
Ein Soufflé landet im Müll: Olivia Wildes Dinner-Komödie „The Invite“ seziert die Ehe
In der Hollywood-Adaption eines spanischen Theaterstücks treffen zwei Paare aufeinander, deren Beziehungsmodelle unterschiedlicher kaum sein könnten – ein Kammerspiel über Nähe, Sex und die Grenzen der Offenheit.
Das Soufflé ist verbrannt. Noch bevor die Gäste eintreffen, muss Angela es eilig in den Mülleimer befördern, während ihr Mann Joe bereits murrt, dass er den Abend lieber allein verbracht hätte. So beginnt ein Dinner, das in Olivia Wildes Film „The Invite“ zum Schauplatz einer schleichenden Eheerosion wird. Die Gastgeber, gespielt von Wilde selbst und Seth Rogen, haben sich längst in einem Alltag aus passiv-aggressiven Sticheleien eingerichtet. Dass die Nachbarn von oben, deren nächtliches Liebesgetöse ihnen den Schlaf raubt, nun tatsächlich vor der Tür stehen, verdankt sich Angelas trotziger Neugier – und einem neuen, teuren Teppich, der plötzlich im Wohnzimmer liegt und über dessen Anschaffung Joe nicht informiert wurde.
Der Auftritt von Pina und Hawk verschiebt die Koordinaten des Abends sofort. Penélope Cruz, in einer auffälligen Bluse und mit blonder Perücke, verkörpert eine Sexologin, die mit ihrem Partner, einem ehemaligen Feuerwehrmann (Edward Norton), in einer offenen Beziehung lebt. Während Joe und Angela einander Vorwürfe über verpasste Chancen und erkaltete Leidenschaft machen, strahlen die Gäste eine unaufgeregte Vertrautheit aus, die den Riss im Hausfrieden nur vertieft. Ein teurer Wein wird entkorkt, ein Joint kreist, und bald schon vergleichen Pina und Joe im Arbeitszimmer ihre Tätowierungen – eine Geste, die weniger erotisch als archäologisch wirkt, als lege sie Schichten gelebten Lebens frei.
Dass diese Konstellation nicht neu ist, liegt in der Entstehungsgeschichte des Films begründet. „The Invite“ ist bereits die fünfte Adaption des spanischen Theaterstücks „Sentimental“ von Cesc Gay, das 2020 unter dem Titel „Sentimental (The People Upstairs)“ verfilmt wurde. Die Hollywood-Version, für die Will McCormack und Rashida Jones das Drehbuch schrieben, verlagert das Geschehen in ein Apartment in San Francisco und besetzt die Rolle der mediterranen Sinnlichkeit mit der spanischen Schauspielerin Penélope Cruz – eine Entscheidung, die dem Film, wie die russische Kritik anmerkt, eine „übertriebene iberische Sinnlichkeit“ im Kontrast zur „nervösen Verklemmtheit“ der kalifornischen Gastgeber verleiht. Regisseurin Wilde, so berichtete Edward Norton dem brasilianischen Sender CNN, habe die Darsteller ermutigt, über das Drehbuch hinaus die Vorgeschichten ihrer Figuren zu erkunden: Hawk und Pina hätten selbst Verluste und Scheidungen durchlebt, bevor sie zu dieser Form der Leichtigkeit fanden.
Damit reiht sich der Film in eine Tradition erwachsener Beziehungskomödien ein, die in Hollywood lange von comicbasierten Actionfilmen verdrängt wurde. Die australische Presse sieht in „The Invite“ einen Beitrag zur Wiederbelebung eines Genres, das in Europa seit Jahren gepflegt werde, und verortet ihn irgendwo zwischen der vernichtenden Schärfe von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ und der verspielten Libertinage von „Bob & Carol & Ted & Alice“. Die „New York Times“ nannte das Werk gar „die Komödie des Jahres“. Am Ende des Abends sind es nicht die Gäste, die eine Einladung aussprechen, sondern die Gastgeber werden zu Eingeladenen – eine Umkehrung, die weniger nach Auflösung als nach einer offenen Frage klingt. Zurück bleibt das Bild eines gemeinsamen Joints im Arbeitszimmer, bei dem zwei Menschen, die sich eben noch fremd waren, für einen Moment die Rollen tauschen und die Konturen ihrer eigenen Ehe im Rauch verschwimmen sehen.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.50 | aligned |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | +0.70 | aligned |
| Russische & GUS-Presse | −0.30 | critical |
The film is a delicious comedy to be savoured; a must-watch for anyone who appreciates sharp humour.
By using superlatives and emphasizing the universal appeal of the comedy, the review makes the film seem like an essential experience.
It omits any criticism of the film's predictability or lack of originality, which the Russian press highlights.
The film is one of the year's smartest comedies, blending laughter and tears; it offers a profound look at relationships.
By highlighting the film's intelligence and philosophical depth, the review elevates it beyond mere entertainment.
It omits the fact that the film is an adaptation of a Spanish play and that the theme is not new, as noted by the Russian press.
The film is just another tired story about a bored couple; the noisy neighbors are more interesting.
By focusing on the cliché theme and using ironic language, the review diminishes the film's originality.
It omits the positive reviews and emotional depth that other outlets celebrate.
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