
Machtvakuum nach Chamenais Tod: Iranische Führung ringt um Kontrolle und reagiert auf Trump-Drohungen
Die Beisetzung von Ali Chamenei offenbart Legitimationsdefizite des Regimes, während der Sicherheitsapparat einen Führungsverlust verkraften muss und die Konfrontation mit Washington eskaliert.
Der Tod des iranischen Machthabers Ali Chamenei und die anschließenden Trauerzeremonien haben nach Darstellung des regimekritischen Senders Iran International eine tiefe Legitimationskrise des politischen Systems offengelegt. Trotz behördlich angeordneter Schließungen in mehreren Provinzen – darunter Semnan, Mazandaran und Yazd – sowie organisiertem Transport und massiver Mobilisierung sei es der Führung nicht gelungen, die vorgesehenen Plätze zu füllen. Iran International zitiert Zuschriften, die von einer „politischen und legitimatorischen Niederlage“ sprechen. Aus Sicht der iranischen Führung hingegen wurde die Zeremonie als „Demonstration von Stärke und Popularität“ inszeniert, wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna meldete. Die Abwesenheit von Chamenais Sohn Mudschtaba bei der Beisetzung wird in oppositionellen Kreisen als Hinweis auf interne Machtkämpfe gewertet.
Mit dem Tod Chamenais verliert das Regime nach übereinstimmender Analyse mehrerer Beobachter nicht nur das geistliche Oberhaupt, sondern auch den Oberbefehlshaber der Streitkräfte und zentralen Koordinator des Sicherheitsapparats. Iran International verweist auf Chamenais durchgängige militärische und sicherheitspolitische Prägung seit der Gründung der Islamischen Republik: Er bekleidete Posten als stellvertretender Verteidigungsminister, Aufseher der Revolutionsgarden und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Parlament. In seiner Amtszeit als Revolutionsführer ab 1989 habe er parallel Raketenprogramme, den Ausbau paramilitärischer Strukturen in der Region und ein militärisch ausgerichtetes Nuklearprogramm vorangetrieben. Der Sender schätzt, dass die direkten Kosten dieser Programme Hunderte Milliarden Dollar betragen, die indirekten Folgekosten mehrere Billionen. Ein Ersatz für diese Scharnierfunktion sei kurzfristig nicht in Sicht, weder durch Mudschtaba Chamenei noch durch andere hochrangige Sicherheitsbeamte.
Die wirtschaftliche Bilanz der Ära Chamenei wird in den von Iran International zitierten Bürgerreaktionen scharf kritisiert. Die enormen Ausgaben für Militär und Sicherheit hätten weder eine verlässliche Energieversorgung noch eine wirksame Abschreckung geschaffen – vielmehr sei es zu zwei Kriegen gekommen, in deren zweitem Chamenei selbst ums Leben kam. Die Trauerfeierlichkeiten fielen in eine Zeit, in der viele Haushalte Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen könnten und die Inflation die Kaufkraft zerstört habe. Die staatlichen Kosten der Zeremonie würden aus Steuermitteln bestritten, während die Bevölkerung unter Armut leide, so die Vorwürfe.
International verschärft sich der Ton zwischen Washington und Teheran. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, entweder eine Einigung mit Iran zu erzielen oder „die Arbeit zu beenden“. Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohammad-Baqer Zolghadr, wies dies laut Irna und der russischen Agentur Interfax scharf zurück: Trump solle das iranische Volk mit Respekt ansprechen, andernfalls werde man „in einer anderen Sprache“ antworten. Zolghadr erinnerte an frühere Drohungen Trumps gegen die iranische Zivilisation, die nur zu Niederlage und dem Wunsch nach Verhandlungen geführt hätten. Parallel dazu forderte der im niederländischen Exil lebende Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, das Europäische Parlament auf, dem Regime keine Legitimität zu gewähren. Ein freies, säkulares und demokratisches Iran könne ein strategischer Partner Europas werden, so Pahlavi laut Iran International. Die nächsten Schritte der iranischen Führung zur Nachfolgeregelung und zur außenpolitischen Positionierung bleiben unklar; Beobachter erwarten eine Phase interner Konsolidierung bei gleichzeitig hohem Eskalationsrisiko mit den USA.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.70 | critical |
|---|---|---|
| Iranische & verwandte Presse | +0.60 | aligned |
| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
Die iranische Opposition verurteilt das Machtvakuum und fordert ein säkulares Iran, warnt, dass die Bedrohung solange bestehe, wie das Regime existiert.
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