
NATO-Gipfel in Ankara: Rüstungsdeals und Trumps Unmut über Iran-Hilfe
Die Allianz verkündet Verträge über mehr als 50 Milliarden Dollar, doch der US-Präsident droht mit Truppenabzug und kritisiert die mangelnde Unterstützung im Krieg gegen Iran.
Zum Auftakt des NATO-Gipfels in Ankara haben die Mitgliedstaaten Rüstungsaufträge im Umfang von mindestens 50 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Zugleich äußerte US-Präsident Donald Trump scharfe Kritik an den europäischen Verbündeten und stellte einen weiteren Abzug amerikanischer Truppen aus Europa in Aussicht. Die Verträge umfassen unter anderem den Kauf von Drohnen, Überwachungsflugzeugen und Transportmaschinen, wobei sowohl US-amerikanische als auch europäische Hersteller zum Zuge kommen.
Aus Washingtoner Sicht bleibt die Lastenverteilung innerhalb der Allianz unausgewogen. Trump erklärte, er sei „sehr enttäuscht“ von der NATO und hätte das Treffen ohne seine persönliche Beziehung zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan möglicherweise boykottiert. Er warf insbesondere Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien vor, die Vereinigten Staaten im Krieg gegen Iran nicht ausreichend unterstützt zu haben. Europäische Diplomaten verweisen hingegen auf die erheblichen Steigerungen der Verteidigungsausgaben: Nach NATO-Berechnungen werden die europäischen Mitglieder und Kanada in diesem Jahr 634 Milliarden Dollar für ihr Militär aufwenden, ein Anstieg von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Ankündigungen in Ankara sind Teil einer Strategie, den amerikanischen Präsidenten von der Ernsthaftigkeit des europäischen Engagements zu überzeugen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte präsentierte eine Grafik mit dem Titel „Trump Billion“, die die kumulierten Mehrausgaben der Verbündeten seit 2017 auf 1,2 Billionen Dollar beziffert. Gleichzeitig zeigen die Verträge ein wachsendes Interesse europäischer Staaten, ihre Abhängigkeit von US-Rüstungslieferungen zu verringern: Elf Länder ersetzen etwa das Boeing-Radarflugzeug durch ein System des schwedischen Herstellers Saab. Dennoch bleibt die Allianz in zentralen Fähigkeiten wie Drohnen und Luftverteidigung auf amerikanische Technologie angewiesen, wie der Kauf von Northrop-Grumman-Drohnen durch mehrere Staaten belegt.
Die Spannungen werden durch die ungelöste Frage der künftigen US-Präsenz in Europa verschärft. Trump bekräftigte seinen Anspruch auf Grönland und lockerte im Gegenzug Sanktionen gegen die Türkei, die 2020 wegen des Kaufs russischer S-400-Systeme verhängt worden waren, und stellte den Verkauf von F-35-Kampfflugzeugen in Aussicht. In der Allianz wächst die Sorge, dass Washington sich schrittweise aus der konventionellen Verteidigung Europas zurückziehen könnte. Beobachter in europäischen Hauptstädten gehen davon aus, dass die US-Truppenpräsenz in den kommenden Jahren halbiert werden könnte, während der nukleare Schutzschirm bestehen bliebe. Dies würde eine deutlich europäischer geprägte NATO erzwingen, deren Entscheidungsstrukturen sich vom bisherigen US-geführten Modell lösen müssten.
Der Gipfel, der noch bis morgen andauert, soll zudem die Unterstützung für die Ukraine bekräftigen, die angesichts anhaltender russischer Angriffe dringend weitere Flugabwehrsysteme fordert. Die formelle Abschlusserklärung wird mit Spannung erwartet, da sie Aufschluss darüber geben könnte, wie die Allianz die wachsenden internen Fliehkräfte zu bändigen gedenkt. Eine Einigung auf konkrete Fahrpläne zur Erreichung des 2035-Ziels von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung steht noch aus; mehrere Mitglieder, darunter Spanien und Belgien, kämpfen bereits mit der bisherigen Zwei-Prozent-Marke.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.10 | neutral |
| Arabische Golfpresse | −0.30 | critical |
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