
Globaler Dollar-Aufschwung setzt Argentiniens Disinflation unter Spannung
Ein weltweit erstarkter Dollar und ein Kurssprung des Peso von 6,5 Prozent im Juni stellen die geldpolitische Architektur in Buenos Aires auf die Probe, während die Eurozone mit sinkenden Inflationserwartungen und die brasilianische Notenbank mit klimabedingten Preisrisiken ringt.
Der argentinische Peso hat im Juni mit einem Anstieg von 6,5 Prozent gegenüber dem US-Dollar die stärkste monatliche Abwertung seit der Wechselkurskrise vor den Präsidentschaftswahlen des Vorjahres verzeichnet. Auslöser war ein globales Erstarken der US-Währung – der Dollar Index (DXY) legte um 3 Prozent zu –, das Währungen der Schwellenländer unter Druck setzte, allen voran den brasilianischen Real mit einem Minus von 6 Prozent. In Buenos Aires sehen Marktbeobachter darin einen Stresstest für das binnenwirtschaftliche Disinflationsprogramm, das nach zehn Monaten beschleunigter Teuerung zuletzt zwei Monate rückläufiger Inflationsraten hervorbrachte.
Die Zentralbank in Buenos Aires interveniert dabei nicht am Kassamarkt, da der Peso noch rund 20 Prozent unterhalb des oberen Bandes notiert. Stattdessen hat sie ihre offene Position in Dollar-Futures deutlich reduziert und verkauft verstärkt dollar-linked-Anleihen, um die Aufwertungskurve zu verflachen und Preiseffekte zu dämpfen. Ein technischer Faktor verschärft die Volatilität: Die Preisfeststellung der dualen Anleihe TZV26 am Freitag setzt für institutionelle Händler Anreize, die Finanzkurse vor dem Stichtag nach oben zu treiben. Gleichzeitig sinken die Devisenzuflüsse aus Agrarexporten, sodass die täglichen Nettokäufe der Zentralbank von 140 Millionen Dollar im April/Mai auf unter 80 Millionen Dollar gefallen sind. Ökonomen in Buenos Aires betonen jedoch, dass der reale Wechselkurs trotz des jüngsten Sprungs noch immer unter der kumulierten Inflation liegt und der fiskalische Überschuss sowie negative kurzfristige Realzinsen den Spielraum für eine weitere Desinflation ohne sofortigen Preisdruck erhalten.
Im Euroraum hat die Europäische Zentralbank im Juni die Leitzinsen angehoben. Die medianen Inflationserwartungen der Verbraucher für die kommenden zwölf Monate fielen im Mai von 4,0 auf 3,5 Prozent, wie die monatliche Umfrage unter 19.000 Erwachsenen aus elf Ländern zeigt. Die wahrgenommene Inflation der vergangenen zwölf Monate verharrte hingegen bei 4,0 Prozent – dem höchsten Stand seit Juli 2024. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte in Brüssel einen datenabhängigen Kurs in Aussicht und schloss weitere Zinsschritte nicht aus, betonte jedoch, der gegenwärtige Inflationsschock erscheine kleiner als frühere Episoden. In Frankfurt wird darauf verwiesen, dass die Kerninflation in Italien im Mai auf 1,7 Prozent gestiegen ist, während die Gesamtteuerung dort 3,2 Prozent erreichte, getrieben von Energie- und Verkehrspreisen.
In Brasilien fiel die Juni-Vorschau des IPCA-15 mit 0,41 Prozent niedriger aus als erwartet, doch die Zwölfmonatsrate beschleunigte sich auf 4,8 Prozent. Die Zentralbank in Brasília rechnet für 2026 mit einer Inflation von 5,2 Prozent, die erst 2027 auf 3,7 Prozent sinken soll. Als Risiko gilt das Klimaphänomen El Niño, das Nahrungsmittel- und Energiepreise wieder anheizen könnte. Die Märkte preisen dennoch Spielraum für Zinssenkungen ein, um die hohe Verschuldung der privaten Haushalte zu lindern. Der nächste Prüfstein für alle drei Regionen sind die anstehenden Inflationsdaten für Juni sowie die geldpolitischen Sitzungen im Juli, in denen sich zeigen wird, ob die Notenbanken an ihrer straffen Linie festhalten oder auf konjunkturelle Signale reagieren.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 1 Sprachen
Die globale Dollar-Stärke stellt das argentinische Wechselkurssystem auf die Probe, während Brasilien eine monatliche Inflationsverlangsamung, aber einen weiterhin beschleunigten Jahrestrend verzeichnet. Analysten warnen, dass die Dynamik ungewöhnlich ist und die Desinflation fragil bleibt, da die Kosten weiterhin hoch sind.
Die italienische Inflation beschleunigt sich im Mai auf 3,2%, angetrieben von Energie- und Verkehrsdienstleistungspreisen, während Lebensmittel sich verlangsamen. Die Kerninflation steigt auf 1,7%, was trotz der Entspannung beim Warenkorb auf anhaltende Vorsicht hindeutet.
Erweitere deinen Horizont
Trump fliegt erstmals mit von Katar geschenkter Präsidentenmaschine
10 Sprachen · 26 Quellen
Aus TechnologyIndien stoppt WhatsApps Nutzernamen-Funktion – Sorge vor Identitätsbetrug
4 Sprachen · 21 Quellen
Aus Science & HealthEbola-Ausbruch im Kongo: UN warnt vor wirtschaftlichem Schaden von bis zu 3,6 Milliarden Dollar
7 Sprachen · 11 Quellen