
Lateinamerikanische Devisen: Argentiniens Parallel-Lücke schrumpft, Peso und kolumbianischer Peso profitieren von Zinsdifferenz
Während in Buenos Aires der blaue Dollar nahe an den offiziellen Kurs rückt, stützen in Mexiko und Kolumbien hohe Leitzinsen und Kapitalzuflüsse die Landeswährungen.
An den Devisenmärkten Lateinamerikas zeigt sich am 6. Juli 2026 ein geteiltes Bild: In Argentinien notieren der offizielle und der informelle Dollar erstmals seit Langem nahezu gleichauf bei 1.510 Pesos, die Lücke schrumpft auf rund zwei Prozent. Aus Buenos Aires wird berichtet, dass die Regierung an diesem Montag dem internationalen Markt ein Signal senden will, indem Wirtschaftsminister Luis Caputo den Plan zur Bedienung der Dollar-Schuldenfälligkeiten der Jahre 2026 und 2027 vorstellt. Die offizielle Notierung war zuletzt gestiegen, was Beobachter mit einem geringeren Angebot aus der Agrarausfuhr und einer nachlassenden Emission von Unternehmensanleihen erklären. Gleichzeitig hat die Zentralbank seit April die meisten Devisenbeschränkungen für Privatpersonen aufgehoben und akkumuliert weiter Reserven.
Der mexikanische Peso hält sich unter 17,50 je Dollar und legte leicht zu. Aus Mexiko-Stadt verweisen Analysten auf die Erholung der Inlandsinvestitionen – der Gleichlauf-Indikator stieg den siebten Monat in Folge – sowie auf das Wohnungsbauprogramm der Regierung. Stützend wirkt zudem die Aussicht auf Kapitalzuflüsse durch Nearshoring und die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Allerdings rechnen Institute wie Banorte und die von der Zentralbank befragten Experten für das Jahresende mit einer Abwertung auf 19,30 bis 20,50 Pesos, belastet durch die Neuverhandlung des T-MEC und die US-Zollpolitik. Internationale Fondsmanager greifen unterdessen vermehrt auf Euro und australische Dollar zurück, um Carry-Trades in Schwellenländern zu finanzieren, und verringern so die Abhängigkeit vom US-Dollar.
In Kolumbien setzte die Zentralbank mit einer überraschenden Leitzinsanhebung um 75 Basispunkte auf 12 Prozent ein deutliches Signal. Der Peso festigte sich auf 3.330 je Dollar, ein Minus von mehr als 1.000 Pesos seit Januar 2025. Der vergrößerte Zinsabstand zur Federal Reserve macht die Währung für Carry-Trades attraktiv; hinzu kamen schwache US-Arbeitsmarktdaten, die den Dollar weltweit drückten. Aus Bogotá wird auf die politische Komponente verwiesen: Die designierte Regierung gilt als marktfreundlich, der künftige Finanzminister stellte sich hinter die Autonomie der Notenbank. Allerdings hat das Land bereits 78 Prozent des für 2026 genehmigten Volumens an lokalen Staatsanleihen begeben, sodass der neuen Regierung ab dem 7. August nur noch ein begrenzter Spielraum für weitere Emissionen bleibt.
Die Entwicklung unterstreicht die Bedeutung der Geldpolitik für die Wechselkurse der Region. Während Argentinien mit der faktischen Angleichung der Kurse und der anstehenden Schuldenstrategie einen Normalisierungsschritt versucht, bleiben Mexiko und Kolumbien auf hohe Realzinsen angewiesen, um Kapital anzuziehen. Der nächste Prüfstein ist die Präsentation des argentinischen Schuldenplans, von der sich die Märkte Aufschluss über die mittelfristige Tragfähigkeit erhoffen.
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