
Fed-Chef Warsh stellt zwei Jahrzehnte Geldpolitik auf den Prüfstand
In seiner ersten Kongressanhörung kündigte der neue Fed-Vorsitzende eine umfassende Überprüfung der Inflationsmessung und Bilanzpolitik an und bekräftigte die Unabhängigkeit von politischem Druck.
In seiner ersten Anhörung vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses und später vor dem Senat hat der neue Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, eine grundlegende Revision des geldpolitischen Instrumentariums eingeleitet. Er kündigte die Bildung interner Arbeitsgruppen an, die binnen sechs Monaten Reformvorschläge vorlegen sollen. Im Zentrum stehen die Messung der Kerninflation, die Warsh als „unvollkommen“ bezeichnete, sowie die künftige Rolle der auf 6,8 Billionen Dollar angewachsenen Zentralbankbilanz. Eine vollständige Rückkehr zum Modell knapper Reserven aus der Zeit vor der Finanzkrise 2008 schloss er aus, stellte aber alternative, nachhaltigere Modelle in Aussicht.
Warsh skizzierte einen geldpolitischen Kurs, der den Leitzins als primäres Instrument betont und die Bilanz – außerhalb von Krisenzeiten – so klein wie möglich halten will. Er bekräftigte, das Fed werde eine anhaltend hohe Inflation nicht tolerieren, warnte jedoch davor, aus einem einzelnen günstigen Verbraucherpreisbericht auf eine Trendwende zu schließen. Den Einfluss künstlicher Intelligenz auf die Preisentwicklung ordnete er als Angebotsschock ein, der nicht zwangsläufig inflationär wirke, da das Angebot auf Preisänderungen reagieren könne. Zugleich verwies er auf die dynamische Investitionstätigkeit in den USA, die maßgeblich vom Ausbau der Rechenzentren und der Nachfrage nach KI-Ausrüstung getragen werde.
Auf Fragen zu seinem Verhältnis mit Präsident Donald Trump verweigerte Warsh detaillierte Auskunft, betonte jedoch, Trump habe weder vor noch nach seiner Amtsübernahme versucht, die Geldpolitik zu beeinflussen. Er treffe sich wöchentlich mit Finanzminister Scott Bessent. Aus Ottawa kam unterdessen ein Signal der Stabilität: Die Bank of Canada beließ ihren Leitzins erwartungsgemäß bei 2,25 Prozent und verwies auf gut verankerte langfristige Inflationserwartungen, auch wenn kurzfristige Erwartungen auf Benzinpreisschwankungen reagierten.
Die von Warsh angestoßene Überprüfung soll schrittweise und mit ausreichendem Vorlauf für die Märkte umgesetzt werden. Die Arbeitsgruppen werden ihre Analysen in sechs Monaten vorlegen; erst danach wird sich abzeichnen, ob und wie der Fed-Chef den geldpolitischen Rahmen der vergangenen zwei Jahrzehnte neu justieren will.
| Lateinamerikanische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Arabische Golfpresse | +0.70 | aligned |
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | +0.20 | neutral |
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