
Die Zahnärztin im Columbia-Sweatshirt und das Erbe des Jeffrey Epstein
Karyna Shuliak behandelte in Brooklyn eine Patientin, die nichts von ihrer Rolle als letzte Vertraute des verurteilten Sexualstraftäters ahnte – nun geben Millionen Seiten Ermittlungsakten Einblick in eine Beziehung, die von Abhängigkeit, Inszenierung und einem Diamantring erzählt.
An einem Dezembertag betrat eine Patientin eine unscheinbare Zahnarztpraxis in Brooklyn. Sie erwartete einen anderen Behandler, doch stattdessen begrüßte sie eine junge Frau mit zurückhaltendem Lächeln, die langen Haare von einer Spange gehalten, bekleidet mit einem Fleece-Jacket der Columbia University. Die Assistentin stellte sie schlicht als „Dr. Karyna“ vor. Was die Patientin nicht wusste: In diesem Moment behandelte sie Karyna Shuliak, die letzte Freundin Jeffrey Epsteins und designierte Haupterbin eines Vermögens, das einst auf bis zu 600 Millionen Dollar geschätzt wurde. Es war eine Begegnung, in der die Alltäglichkeit einer zahnärztlichen Behandlung auf die Abgründe eines der meistbeachteten Kriminalfälle der jüngeren Zeitgeschichte traf.
Shuliak, 37, stammt aus Belarus und kam 2011 mit einem Studentenvisum nach New York. Sie war 21, als sie Epstein kennenlernte, der sie bald seine „Favoritin“ nannte. Aus den nun vom US-Justizministerium veröffentlichten Unterlagen – rund drei Millionen Seiten E-Mails, Fotos und Ermittlungsakten – geht hervor, dass Epstein über fast acht Jahre hinweg nahezu jeden Bereich ihres Lebens steuerte. Er finanzierte ihr Studium an der Columbia Dental School, nachdem sie zunächst abgelehnt worden war, und wies einen seiner Mitarbeiter an, eine gleichgeschlechtliche Scheinehe mit Shuliak einzugehen, um ihr eine Green Card zu verschaffen. Aus Washingtoner Sicht warf ein Kongressbericht später die Frage auf, ob diese Ehe „illusorisch“ gewesen sei. Die Einwanderungsbehörden haben Shuliaks Staatsbürgerschaft bislang nicht angefochten.
Während polnische Ermittler ihrerseits französische Kollegen um Rechtshilfe im Fall des mit Epstein verbundenen Modelagenten Jean-Luc Brunel ersuchten, richtete sich die öffentliche Aufmerksamkeit in den Vereinigten Staaten, Italien und Indien zunehmend auf Shuliak. Die Akten zeigen eine Beziehung voller Widersprüche: Epstein und Shuliak stritten über Intimität, sie bestellte bei einem Unternehmen für sexuelle Wellnessprodukte, er überwies fast eine Million Dollar an sie und schickte Geld an ihre Eltern in Belarus. Kurz vor seinem Suizid in der Gefängniszelle im August 2019 änderte Epstein sein Testament und setzte Shuliak als Hauptbegünstigte eines Trusts ein, zu dem auch ein 33-karätiger Diamantring gehörte, den er mit dem handschriftlichen Vermerk „in contemplation of marriage“ versah. In der italienischen Presse wurde die Erbschaft auf bis zu 100 Millionen Dollar beziffert, doch der tatsächliche Wert des Nachlasses ist nach Entschädigungszahlungen an Opfer auf 120 bis 200 Millionen Dollar geschrumpft.
Für das deutschsprachige Publikum wirft der Fall ein Schlaglicht auf die Mechanismen, mit denen Epstein ein transnationales Abhängigkeitsgeflecht knüpfte, das von Osteuropa bis in die Karibik reichte. Shuliak selbst wurde weder als Opfer noch als Mittäterin eingestuft; das FBI hat sie nie befragt. Sie praktiziert weiter als Zahnärztin, kehrte 2023 für ein Aufbaustudium an die Columbia University zurück und lebt in einem Apartmenthaus in Manhattan, an dem Epsteins Bruder Mark finanziell beteiligt ist. Die letzte Person, die Epstein vor seinem Tod anrief, war sie. Zurück bleibt das Bild einer Frau, die in einer Praxis in Brooklyn eine ganz gewöhnliche Behandlung durchführte, während die Welt begann, die intimsten Details ihres Lebens zu lesen – und ein Diamantring, der nie an einen Finger gesteckt wurde, in den Tresoren eines Nachlassgerichts ruht.
| Russische & GUS-Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
| Indische & südasiatische Presse | +0.10 | neutral |
Russland lenkt die Aufmerksamkeit vom Fall Shuliak auf die internationale justizielle Zusammenarbeit und betont, dass die Frau nie angeklagt wurde.
Russland verwendet Projektion: Verlagerung des Fokus vom Nachrichtenprotagonisten auf einen internationalen rechtlichen Kontext, wodurch die Relevanz von Shuliak heruntergespielt wird.
Russland lässt die emotionalen und persönlichen Details der Beziehung zwischen Shuliak und Epstein aus, die in anderen Berichten vorhanden sind und Shuliak hätten menschlicher darstellen können.
Die Anglosphäre präsentiert Shuliak als Rätsel, konzentriert sich auf das Geheimnis ihrer Beziehung zu Epstein und das Millionen-Erbe, ohne Stellung zu beziehen.
Die Anglosphäre verwendet Mystifikation: beschreibt Shuliak mit mehrdeutigen Details und offenen Fragen, schafft eine Aura des Geheimnisses, die das Interesse aufrechterhält, ohne Antworten zu liefern.
Die Anglosphäre lässt den internationalen rechtlichen Kontext und laufende Ermittlungen aus, die Shuliaks Bedeutung hätten herunterspielen können.
Südasien personalisiert Shuliak, präsentiert sie als komplexe Figur: Zahnärztin, Geliebte, Verbündete und Erbin, humanisiert sie und macht sie zum Mittelpunkt der Erzählung.
Südasien verwendet Personalisierung: beschreibt Shuliaks Hintergrund und Beziehung im Detail, schafft ein intimes Porträt, das sie zu einer sympathischen Figur macht.
Südasien lässt die internationalen rechtlichen Implikationen und Ermittlungen gegen Brunel aus, die die Aufmerksamkeit von Shuliak hätten ablenken können.
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