
Starmer präsentiert letzten Verteidigungsplan: 15 Milliarden Pfund zusätzlich für Drohnen und hybride Marine
Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer hat einen lange verzögerten Verteidigungsinvestitionsplan vorgelegt, der 15 Milliarden Pfund zusätzlich für Drohnen, autonome Systeme und eine hybride Marine vorsieht, während Militärs und Opposition die Mittel als zu gering kritisieren.
Der britische Premierminister Keir Starmer hat am Dienstag den Defence Investment Plan (DIP) vorgestellt, der die Verteidigungsausgaben des Vereinigten Königreichs in den kommenden vier Jahren um 15 Milliarden Pfund auf insgesamt knapp 300 Milliarden Pfund erhöht. Das Dokument, das Starmer als sein vermächtnisprägendes Projekt bezeichnete, sieht eine grundlegende Neuausrichtung der Streitkräfte vor: Fünf Milliarden Pfund fließen in Drohnen und autonome Waffensysteme, die Royal Navy soll zu einer „hybriden Flotte“ aus bemannten und unbemannten Einheiten umgebaut werden, und das nukleare Abschreckungspotential wird mit 64 Milliarden Pfund modernisiert. Der Plan soll auf dem NATO-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli präsentiert werden.
Aus Londoner Regierungskreisen wird der DIP als historische Wende und notwendige Antwort auf eine gefährlichere Weltlage dargestellt. Starmer erklärte, die beste Kriegsvermeidung sei die Kriegsvorbereitung, und verwies auf die Lehren aus dem Ukraine-Krieg, wo kostengünstige Drohnen teure Waffensysteme neutralisierten. NATO-Generalsekretär Mark Rutte begrüßte den Plan als wichtigen Schritt zu mehr Bündnissicherheit. Finanziert wird die Aufstockung durch Umschichtungen im Staatshaushalt, insbesondere durch die Streichung von Straßen- und Energieprojekten, die nach Regierungsangaben nicht unmittelbar lebenswichtig seien. Die Gewerkschaft GMB würdigte die Planungssicherheit für die Rüstungsindustrie.
In Militärkreisen und bei der Opposition stößt der DIP hingegen auf deutliche Kritik. Der frühere Verteidigungsminister John Healey war Anfang Juni zurückgetreten, weil die Regierung aus seiner Sicht nicht genügend Mittel für die Landesverteidigung bereitstellte. General Richard Barrons, ehemaliger Kommandeur des Joint Forces Command, bezifferte die Finanzierungslücke auf 28 Milliarden Pfund und warnte, notwendige Ausrüstung werde verzögert oder gestrichen. Die konservative Oppositionsführerin Kemi Badenoch nannte den Plan „zu wenig, zu spät“, und die Liberaldemokraten monierten eine Unterfinanzierung. Auch die Tatsache, dass die Verteidigungsausgaben bis 2029 lediglich auf 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und das Drei-Prozent-Ziel erst in der nächsten Legislaturperiode erreicht werden soll, wird von Fachleuten als unzureichend bewertet.
Der DIP markiert eine Abkehr von klassischen Großplattformen: Statt neuer Zerstörer der Type-83-Klasse sollen sechs sogenannte Common Combat Vessels als Kommandozentralen für Drohnenschwärme dienen. Das Heer erhält Kamikaze-Drohnen und autonome Bodenfahrzeuge, die Luftwaffe setzt auf unbemannte Kampfflugzeuge im Verbund mit bemannten Maschinen. Mit Italien und Japan wird ein Tarnkappenkampfjet der nächsten Generation entwickelt. Beobachter in europäischen Hauptstädten sehen darin einen Beleg für den wachsenden Druck, Verteidigungshaushalte effizienter einzusetzen, während die USA unter Präsident Donald Trump auf eine Entlastung durch die europäischen NATO-Partner drängen.
Der Plan ist Starmers letzte große politische Initiative vor seinem erwarteten Rücktritt im Juli. Sein designierter Nachfolger Andy Burnham hat signalisiert, auf dem DIP aufbauen zu wollen, ohne sich auf konkrete Finanzierungszusagen festzulegen. Die nächste britische Regierung wird den Kurs in den anstehenden Haushaltsverhandlungen präzisieren müssen. Die NATO-Staaten haben sich verpflichtet, bis 2035 fünf Prozent des BIP für Verteidigung und sicherheitsrelevante Infrastruktur aufzuwenden; der DIP sieht für das Vereinigte Königreich nach breiterer Definition 4,2 Prozent vor, wobei ein verbindlicher Zeitplan fehlt.
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