, ob die Vorwürfe auf öffentlichen Äußerungen Gusenkos oder auf anderen, bislang nicht bekannten Sachverhalten beruhen.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | +0.20 | neutral |
Russland unterdrückt Dissens, indem es Extremismusvorwürfe nutzt, um Kritiker zum Schweigen zu bringen.
Der Block betont das Fehlen einer offiziellen Bestätigung und den Kontext der Kritik an Putin, wodurch ein Rahmen willkürlicher Unterdrückung entsteht.
Der Block lässt aus, dass Guzenko ein kriegsbefürwortender Blogger ist und bereits zuvor verhaftet wurde, was die Erzählung eines verfolgten Dissidenten schwächen würde.
Russland wendet das Gesetz gegen Hassprediger an, unabhängig von deren Popularität.
Der Block normalisiert die Festnahme, indem er sie als routinemäßiges rechtliches Verfahren darstellt und den politischen Kontext minimiert.
Der Block lässt Guzenkos spezifische Kritik an Putin und das Fehlen einer offiziellen Bestätigung aus, was auf politische Motive hindeuten würde.
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