
Ebola-Ausbruch im Kongo: WHO schätzt wahre Fallzahl auf das Zwei- bis Vierfache
Die Epidemie mit dem seltenen Bundibugyo-Virus breitet sich schneller aus als offiziell erfasst, während Streiks und Finanzierungslücken die Eindämmung gefährden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo mindestens das Doppelte, möglicherweise das Vierfache der offiziell bestätigten Fälle beträgt. Nach Regierungsangaben wurden bis Mitte Juli rund 1.960 Infektionen und über 700 Todesfälle registriert. Die Modellierungen der WHO deuten jedoch auf eine erheblich höhere Dunkelziffer hin, da etwa vier von fünf Neuinfektionen ohne bekannte Verbindung zu bestehenden Patienten auftreten. Der Ausbruch, verursacht durch den seltenen Stamm Bundibugyo, für den es weder zugelassenen Impfstoff noch spezifische Behandlung gibt, hat sich binnen zwei Monaten auf fünf Provinzen im Osten des Landes sowie auf das benachbarte Uganda ausgeweitet.
Die operative Lage vor Ort verschärft sich durch einen Streik des medizinischen Personals. In der besonders betroffenen Provinz Ituri blockierten Mitarbeiter eines Behandlungszentrums den Zugang und verbrannten Reifen, weil sie seit Beginn der Epidemie Mitte Mai keine Gehälter und Gefahrenzulagen erhalten haben. Die kongolesische Regierung räumte Zahlungsverzögerungen ein und sicherte eine Lösung zu. Gleichzeitig fehlt es der internationalen Antwort an finanziellen Mitteln: Die WHO hat nach eigenen Angaben erst 40 Prozent der benötigten 115 Millionen US-Dollar erhalten. Der Exekutivdirektor des WHO-Programms für gesundheitliche Notlagen, Chikwe Ihekweazu, warnte, die Epidemie entwickle sich schneller als die Gegenmaßnahmen und die Demokratische Republik Kongo könne diese Last nicht allein tragen.
Aus Washingtoner Sicht wird die Bedrohung als so gravierend eingestuft, dass die US-Regierung amerikanischen Staatsbürgern die direkte Rückkehr aus dem Kongo auf kommerziellen Flügen untersagt hat. Betroffene müssen mindestens 21 Tage in einem Drittstaat verbringen, bevor sie in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen. Zwei mit dem Virus infizierte US-Bürger, darunter ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Samaritan’s Purse, wurden zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen – ein Patient in die Frankfurter Universitätsklinik, ein weiterer zuvor nach Berlin. Die deutschen Behörden betonten, dass für die Allgemeinbevölkerung keine Gefahr bestehe.
In der betroffenen Region hat unterdessen eine klinische Studie zur Prüfung zweier potenzieller Therapeutika begonnen. In einem Behandlungszentrum in Ituri werden Patienten nach dem Zufallsprinzip der aktuellen Standardversorgung sowie dem Virostatikum Remdesivir, dem experimentellen Antikörperpräparat MBP134, einer Kombination aus beidem oder keinem der Wirkstoffe zugeteilt. Die WHO rechnet damit, dass es Monate dauern und bis zu tausend Studienteilnehmer brauchen könnte, um die Wirksamkeit zu beurteilen. Die nächste entscheidende Wegmarke ist die Ausweitung dieser Studie auf weitere Behandlungszentren, sobald die Sicherheitslage dies zulässt, sowie die Einwerbung der noch fehlenden Mittel für die Seuchenbekämpfung.
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.30 | critical |
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| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
Die Gesundheitsmitarbeiter an vorderster Front werden nicht bezahlt, und das Virus breitet sich auf neue Provinzen aus. Die Reaktion wird durch diese Misserfolge untergraben.
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