
Ungarn-Grand-Prix als letzte Kraftprobe vor der Sommerpause
Nach einem turbulenten Rennen in Belgien reist die Formel 1 mit einer veränderten WM-Spitze und personellen Rochaden zum Hungaroring.
Der Große Preis von Belgien hat die Hierarchie der Fahrerwertung kräftig durcheinandergewirbelt. Andrea Kimi Antonelli feierte in Spa-Francorchamps seinen sechsten Saisonsieg und baute seinen Vorsprung an der Spitze auf 45 Punkte aus. Dahinter schob sich Lewis Hamilton nach einem von Kontroversen begleiteten vierten Platz auf den zweiten Rang, während sein Mercedes-Teamkollege George Russell nach einer Kollision mit Hamilton in der ersten Runde ausschied und auf Platz drei zurückfiel. Der Zwischenfall, bei dem Russell über mangelnde Batterieleistung klagte, sorgte für zusätzliche Brisanz, weil die internationale TV-Regie den wütenden Funkverkehr zensierte – in den deutschen Übertragungen hingegen waren die ungefilterten Beschwerden des Briten zu hören.
Die Rennleitung wertete Hamilton als Hauptverantwortlichen für die Kollision und sprach eine Fünf-Sekunden-Strafe aus, die wegen des Rennbeginns von den üblichen zehn Sekunden reduziert wurde. Aus britischer Sicht wurde diese Entscheidung ebenso diskutiert wie der Freispruch für Charles Leclerc nach einer Berührung mit Oscar Piastri, bei der die Kommissare keine ausreichende Überlappung des McLarens sahen. Hamilton selbst erlebte ein Wochenende der Extreme: In der Boxengasse überfuhr er nach einer verfrühten grünen Ampel einen Ferrari-Mechaniker, der unverletzt blieb. „Mir ist das Herz in die Hose gerutscht“, gestand der siebenmalige Weltmeister später mit Blick auf einen ähnlichen Unfall Kimi Räikkönens.
Vor dem elften Saisonlauf in Budapest richtet sich der Blick auf die letzte Standortbestimmung vor der traditionellen Sommerpause. Der enge und kurvenreiche Hungaroring verlangt hohen Abtrieb und präzise Traktion – ein Kontrast zu den schnellen Passagen von Spa. Im Fahrerlager sorgt eine Personalie für Aufsehen: Alpine wird am Freitag im ersten Training den Esten Paul Aron anstelle von Franco Colapinto ins Auto setzen, um die vom Reglement geforderten Rookie-Einsätze zu erfüllen. Colapinto, der in Belgien mit einem spektakulären Doppelüberholmanöver einen Punkt einfuhr und im offiziellen Power Ranking auf Platz acht gewählt wurde, kehrt danach für den Rest des Wochenendes zurück. In lateinamerikanischen Medien wird der Argentinier als Hoffnungsträger gefeiert, während Sergio Pérez bei Cadillac nach einer Serie von Ausfällen und Platzierungen jenseits der Punkteränge unter Druck steht.
Abseits der Königsklasse setzt der Brasilianer Rafael Câmara seine Aufholjagd in der Formel 2 fort. Nach seinem Sieg im Hauptrennen von Belgien liegt er 36 Zähler hinter der Spitze und will in Ungarn weiter Boden gutmachen. Die Nachwuchsserie bestreitet ihre neunte Runde des Jahres, ehe auch sie in die Pause geht.
Nach dem Rennen in Ungarn ruht der Motorsport für mehrere Wochen. Die Formel 1 kehrt vom 21. bis 23. August mit dem Großen Preis der Niederlande in Zandvoort zurück. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob Antonellis Vorsprung eine Vorentscheidung bedeutet oder ob Hamilton, Russell und Leclerc nach der Pause mit frischen Kräften die Jagd eröffnen.
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