
Die Lücken in den vertrauten Geschichten: Danny Glover und das langsame Verschwinden
Der Schauspieler, der als Roger Murtaugh in „Lethal Weapon“ Weltruhm erlangte, hat seine Alzheimer-Diagnose öffentlich gemacht – ein Schritt, den seine Familie als Akt der Selbstbestimmung versteht.
Es waren die Geschichten, die er immer und immer wieder auf dieselbe Weise erzählte, die plötzlich ihre Details verloren. Seine Tochter Mandisa bemerkte es zuerst, irgendwann im Jahr 2022. Jene präzisen Erinnerungen an längst vergangene Jahrzehnte, für die ihr Vater Danny Glover im Familienkreis bekannt war, bekamen Risse, wurden lückenhaft. Es war der Anfang einer Veränderung, die sich nicht mehr rückgängig machen ließ und die nun, drei Jahre später, vor aller Welt ausgesprochen ist: Der 79-jährige Schauspieler lebt mit der Alzheimer-Krankheit.
Die Diagnose selbst erhielt Glover im Jahr 2023, nicht lange nachdem ihm die Academy of Motion Picture Arts and Sciences den Jean-Hersholt-Preis für sein humanitäres Engagement verliehen hatte. In einem Interview mit dem US-amerikanischen Sender NBC und der Zeitschrift People machte er seine Erkrankung nun öffentlich. „Ich kann gewissermaßen damit leben“, sagte Glover, fügte aber hinzu, dass er mit dem Fortschreiten der Krankheit eine Veränderung seines Zustands erwarte. Die Auswirkungen sind bereits spürbar: Beweglichkeit, Sprache und Erinnerungsvermögen sind beeinträchtigt. Es ist ein Bekenntnis, das weit über Hollywood hinausreicht, denn Glover ist nicht nur der Star aus Blockbustern wie der „Lethal Weapon“-Reihe, sondern seit Jahrzehnten eine prägende Figur des afroamerikanischen Kinos und ein unermüdlicher Aktivist.
Seine Karriere begann in den späten 1970er Jahren, doch der Durchbruch gelang ihm 1985 mit Steven Spielbergs Verfilmung von „Die Farbe Lila“. Es folgten Rollen, die ein ganzes Genre mitprägten: An der Seite von Mel Gibson als besonnener Detective Roger Murtaugh in vier „Lethal Weapon“-Filmen wurde er zu einem der bekanntesten Gesichter des Actionkinos. Gleichzeitig blieb er dem sozialkritischen Film verbunden, spielte in Charles Burnetts „To Sleep with Anger“ oder in „The Last Black Man in San Francisco“. Außerhalb der Leinwand engagierte er sich als Goodwill-Botschafter für das UN-Entwicklungsprogramm und UNICEF, setzte sich für Arbeiterrechte ein und unterstützte den Kampf gegen HIV/Aids in Afrika, Lateinamerika und der Karibik. Diese Doppelexistenz als Star und Aktivist verlieh seiner Stimme ein besonderes Gewicht.
Dass Glover seine Diagnose nun öffentlich teilt, ist nach Darstellung seiner Familie ein bewusster Schritt, um die Deutungshoheit über das eigene Leben zu behalten. „Es ist wirklich wichtig, dass er selbst spricht. Und der Zeitpunkt ist jetzt“, sagte seine Tochter Mandisa. Es gehe darum, nicht unehrlich sein zu müssen, wenn Menschen nach seinem Befinden fragen, und zugleich das Stigma zu bekämpfen, das neurodegenerativen Erkrankungen noch immer anhaftet. In den Vereinigten Staaten, wo nach Angaben der Alzheimer’s Association mehr als sieben Millionen Menschen über 65 mit der Krankheit leben – wobei Schwarze Männer doppelt so häufig betroffen sind wie der nationale Durchschnitt –, hat dieses Zeugnis eine besondere Resonanz. Auch in Europa, wo Demenzerkrankungen zu den großen gesundheitspolitischen Herausforderungen zählen, wird die Nachricht aufmerksam registriert.
Glover selbst begegnet dem, was kommt, mit einer Mischung aus Nüchternheit und Trotz. „Ich habe nicht das Gefühl, dass dies das Ende meines Lebens ist. Es gibt noch Arbeit zu tun“, sagte er. Die Morgenstunden, in denen sein Geist noch am klarsten ist, nutzt er zum Lesen und Nachdenken. Er schaut die Nachrichtensendung „Democracy Now!“, die er liebt. Es ist das Bild eines Mannes, der sich in der beginnenden Dämmerung an das Licht klammert, das ihm vertraut ist – und der darauf besteht, dass das Leben weitergeht, solange es noch Geschichten zu erzählen gibt.
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