
Wirtschaftliche Not, nicht Feminismus: Was die UN-Studie zum Geburtenrückgang wirklich zeigt
Eine UN-Umfrage in 73 Ländern offenbart: Die meisten jungen Menschen wünschen sich Kinder, doch finanzielle Hürden und fehlende Autonomie verhindern dies.
Marina, 38, Anwältin in Buenos Aires, sagt ihrer Mutter Abigail einen Satz, der eine Zeitenwende markiert: „Es gibt kein Recht darauf, Großmutter zu sein.“ Abigail, 75, hatte sich ein Leben mit Enkeln erträumt. Doch ihre Tochter setzt andere Prioritäten – Karriere, Reisen, Unabhängigkeit. Was wie eine private Anekdote klingt, ist Teil eines globalen Musters, das eine neue UN-Studie nun mit Daten unterfüttert.
Der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) hat in seiner „Demographic Futures Survey“ mehr als 108.000 internetnutzende Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren in 73 Ländern befragt. Das Ergebnis widerspricht gängigen Erzählungen: Nicht eine Abkehr von Familie, Feminismus oder Egoismus bremst den Kinderwunsch, sondern wirtschaftliche Zwänge. Die Geburtenrate pro Frau ist weltweit von etwa fünf in den 1950er Jahren auf knapp über zwei im Jahr 2024 gesunken; in mehr als 55 Prozent der Länder liegt sie unter der Erhaltungsrate von 2,1. Dennoch wollen die meisten Befragten Kinder – unter den 35- bis 39-Jährigen ohne Nachwuchs äußerten 79 Prozent der Männer und 72 Prozent der Frauen diesen Wunsch. Als Haupthindernisse nennen sie finanzielle Sorgen, Unfruchtbarkeit und chronische Krankheiten, wobei Frauen diese Barrieren durchweg als gravierender einschätzen als Männer.
In Argentinien, wo die Geburtenzahl binnen eines Jahrzehnts um 47 Prozent einbrach, zeigt eine Langzeitstudie der Universidad Austral, dass nur noch 46 Prozent der Erwachsenen Elternschaft als sehr wichtig erachten – vor zehn Jahren waren es 77 Prozent. Unter den 18- bis 34-Jährigen sind es gar nur 34 Prozent. Erstmals gibt die Mehrheit derjenigen, die keine Kinder wollen, an, dass diese schlicht nicht Teil ihres Lebensentwurfs seien. Gleichzeitig warnt eine im Fachblatt „The Lancet Regional Health – Americas“ veröffentlichte Untersuchung vor einem Anstieg von Brustkrebs bei Frauen unter 45 Jahren, den die Autoren auch mit weniger Schwangerschaften und kürzeren Stillzeiten in Verbindung bringen. Aus Indonesien meldet die Vize-Ministerin für Bevölkerung und Familienentwicklung, Isyana Bagoes Oka, dass wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Bildungs- und Wohnkosten sowie mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Familiengründung verzögerten. Die Regierung in Jakarta setze daher auf den Abbau systemischer Hürden, nicht auf die Lenkung privater Lebensentscheidungen. Zugleich verzeichnet das Land steigende Fälle sexuell übertragbarer Infektionen; das Gesundheitsministerium zählt Tuberkulose, HIV, Malaria und Dengue-Fieber zu den häufigsten übertragbaren Krankheiten, für die es oft noch keine lokal produzierten Impfstoffe gibt. In Italien wiederum schlägt die Stiftung Ibdo Alarm: Die Adipositas-Prävalenz habe sich bei den 18- bis 34-Jährigen verdoppelt, besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter – ein Risiko für die Gesundheit künftiger Generationen.
Die globale Perspektive ergänzt eine im „Lancet“ publizierte Prognose: Die Zahl der Frauen mit Infertilität werde bis 2036 auf 80 Millionen steigen, eineinhalbmal so viele wie 2023, vor allem weil Frauen die Mutterschaft aufschieben. In vielen Entwicklungsländern bleibt der Zugang zu Fruchtbarkeitsbehandlungen aus Kostengründen versperrt. So verdichtet sich das Bild einer Welt, in der der Wunsch nach Kindern oft an ökonomischen und gesundheitlichen Realitäten zerschellt. Die UNFPA-Studie hält dagegen fest, dass die meisten Menschen nicht aus Egoismus auf Kinder verzichten, sondern das Glück und die Freude, die Kinder bringen, als wichtigsten Grund für den Kinderwunsch nennen. Vielleicht ist es dieses Glück, das Abigail in Buenos Aires meint, wenn sie an die Enkel denkt, die nie kamen – und das ihre Tochter Marina in einem selbstbestimmten Leben ohne sie sucht.
| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
|---|---|---|
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.20 | neutral |
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
Young Argentines choose career and personal freedom over parenthood.
The article uses a survey from a private university to present the decline in parenthood as a voluntary, value-driven shift, downplaying economic or structural factors.
The article omits the economic constraints highlighted by the UN survey, such as financial insecurity and unstable employment, which are central to the African bloc's framing.
Economic hardship, not feminism, prevents young people from starting families.
The article universalizes the UN survey's findings to counter a common narrative, using authoritative data to shift blame from cultural values to economic structures.
The article omits the medical infertility projections from the Southeast Asian bloc, which focus on age-related biological decline rather than economic factors.
Global infertility will rise due to delayed motherhood, an inevitable biological fact.
The article presents a Lancet study as an objective scientific projection, using numbers to depoliticize the issue and frame it as a natural consequence of age, ignoring social or economic factors.
The article omits the UN survey's finding that young people still want children but are blocked by economic constraints, which would complicate the biological determinism.
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