
Im Affengestus gefangen: IShowSpeed und der Rassismus bei der Fußball-WM
Nach rassistischen Attacken argentinischer Fans gegen den schwarzen Streamer IShowSpeed ermittelt die FIFA – ein brasilianischer Influencer fordert nun harte Konsequenzen.
Das Handyvideo wackelt, im Hintergrund tobt der Jubel über das 3:2. Dann zoomt die Kamera auf einen Mann in der Menge, der mit beiden Händen Affenlaute imitiert – direkt in die Linse von IShowSpeed. Der Streamer, der das Achtelfinale Argentinien gegen Ägypten live an seine Millionen Follower überträgt, erstarrt. „Was ist falsch mit diesem Typen?“, fragt er fassungslos, während die Bilder um die Welt gehen. Es ist bereits der zweite rassistische Vorfall binnen weniger Tage, festgehalten in Echtzeit von einem der reichweitenstärksten digitalen Chronisten dieses Turniers.
IShowSpeed, mit bürgerlichem Namen Darren Jason Watkins Jr., ist ein 21-jähriger schwarzer US-Amerikaner, der mit exzessiven Reaktionen und einer obsessiven Verehrung für Cristiano Ronaldo über 57 Millionen YouTube-Abonnenten und ähnlich viele Follower auf TikTok und Instagram versammelt. Als erster schwarzer Content Creator durchbrach er die Marke von 50 Millionen Abonnenten. Bei der WM 2026 bewegt er sich als eine Art paralleler Medienapparat durch die Stadien: Er streamt Spiele live, posiert mit FIFA-Präsident Gianni Infantino und Zlatan Ibrahimović und trägt dabei stets das Trikot des Gegners der Albiceleste – erst das von Kap Verde, dann jenes Ägyptens. Seine Übertragungen erreichen teils über neun Millionen gleichzeitige Zuschauer und machen ihn zur Projektionsfläche für die Leidenschaften und Abgründe der Fankurven.
Die Vorfälle reihen sich in ein Muster, das die WM überschattet. Bereits beim Spiel gegen Kap Verde in Miami hatte eine Frau dem Influencer zugerufen, er solle „im Zoo weinen gehen“. Wenige Tage zuvor war der französische Stürmer Kylian Mbappé von einer paraguayischen Senatorin rassistisch verunglimpft worden. Aus Sicht der FIFA, die umgehend Ermittlungen einleitete, untergraben solche Handlungen die Werte von Einheit und Respekt, für die das Turnier stehen soll. Doch die Live-Streams von IShowSpeed machen sichtbar, was in Stadien oft im kollektiven Lärm untergeht: die unvermittelte, auf den Einzelnen zielende Geste der Herabwürdigung, die sich digital potenziert.
Die Resonanz ist besonders in der portugiesischsprachigen digitalen Sphäre unmittelbar. Der brasilianische Influencer Luva de Pedreiro, der wenige Tage zuvor an der Seite von Speed ein Spiel verfolgt hatte, veröffentlichte ein Video, in dem er die FIFA zu harten Strafen auffordert: „Tem que punir esses vagabundos“ – man müsse diese Vagabunden bestrafen, sonst „werden wir das regeln, auf die harte Tour“. Der Appell spiegelt eine wachsende Ungeduld unter lateinamerikanischen Content Creators wider, die Rassismus nicht länger als Kavaliersdelikt der Fankultur hinnehmen wollen. Auch in den USA, wo die Vorfälle in Miami und Atlanta stattfanden, wird die Debatte um die Sicherheit schwarzer Besucher bei Großereignissen neu entfacht.
Am Ende der Übertragung aus Atlanta kehrt die Kamera zu IShowSpeed zurück. Sein Gesicht ist reglos, die Frage nach dem Warum hängt unbeantwortet im digitalen Raum. Der Stream läuft weiter, doch das Bild des jungen Mannes, der für einen Moment aus der Rolle des Entertainers fällt und nur noch Zielscheibe ist, bleibt haften – ein stilles Zeugnis dafür, wie sehr die globale Bühne des Fußballs immer wieder zur Arena alter Dämonen wird.
| Lateinamerikanische Presse | −0.70 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.30 | critical |
Lateinamerika verurteilt Rassismus und fordert konkrete Maßnahmen von der FIFA.
Es hebt das Opfer hervor und mobilisiert regionale Solidarität, indem es einen isolierten Vorfall in einen emblematischen Fall von Diskriminierung verwandelt.
Es lässt den früheren Vorfall in Miami und die spezifischen Worte des Fans aus und konzentriert sich stattdessen auf das breitere Muster des Rassismus.
Das kontinentale Europa hält das Ereignis fest, ohne Stellung zu beziehen.
Es nimmt einen distanzierten, institutionellen Ton an und reduziert emotionale Spannung auf ein formelles Verfahren.
Es lässt den früheren Vorfall in Miami und die Reaktion anderer Influencer aus und verengt die Geschichte auf die FIFA-Untersuchung.
Die atlantische Welt verurteilt Rassismus und überlässt die Lösung der FIFA.
Sie verlagert den Fokus vom Vorfall auf die institutionelle Reaktion und legitimiert das Handeln der FIFA als moralische Autorität.
Sie lässt den früheren Vorfall in Miami und die Solidarität anderer Influencer aus und verengt die Erzählung auf die offizielle FIFA-Reaktion.
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