
Frankreich und Marokko eröffnen das WM-Viertelfinale mit der Neuauflage des Halbfinals von 2022
Im Gillette Stadium von Boston treffen der Titelfavorit und der afrikanische Herausforderer aufeinander – ein Duell, das über Tempo, taktische Disziplin und die Goldene-Schuh-Jagd entscheiden wird.
Mit dem Anpfiff im Gillette Stadium von Foxborough beginnt an diesem Donnerstag die Runde der letzten Acht der Weltmeisterschaft 2026. Frankreich und Marokko stehen sich gegenüber – eine Begegnung, die unweigerlich an das Halbfinale von Katar erinnert, als Les Bleus die marokkanische Sensation mit 2:0 beendeten. Nun, vier Jahre später, ist die Ausgangslage eine andere: Frankreich reist als verlustpunktfreier Gruppensieger und mit 14 Toren aus fünf Spielen an, während Marokko nach dem 3:0 gegen Co-Gastgeber Kanada und dem Elfmeterkrimi gegen die Niederlande erneut als gefestigte Einheit auftritt, die in der FIFA-Weltrangliste auf Platz sechs notiert ist.
Die französische Offensive um Kylian Mbappé, der mit sieben Treffern gemeinsam mit Lionel Messi und Erling Haaland die Torschützenliste anführt, prägte das Turnier bisher. Unterstützt von Ousmane Dembélé, Michael Olise und Bradley Barcola erzwang das Team selbst gegen tiefstehende Paraguayer in der Verlängerung den entscheidenden Strafstoß. Didier Deschamps, der nach dem Turnier nach 14 Jahren als Nationaltrainer abtritt, muss im Mittelfeld auf den verletzten Aurélien Tchouaméni verzichten. Aus europäischer Perspektive gilt Frankreich als kompletteste Mannschaft des Turniers, doch die knappen Siege der K.-o.-Phase nähren in französischen Medien die Frage, ob die Abwehr einem schnellen Umschaltspiel standhält.
Marokko hat unter Mohamed Ouahbi eine bemerkenswerte Konstanz entwickelt. Seit der umstrittenen Afrika-Cup-Finalniederlage im Januar ist das Team in zehn Pflichtspielen ungeschlagen. Der Ausfall von Ismail Saibari, der mit drei Toren bester Schütze seiner Mannschaft war und sich gegen Kanada eine Oberschenkelverletzung zuzog, schwächt die Offensive. Dafür rückt Soufiane Rahimi in die Startelf. In afrikanischen Medien wird die Partie als Chance gesehen, die eigene Stellung im Weltfußball zu festigen – Marokko ist das erste afrikanische Team, das in zwei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften das Viertelfinale erreichte. Die Defensive um Achraf Hakimi, der mit 15 Einsätzen afrikanischer Rekordspieler bei Weltmeisterschaften ist, und Torhüter Yassine Bounou soll den französischen Angriffswirbel entschärfen.
Die Ansetzung des argentinischen Schiedsrichters Facundo Tello sorgte in sozialen Netzwerken für Spekulationen, da Frankreich und Argentinien bei einem erneuten Finale aufeinandertreffen könnten. Deschamps wies Bedenken zurück: „Ich kann den Schiedsrichter nicht als Gegner betrachten.“ Zugleich verweist die persönliche Freundschaft zwischen Mbappé und Hakimi, die drei Jahre gemeinsam bei Paris Saint-Germain spielten, auf die sportliche Rivalität jenseits politischer Aufladung. In asiatischen und amerikanischen Vorberichten wird das Duell als erster echter Härtetest für den französischen Titeltraum gewertet, während Marokko die Chance auf Revanche und den erstmaligen Einzug ins Halbfinale sucht.
Der Sieger dieser Viertelfinalpartie trifft im Halbfinale auf den Gewinner der Begegnung zwischen Europameister Spanien und Belgien. Für Frankreich geht es um den dritten Halbfinaleinzug in Folge, für Marokko um die Fortsetzung einer Entwicklung, die den afrikanischen Fußball nachhaltig prägt. Die Partie in Boston wird damit zum Gradmesser, ob die individuelle Klasse der Franzosen oder die kollektive Stärke der Atlas-Löwen den Ausschlag gibt.
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