
Griechenland blockiert 21. EU-Sanktionspaket wegen geplantem LNG-Transportverbot
Athen verhindert vorerst die Annahme neuer Russland-Restriktionen, um die Reederei Dynagas des Milliardärs Prokopiou zu schützen – die EU verlängerte notfallmässig die Ölpreisobergrenze.
Die griechische Regierung hat die Verabschiedung des 21. Sanktionspakets der Europäischen Union gegen Russland blockiert. Nach übereinstimmenden Berichten europäischer Diplomaten, die von der Financial Times zitiert werden, richtet sich der Widerstand Athens gegen das geplante Verbot, russisches Flüssigerdgas (LNG) in Drittstaaten zu transportieren. Um einen automatischen Anstieg der bestehenden Ölpreisobergrenze von 44,10 Dollar pro Barrel zu verhindern, mussten die EU-Botschafter am 15. Juli eine einwöchige Notverlängerung beschließen. Die Blockade verzögert damit nicht nur die neuen Energierestriktionen, sondern auch geplante Maßnahmen gegen Banken, Kryptowährungsdienstleister und die russische Rüstungsindustrie.
Aus Athener Sicht würde das Transportverbot die Reederei Dynagas faktisch zerstören. Das Unternehmen des griechischen Milliardärs Georgios Prokopiou, dessen Familienvermögen Forbes auf 4,7 Milliarden Dollar schätzt, betreibt 27 Gastanker, darunter ein Drittel der weltweiten Flotte von Spezialschiffen der Eisklasse Arc7. Diese wurden eigens für den Einsatz am arktischen LNG-Terminal Jamal gebaut und können nach griechischer Argumentation auf anderen Routen kaum wirtschaftlich eingesetzt werden. Der griechische Botschafter bei der EU erklärte dem Vernehmen nach, Dynagas müsste die Schiffe im Sanktionsfall an nichtwestliche Käufer veräußern. Andere Mitgliedstaaten, so verlautet aus Diplomatenkreisen, hätten ihrerseits wirtschaftliche Interessen zugunsten der Sanktionen zurückgestellt.
Die griechische Obstruktion ist nicht der einzige Streitpunkt. Bulgarien verhinderte nach Angaben von Diplomaten die Aufnahme des russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill auf die Sanktionsliste. Deutschland erhob Einwände gegen ein Importverbot für Alaska-Seelachs aus Russland, der in der Gemeinschaftsverpflegung Verwendung findet. Zudem drängen mehrere Hauptstädte auf eine Abschwächung des ursprünglich umfassenden Visumverbots für russische Militärangehörige; die Maßnahme soll nun nur noch für Kurzzeitvisa und unmittelbar an Kampfhandlungen beteiligte Personen gelten. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas räumte am 13. Juli ein, dass die Ministerrunde keine Einigung erzielen konnte, das Paket aber „ziemlich kurz vor dem Abschluss“ stehe.
Das 21. Sanktionspaket ist Teil der fortgesetzten Bemühungen, die russischen Energieeinnahmen zu beschneiden. Bereits im Sommer 2024 hatte die EU den Umschlag von russischem LNG in europäischen Häfen untersagt, den Import selbst aber nicht gestoppt. Im Dezember 2025 beschloss die Union, langfristige Lieferverträge bis Ende 2026 auslaufen zu lassen und kurzfristige Bezüge ab April 2026 zu verbieten. Der nun umstrittene Mechanismus zur Absenkung der Ölpreisobergrenze soll verhindern, dass Moskau von steigenden Weltmarktpreisen profitiert, die durch den Nahostkonflikt angeheizt werden. Die Notverlängerung der Preisgrenze dient nach EU-Angaben auch dazu, die wirtschaftlichen und technischen Folgen des LNG-Transportverbots eingehender zu prüfen.
Die Verhandlungen über das Gesamtpaket sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Als Zielmarke für eine endgültige Einigung nannten EU-Diplomaten den 23. Juli. Ob bis dahin ein Kompromiss gelingt, der die griechischen Bedenken ausräumt, ohne die Substanz der Energiesanktionen auszuhöhlen, blieb zunächst offen.
| Russische & GUS-Presse | +0.20 | neutral |
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| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | 0.00 | neutral |
Griechenland stellt die Interessen eines einzelnen Milliardärs über die europäische Solidarität und zeigt damit die Heuchelei der EU.
Der Mechanismus ist die Personifizierung des griechischen Staates als Diener privater Interessen, was die Entscheidung inakzeptabel macht.
Der russische Block lässt die Rechtfertigung der EU aus, dass Sanktionen notwendig seien, um die russischen Energieeinnahmen zu reduzieren.
Griechenland schützt legitimerweise einen wichtigen Wirtschaftssektor, und die EU muss konkrete Auswirkungen berücksichtigen.
Der Mechanismus ist die Normalisierung: Die griechische Entscheidung als normale Verteidigung nationaler Interessen ohne moralisches Urteil darzustellen.
Der europäische kontinentale Block lässt den persönlichen Milliardärsaspekt und die Kritik am griechischen Egoismus aus und stellt die Entscheidung als rein wirtschaftlich dar.
Die EU setzt ihre Sanktionen entschlossen fort und findet technische Kompromisse, um den Druck aufrechtzuerhalten.
Der Mechanismus ist die selektive Fokussierung: Ignorieren des griechischen Hindernisses, um sich auf den Fortschritt des Sanktionspakets zu konzentrieren.
Der afrikanische subsaharische Block lässt die griechische Blockade der Sanktionen vollständig aus und konzentriert sich nur auf die Ölpreisobergrenze.
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