Anmelden
Ausgabe von 16:00 CETDonnerstag, 9. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen1188 Briefings heute
Gesellschaft & KulturSamstag, 27. Juni 2026

Hanfu, Hashtags und Hochschulhomepages: Bilder, die Welten trennen

Während China mit immersiven Kulturerlebnissen Touristen anzieht, ringen Universitäten in den USA und Bangladesch mit dem Vertrauensverlust durch selbstbezogene Selbstdarstellung.

In einer Teestube in Peking sitzen ausländische Besucher in traditioneller Hanfu-Gewandung, führen den Pinsel über Reispapier und nippen an Jasmintee. Es ist ein Bild, das das Xinhua-Institut in einem kürzlich veröffentlichten Bericht als neuen Trend im chinesischen Incoming-Tourismus beschreibt: Weg vom reinen Einkaufsbummel, hin zu immersiven Kulturerlebnissen. Die Reisenden, so der Bericht, suchten nicht mehr nur Souvenirs, sondern die Teilhabe an Kalligrafie, Teezeremonien und dem Tragen historischer Kleidung – ein Wandel, der das Einkaufen selbst zu einer Reise durch die chinesische Kultur mache.

Die Zahlen untermauern diesen Wandel. Im Jahr 2025 registrierte China über 82 Millionen Ein- und Ausreisen internationaler Reisender, ein Anstieg um 26,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Steuerrückerstattungen für ausländische Käufer stiegen um 305 Prozent. In sozialen Medien kursieren Hashtags wie "Chinahaul" oder "Becoming Chinese", die hunderte Millionen Aufrufe verzeichnen. Aus Sicht des Xinhua-Instituts ist diese Dynamik Ausdruck einer umfassenden Modernisierung, die wettbewerbsfähige Produkte mit kultureller Tiefe verbindet. Für den bangladeschischen Agrarwissenschaftler Abu Kawsar, der an der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften promoviert, war es genau diese Verbindung von alter Tradition und technologischer Gegenwart, die ihn nach China zog. Er beschreibt, wie er in Guangzhou am Perlfluss entlangging, wo abends die Lichter der Kreuzfahrtschiffe und die Silhouetten moderner Brücken mit der jahrhundertealten Handelsgeschichte der Stadt verschmelzen – ein Erlebnis, das für ihn die Gleichzeitigkeit von Erbe und Fortschritt verkörperte.

Während China mit solchen Bildern um Vertrauen und Besucher wirbt, offenbaren andere Weltregionen eine gegenläufige Dynamik in der Selbstdarstellung von Institutionen. In den Vereinigten Staaten ist das öffentliche Vertrauen in die Hochschulbildung binnen eines Jahrzehnts von fast 60 auf 42 Prozent gesunken. Drei in diesem Frühjahr veröffentlichte Berichte – von Yale, Vanderbilt/Washington University und der American Association of Colleges and Universities – diagnostizieren unterschiedliche Ursachen. Der AAC&U-Bericht verweist auf allgemeine Institutionenskepsis und politische Angriffe, während die Vanderbilt/WashU-Studie eine ideologische Schlagseite in den Geisteswissenschaften kritisiert, wo das Streben nach Erkenntnis dem Ziel "sozialer Gerechtigkeit" untergeordnet werde. In Bangladesch wiederum entzündet sich die Kritik an einer banaleren, aber ebenso symbolträchtigen Praxis: den Homepages öffentlicher Universitäten. Statt Forschung und Lehre in den Vordergrund zu stellen, dominieren dort, wie die Zeitung Prothom Alo anprangert, übergroße Porträts der Vizekanzler, Grußbotschaften und Fotos mit der politischen Führung. Ausländische Betrachter, die sich über Studienbewerber informieren wollen, fänden statt akademischer Profile eine "seltsame Welt der Selbstbeweihräucherung", so der Autor.

So stehen sich zwei Arten der Inszenierung gegenüber: hier das Eintauchen in eine fremde Kultur, das China als Gastgeber inszeniert und das Reisende wie Forscher gleichermaßen anzieht; dort die Selbstbespiegelung von Institutionen, die darüber den eigentlichen Zweck aus dem Blick zu verlieren drohen. Am Perlfluss in Guangzhou spiegeln sich die Lichter der Stadt im Wasser und verbinden das Alte mit dem Neuen. Auf mancher Universitätshomepage hingegen spiegelt sich vor allem das Antlitz ihres Leiters – ein Bild, das weniger eine Einladung als eine Visitenkarte ist.

