
Irans eingefrorene Milliarden: Der wahre Einsatz bei den Atomverhandlungen
Während die Welt auf das Nuklearprogramm blickt, ringt Teheran mit Washington vor allem um die Freigabe von über 100 Milliarden Dollar blockierter Auslandsguthaben.
In den laufenden Gesprächen zwischen Teheran und Washington über ein mögliches Abkommen zur Beendigung des jahrelangen Konflikts rückt ein Thema zunehmend in den Vordergrund, das für die Islamische Republik von existenzieller Bedeutung ist: der Zugriff auf ihre im Ausland eingefrorenen Vermögenswerte. Nach übereinstimmenden Berichten, die sich auf Quellen des Wall Street Journal stützen, fordert Iran die gestaffelte Freigabe von mindestens 24 Milliarden Dollar als vertrauensbildende Maßnahme. Insgesamt beansprucht Teheran mehr als 100 Milliarden Dollar, die durch internationale Sanktionen blockiert seien – eine Summe, die westliche Experten allerdings als deutlich überhöht einschätzen. Die Frage der eingefrorenen Guthaben ist damit zum zentralen Hebel in den Verhandlungen geworden, die weit über das Nuklearprogramm hinausreichen.
Die geografische Verteilung der blockierten Mittel zeichnet ein Bild der wirtschaftlichen Isolation Irans. Den größten Anteil lokalisieren die Berichte in China und Katar, wo jeweils zwischen 20 und 50 Milliarden Dollar liegen sollen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Erlöse aus Öllieferungen, die aufgrund der 2018 von Präsident Trump wiedereingeführten Sanktionen nicht transferiert werden konnten. Im Irak sind rund 15 Milliarden Dollar blockiert, in Indien und Südkorea jeweils etwa 7 Milliarden, in Japan 3 Milliarden. Selbst in den Vereinigten Staaten lagern noch rund 2 Milliarden Dollar aus der Zeit vor der Islamischen Revolution 1979. Kleinere Beträge werden in Luxemburg und Oman vermutet. Diese Summen sind für die von Inflation und Währungsverfall geplagte iranische Wirtschaft überlebenswichtig.
Aus Teheraner Sicht ist die Freigabe der Guthaben die Voraussetzung für jede substanzielle Einigung. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, die amerikanische Seite habe zugesichert, Hindernisse bei der Freigabe zu beseitigen. Die iranische Führung steht innenpolitisch unter enormem Druck: Die durch Sanktionen und Misswirtschaft ausgelöste Wirtschaftskrise hat die Kaufkraft der Bevölkerung dramatisch geschwächt. Beobachter in Peking und Neu-Delhi registrieren die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. China, als größter Abnehmer iranischen Öls und zugleich Verwahrer bedeutender Guthaben, könnte von einer Normalisierung profitieren, müsste dann aber seine bisherigen Schattenfinanzkanäle aufgeben. Indien und Südkorea wiederum sehen sich als wichtige Handelspartner in der Pflicht, die eingefrorenen Ölzahlungen freizugeben, sobald Washington grünes Licht signalisiert.
Für Europa, insbesondere Deutschland, Österreich und die Schweiz, steht bei einer möglichen Einigung viel auf dem Spiel. Eine schrittweise Reintegration Irans in das internationale Finanzsystem böte nicht nur Chancen für den Maschinenbau- und Pharmasektor, sondern würde auch die geopolitischen Spannungen am Persischen Golf reduzieren – mit direkten Folgen für die Energiepreise und die Stabilität der Lieferketten. Gleichzeitig mahnen Sicherheitskreise in Berlin und Wien zur Vorsicht: Eine zu rasche Freigabe von Milliardenbeträgen könnte Teherans regionale Militäraktivitäten und sein Raketenprogramm indirekt finanzieren. Die kommenden Verhandlungsrunden werden zeigen, ob Washington bereit ist, die eingefrorenen Guthaben als strategisches Faustpfand schrittweise aus der Hand zu geben – und ob Teheran im Gegenzug zu verifizierbaren Einschränkungen seines Nuklearprogramms und einer dauerhaften Deeskalation in der Region bereit ist.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die im Ausland eingefrorenen Vermögenswerte Irans, die in Ländern wie China, Katar, Irak und anderen verwahrt werden, sind das Erbe jahrzehntelanger Sanktionen und gebrochener Versprechen. Teheran betrachtet die schrittweise Freigabe von mindestens 24 Milliarden Dollar als entscheidend für die Wiederbelebung der Wirtschaft und besteht darauf, dass die USA sich verpflichtet haben, Hindernisse zu beseitigen. Das Problem, das in der Revolution von 1979 wurzelt und durch Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen verschärft wurde, ist heute der wahre Schlüssel zu einer dauerhaften Einigung.
Während die Weltöffentlichkeit auf das iranische Atomprogramm starrt, könnte der wahre Einsatz in den Verhandlungen zwischen Teheran und Washington woanders liegen: das Schicksal der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte im Ausland. Mit bombardierten Anreicherungsanlagen und geschwächten regionalen Stellvertretern ist der wirtschaftliche Hebel der blockierten Milliarden zum eigentlichen Treiber eines möglichen Friedensabkommens geworden. Das Atomdossier, so dramatisch es auch sein mag, droht den finanziellen Kern der Gespräche zu überdecken.
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