
Hanfu, Hashtags und Hochschulhomepages: Bilder, die Welten trennen
Während China mit immersiven Kulturerlebnissen Touristen anzieht, ringen Universitäten in den USA und Bangladesch mit dem Vertrauensverlust durch selbstbezogene Selbstdarstellung.
In einer Teestube in Peking sitzen ausländische Besucher in traditioneller Hanfu-Gewandung, führen den Pinsel über Reispapier und nippen an Jasmintee. Es ist ein Bild, das das Xinhua-Institut in einem kürzlich veröffentlichten Bericht als neuen Trend im chinesischen Incoming-Tourismus beschreibt: Weg vom reinen Einkaufsbummel, hin zu immersiven Kulturerlebnissen. Die Reisenden, so der Bericht, suchten nicht mehr nur Souvenirs, sondern die Teilhabe an Kalligrafie, Teezeremonien und dem Tragen historischer Kleidung – ein Wandel, der das Einkaufen selbst zu einer Reise durch die chinesische Kultur mache.
Die Zahlen untermauern diesen Wandel. Im Jahr 2025 registrierte China über 82 Millionen Ein- und Ausreisen internationaler Reisender, ein Anstieg um 26,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Steuerrückerstattungen für ausländische Käufer stiegen um 305 Prozent. In sozialen Medien kursieren Hashtags wie "Chinahaul" oder "Becoming Chinese", die hunderte Millionen Aufrufe verzeichnen. Aus Sicht des Xinhua-Instituts ist diese Dynamik Ausdruck einer umfassenden Modernisierung, die wettbewerbsfähige Produkte mit kultureller Tiefe verbindet. Für den bangladeschischen Agrarwissenschaftler Abu Kawsar, der an der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften promoviert, war es genau diese Verbindung von alter Tradition und technologischer Gegenwart, die ihn nach China zog. Er beschreibt, wie er in Guangzhou am Perlfluss entlangging, wo abends die Lichter der Kreuzfahrtschiffe und die Silhouetten moderner Brücken mit der jahrhundertealten Handelsgeschichte der Stadt verschmelzen – ein Erlebnis, das für ihn die Gleichzeitigkeit von Erbe und Fortschritt verkörperte.
Während China mit solchen Bildern um Vertrauen und Besucher wirbt, offenbaren andere Weltregionen eine gegenläufige Dynamik in der Selbstdarstellung von Institutionen. In den Vereinigten Staaten ist das öffentliche Vertrauen in die Hochschulbildung binnen eines Jahrzehnts von fast 60 auf 42 Prozent gesunken. Drei in diesem Frühjahr veröffentlichte Berichte – von Yale, Vanderbilt/Washington University und der American Association of Colleges and Universities – diagnostizieren unterschiedliche Ursachen. Der AAC&U-Bericht verweist auf allgemeine Institutionenskepsis und politische Angriffe, während die Vanderbilt/WashU-Studie eine ideologische Schlagseite in den Geisteswissenschaften kritisiert, wo das Streben nach Erkenntnis dem Ziel "sozialer Gerechtigkeit" untergeordnet werde. In Bangladesch wiederum entzündet sich die Kritik an einer banaleren, aber ebenso symbolträchtigen Praxis: den Homepages öffentlicher Universitäten. Statt Forschung und Lehre in den Vordergrund zu stellen, dominieren dort, wie die Zeitung Prothom Alo anprangert, übergroße Porträts der Vizekanzler, Grußbotschaften und Fotos mit der politischen Führung. Ausländische Betrachter, die sich über Studienbewerber informieren wollen, fänden statt akademischer Profile eine "seltsame Welt der Selbstbeweihräucherung", so der Autor.
So stehen sich zwei Arten der Inszenierung gegenüber: hier das Eintauchen in eine fremde Kultur, das China als Gastgeber inszeniert und das Reisende wie Forscher gleichermaßen anzieht; dort die Selbstbespiegelung von Institutionen, die darüber den eigentlichen Zweck aus dem Blick zu verlieren drohen. Am Perlfluss in Guangzhou spiegeln sich die Lichter der Stadt im Wasser und verbinden das Alte mit dem Neuen. Auf mancher Universitätshomepage hingegen spiegelt sich vor allem das Antlitz ihres Leiters – ein Bild, das weniger eine Einladung als eine Visitenkarte ist.
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
|---|---|---|
| Indische & südasiatische Presse | +0.30 | aligned |
| Iranische & verwandte Presse | +0.30 | aligned |
China repositions itself as a destination for cultural experiences, not just shopping.
By citing an official think tank report, it lends authority to the narrative of change.
It does not mention the potential negative effects of commodifying cultural experiences.
The Bengali sweet seller embodies the authenticity that global tourism seeks.
By telling the story of a single individual, it humanizes and makes tangible the concept of authentic experience.
It does not mention the economic hardships and precariousness of the seller's work.
The Ashura procession in Karbala is the purest manifestation of faith and tradition.
By describing the participation of millions, it creates a sense of unanimity and collective strength.
It does not mention the sectarian or political tensions surrounding the event.
Erweitere deinen Horizont
Australien und Indien besiegeln Uranabkommen – strategische Partnerschaft vertieft
5 Sprachen · 17 Quellen
Aus Economy & MarketsVW-Aufsichtsrat berät über Schließung von vier Werken und Abbau von 100.000 Stellen
8 Sprachen · 18 Quellen
Aus TechnologyWashingtoner Exportkontrollen beschleunigen Open-Source-Wende – OpenAI startet GPT-5.6
6 Sprachen · 8 Quellen