Divergenz — wer erzählt sie wie
14%Niedrig
3 Blöcke · Positionen von 0.00 bis +0.30
KritischWohlwollend
SEAINDIRN
Abweichung zwischen Presseblöcken
Südostasiatische Presse0.00neutral
Indische & südasiatische Presse+0.30aligned
Iranische & verwandte Presse+0.30aligned
Südostasiatische Presse0.00
Stimme

China repositions itself as a destination for cultural experiences, not just shopping.

Mechanismusriproiezione

By citing an official think tank report, it lends authority to the narrative of change.

Auslassung

It does not mention the potential negative effects of commodifying cultural experiences.

PragmatismusDistanz
Indische & südasiatische Presse+0.30
Stimme

The Bengali sweet seller embodies the authenticity that global tourism seeks.

Mechanismuspersonificazione

By telling the story of a single individual, it humanizes and makes tangible the concept of authentic experience.

Auslassung

It does not mention the economic hardships and precariousness of the seller's work.

TriumphPaternalismus
Iranische & verwandte Presse+0.30
Stimme

The Ashura procession in Karbala is the purest manifestation of faith and tradition.

Mechanismussacralizzazione

By describing the participation of millions, it creates a sense of unanimity and collective strength.

Auslassung

It does not mention the sectarian or political tensions surrounding the event.

TriumphPragmatismus

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Pogacars Machtdemonstration am Tourmalet: Die Tour de France schon nach sechs Tagen entschieden?·Haalands Doppelpack gegen Brasilien: Norwegen fordert nun England im WM-Viertelfinale·Israelischer Angriff tötet Organisator von WM-Übertragungen im Gazastreifen·Muchova ringt Gauff im Tiebreak nieder und steht im Wimbledon-Finale·Britanniens Stromnetz warnt vor Engpässen in dritter Hitzewelle·Syrien erhält Stimmrecht in der Chemiewaffen-Organisation zurück·Verschärfte Grenzregime: Neue Einreisehürden in Nordamerika, Europa und am Golf·Moskauer Gericht verurteilt Menschenrechtler Ponomarjow in Abwesenheit zu fünfeinhalb Jahren Haft·Pogacars Machtdemonstration am Tourmalet: Die Tour de France schon nach sechs Tagen entschieden?·Haalands Doppelpack gegen Brasilien: Norwegen fordert nun England im WM-Viertelfinale·Israelischer Angriff tötet Organisator von WM-Übertragungen im Gazastreifen·Muchova ringt Gauff im Tiebreak nieder und steht im Wimbledon-Finale·Britanniens Stromnetz warnt vor Engpässen in dritter Hitzewelle·Syrien erhält Stimmrecht in der Chemiewaffen-Organisation zurück·Verschärfte Grenzregime: Neue Einreisehürden in Nordamerika, Europa und am Golf·Moskauer Gericht verurteilt Menschenrechtler Ponomarjow in Abwesenheit zu fünfeinhalb Jahren Haft·
Akt. 12:444 Sprachen · 4 Quellen
VorherigerGesellschaft & KulturNächster
4 Quellen|4 Sprachen|3 Min. Lesezeit
Samstag, 27. Juni 2026

Hanfu, Hashtags und Hochschulhomepages: Bilder, die Welten trennen

Während China mit immersiven Kulturerlebnissen Touristen anzieht, ringen Universitäten in den USA und Bangladesch mit dem Vertrauensverlust durch selbstbezogene Selbstdarstellung.

In einer Teestube in Peking sitzen ausländische Besucher in traditioneller Hanfu-Gewandung, führen den Pinsel über Reispapier und nippen an Jasmintee. Es ist ein Bild, das das Xinhua-Institut in einem kürzlich veröffentlichten Bericht als neuen Trend im chinesischen Incoming-Tourismus beschreibt: Weg vom reinen Einkaufsbummel, hin zu immersiven Kulturerlebnissen. Die Reisenden, so der Bericht, suchten nicht mehr nur Souvenirs, sondern die Teilhabe an Kalligrafie, Teezeremonien und dem Tragen historischer Kleidung – ein Wandel, der das Einkaufen selbst zu einer Reise durch die chinesische Kultur mache.

