
Euro-Inflation fällt überraschend auf 2,8 Prozent – EZB bleibt wachsam
Der unerwartet deutliche Rückgang der Teuerung nährt Hoffnungen auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus, doch die Notenbank warnt vor verfrühter Entwarnung.
Die jährliche Inflationsrate in der Eurozone ist im Juni auf 2,8 Prozent gesunken, nach 3,2 Prozent im Mai. Dies ist der erste Rückgang nach vier aufeinanderfolgenden Monaten mit steigenden Raten und liegt deutlich unter den Markterwartungen, die im Mittel bei 3,0 Prozent gelegen hatten. Die von der Europäischen Zentralbank besonders beachtete Kerninflation – ohne die volatilen Preise für Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak – fiel von 2,6 auf 2,4 Prozent. Auch die Dienstleistungspreise, ein Indikator für den binnenwirtschaftlichen Preisdruck, gaben spürbar von 3,5 auf 3,2 Prozent nach.
Als treibende Kraft hinter der Entspannung gilt der Rückgang der globalen Ölpreise, ausgelöst durch Fortschritte bei den diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung des Nahostkonflikts. Die Energiepreise stiegen im Juni zwar noch um 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch lag dieser Anstieg deutlich unter dem Mai-Wert von 10,8 Prozent. In den einzelnen Mitgliedstaaten zeigte sich ein differenziertes Bild: Frankreich erreichte mit 2,0 Prozent bereits das EZB-Ziel, Deutschland verzeichnete einen Rückgang auf 2,4 Prozent, Italien auf 3,1 Prozent, während Spanien unverändert bei 3,6 Prozent verharrte.
An den Finanzmärkten dämpfte die Nachricht die Zinserwartungen vorübergehend. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die zuvor auf 2,90 Prozent gestiegen war, fiel auf 2,88 Prozent zurück. Die Geldmärkte preisen weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent für eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt bis September ein; eine vollständige Erhöhung bis zum Jahresende gilt als nahezu sicher. Aus Sicht der EZB-Führung bleibt die Lage jedoch angespannt. Chefvolkswirt Philip Lane warnte auf dem EZB-Symposium in Sintra, die Währungshüter müssten genau analysieren, wie sich die monatelangen Energiepreisschocks auf die Nahrungsmittel- und Dienstleistungsinflation überwälzten. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel betonte, die Inflation werde noch „deutlich über dem Zielwert“ bleiben, und der Energiepreisschock sei im System weiterhin spürbar.
Die weitere Entwicklung hängt entscheidend von den Energiepreisen ab. Sollte die diplomatische Entspannung im Nahen Osten anhalten, könnte der Inflationsdruck weiter nachlassen. Ein erneuter Anstieg der Ölpreise würde hingegen die Fortschritte rasch zunichtemachen. Die nächste Sitzung des EZB-Rats im Juli wird zeigen, ob die Notenbank an ihrem vorsichtigen Kurs festhält oder die Zinserwartungen anpasst.
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Die Inflation in der Eurozone verlangsamte sich im Juni unerwartet auf 2,8 % und lag damit unter den Marktprognosen, da fallende Ölpreise im Zusammenhang mit Friedensbemühungen im Nahen Osten den Preisdruck verringerten. Auch die Kerninflation fiel niedriger aus als erwartet, doch Analysten bleiben hinsichtlich der nächsten Schritte der Europäischen Zentralbank vorsichtig.
Der Rückgang der Inflation in der Eurozone auf 2,8 % im Juni, der eine viermonatige Anstiegsserie beendet, bringt der EZB Erleichterung. Allerdings sehen die Geldmärkte immer noch eine Wahrscheinlichkeit von über 50 % für eine Zinserhöhung vor September, was die Skepsis widerspiegelt, dass die Verlangsamung ausreicht, um die Straffung zu stoppen.
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