Die Zahlen untermauern diesen Wandel. Im Jahr 2025 registrierte China über 82 Millionen Ein- und Ausreisen internationaler Reisender, ein Anstieg um 26,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Steuerrückerstattungen für ausländische Käufer stiegen um 305 Prozent. In sozialen Medien kursieren Hashtags wie "Chinahaul" oder "Becoming Chinese", die hunderte Millionen Aufrufe verzeichnen. Aus Sicht des Xinhua-Instituts ist diese Dynamik Ausdruck einer umfassenden Modernisierung, die wettbewerbsfähige Produkte mit kultureller Tiefe verbindet. Für den bangladeschischen Agrarwissenschaftler Abu Kawsar, der an der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften promoviert, war es genau diese Verbindung von alter Tradition und technologischer Gegenwart, die ihn nach China zog. Er beschreibt, wie er in Guangzhou am Perlfluss entlangging, wo abends die Lichter der Kreuzfahrtschiffe und die Silhouetten moderner Brücken mit der jahrhundertealten Handelsgeschichte der Stadt verschmelzen – ein Erlebnis, das für ihn die Gleichzeitigkeit von Erbe und Fortschritt verkörperte.

Während China mit solchen Bildern um Vertrauen und Besucher wirbt, offenbaren andere Weltregionen eine gegenläufige Dynamik in der Selbstdarstellung von Institutionen. In den Vereinigten Staaten ist das öffentliche Vertrauen in die Hochschulbildung binnen eines Jahrzehnts von fast 60 auf 42 Prozent gesunken. Drei in diesem Frühjahr veröffentlichte Berichte – von Yale, Vanderbilt/Washington University und der American Association of Colleges and Universities – diagnostizieren unterschiedliche Ursachen. Der AAC&U-Bericht verweist auf allgemeine Institutionenskepsis und politische Angriffe, während die Vanderbilt/WashU-Studie eine ideologische Schlagseite in den Geisteswissenschaften kritisiert, wo das Streben nach Erkenntnis dem Ziel "sozialer Gerechtigkeit" untergeordnet werde. In Bangladesch wiederum entzündet sich die Kritik an einer banaleren, aber ebenso symbolträchtigen Praxis: den Homepages öffentlicher Universitäten. Statt Forschung und Lehre in den Vordergrund zu stellen, dominieren dort, wie die Zeitung Prothom Alo anprangert, übergroße Porträts der Vizekanzler, Grußbotschaften und Fotos mit der politischen Führung. Ausländische Betrachter, die sich über Studienbewerber informieren wollen, fänden statt akademischer Profile eine "seltsame Welt der Selbstbeweihräucherung", so der Autor.

So stehen sich zwei Arten der Inszenierung gegenüber: hier das Eintauchen in eine fremde Kultur, das China als Gastgeber inszeniert und das Reisende wie Forscher gleichermaßen anzieht; dort die Selbstbespiegelung von Institutionen, die darüber den eigentlichen Zweck aus dem Blick zu verlieren drohen. Am Perlfluss in Guangzhou spiegeln sich die Lichter der Stadt im Wasser und verbinden das Alte mit dem Neuen. Auf mancher Universitätshomepage hingegen spiegelt sich vor allem das Antlitz ihres Leiters – ein Bild, das weniger eine Einladung als eine Visitenkarte ist.

Divergenz — wer erzählt sie wie
14%Niedrig
3 Blöcke · Positionen von 0.00 bis +0.30
KritischWohlwollend
SEAINDIRN
Abweichung zwischen Presseblöcken
Südostasiatische Presse0.00neutral
Indische & südasiatische Presse+0.30aligned
Iranische & verwandte Presse+0.30aligned
Südostasiatische Presse0.00
Stimme

China repositions itself as a destination for cultural experiences, not just shopping.

Mechanismusriproiezione

By citing an official think tank report, it lends authority to the narrative of change.

Auslassung

It does not mention the potential negative effects of commodifying cultural experiences.

PragmatismusDistanz
Indische & südasiatische Presse+0.30
Stimme

The Bengali sweet seller embodies the authenticity that global tourism seeks.

Mechanismuspersonificazione

By telling the story of a single individual, it humanizes and makes tangible the concept of authentic experience.

Auslassung

It does not mention the economic hardships and precariousness of the seller's work.

TriumphPaternalismus
Iranische & verwandte Presse+0.30
Stimme

The Ashura procession in Karbala is the purest manifestation of faith and tradition.

Mechanismussacralizzazione

By describing the participation of millions, it creates a sense of unanimity and collective strength.

Auslassung

It does not mention the sectarian or political tensions surrounding the event.

TriumphPragmatismus

Diese Nachricht erschien in

4 Quellen · 4 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Australien und Indien besiegeln Uranabkommen – strategische Partnerschaft vertieft

5 Sprachen · 17 Quellen

Aus Economy & Markets

VW-Aufsichtsrat berät über Schließung von vier Werken und Abbau von 100.000 Stellen

8 Sprachen · 18 Quellen

Aus Technology

Washingtoner Exportkontrollen beschleunigen Open-Source-Wende – OpenAI startet GPT-5.6

6 Sprachen · 8 Quellen

Mehr lesen