
Der Sommer der Formulare: Junge Menschen weltweit auf der Schwelle
Von Dhaka bis São Paulo öffnen sich in diesen Tagen die digitalen Tore zu Universitäten, Militär und Beruf – ein stiller, globaler Ritus des Erwachsenwerdens.
Das grelle Licht des Smartphone-Bildschirms fällt auf ein junges Gesicht in einem Wohnheim in Dhaka. Es ist Donnerstag, der 25. Juni 2026, und die Nationale Universität von Bangladesch hat soeben ihr Bewerbungsportal für die begehrten On-Campus-Studiengänge freigeschaltet. Der Student tippt hastig seine Zeugnisnoten ein – mindestens 6,50 GPA in den geisteswissenschaftlichen Fächern, 7,50 in den Naturwissenschaften – und lädt die gescannten Dokumente hoch. Die Gebühr von tausend Taka ist längst per Mobile Banking beglichen. In diesem Moment, irgendwo zwischen Hoffnung und Bürokratie, wiederholt sich eine Szene, die in diesen Wochen auf mehreren Kontinenten zu beobachten ist.
Denn der Juni 2026 markiert eine eigentümliche Gleichzeitigkeit: Während in Bangladesch die Bewerbungsfrist für Jura, Betriebswirtschaft, Tourismusmanagement und Ernährungswissenschaften anläuft, endet am selben Tag in Brasilien die Einschreibung für das Vestibular de Meio de Ano der Universidade Estadual Paulista (Unesp). Zwanzig Plätze, sechzehn davon für Ingenieurwissenschaften in Ilha Solteira, vier für einen in Brasilien bisher einmaligen Studiengang für chinesische Sprache und Kultur in Assis – zu vergeben über die ENEM-Noten der Jahre 2024 und 2025. In Mexiko wiederum bereitet die Secretaría de la Defensa Nacional (Sedena) den Jahrgang 2008 auf den obligatorischen Militärdienst vor: Ab August müssen sich die jungen Erwachsenen registrieren, um in dreizehn Pflichtsitzungen Grundlagen der Militärausbildung, Staatsbürgerkunde und Disziplin zu erlernen. Und in Indonesien kündigt die Regierung die vierte Runde des nationalen Praktikumsprogramms an, das im Juli startet und bis Jahresende 150.000 Hochschulabsolventen in Unternehmen und Ministerien unterbringen soll.
Aus der Distanz betrachtet, gleichen diese Vorgänge einem stillen, transnationalen Ritual. Der Staat, ob in Gestalt einer Universität, einer Wehrbehörde oder eines Arbeitsministeriums, fordert den Einzelnen auf, sich in ein Register einzutragen, eine Gebühr zu entrichten, eine Prüfung abzulegen. In Teheran etwa öffnet die Payam-e-Noor-Universität am 13. Tir (4. Juli) die Anmeldung für das Sommersemester; die Kurse finden virtuell statt, die Prüfungen jedoch in Präsenz – eine hybride Form, die seit der Pandemie geblieben ist. Gleichzeitig läuft die Frist für die Anmeldung zur Aufnahmeprüfung für das verkürzte Bachelorstudium (Kardani be Karshenasi) ab, die am 20. Shahrivar (11. September) fast 69.000 Studienplätze vergeben wird. Die meisten davon entfallen auf Buchhaltung, Informatik und Architektur, während Nischenfächer wie Zahntechnik oder Forstwirtschaft nur eine Handvoll Plätze bieten.
Was diese administrativen Akte für die Betroffenen bedeuten, lässt sich kaum in Zahlen fassen. In Mexiko kann das Fehlen der Cartilla Militar den Zugang zu Polizeidienst, öffentlicher Verwaltung oder bestimmten Arbeitsverträgen erschweren – eine stille Mahnung, die viele Familien antreibt, den Papierkram rechtzeitig zu erledigen. In Indonesien verspricht das Praktikumsprogramm nicht nur Berufserfahrung, sondern auch die Aufnahme in ein Netzwerk aus über 8.000 Partnerunternehmen, darunter 874 staatliche Betriebe. In Brasilien wiederum sichert das Quotensystem der Unesp die Hälfte der Plätze für Absolventen öffentlicher Schulen, von denen 35 Prozent für Schwarze, Braune und Indigene reserviert sind – ein Mechanismus, der aus Sicht der Hochschule die soziale Durchlässigkeit erhöhen soll.
Am Ende dieses Sommers der Formulare wird ein gedrucktes Dokument stehen, das mehr ist als ein Blatt Papier. Für den jungen Mann in Dhaka wird es die Zulassung zur National University sein, die ihm kein Wohnheim, aber einen Platz im Hörsaal garantiert. Für die Abiturientin in São Paulo der Bescheid, dass sie Chinesisch in Assis studieren darf. Für den Rekruten in Mexiko-Stadt die liberación, der Stempel, der die Pflichterfüllung bescheinigt. Und für die Praktikantin in Jakarta der Ausweis, der sie für sechs Monate an einen Schreibtisch in einem Ministerium bindet. In den Händen der jungen Erwachsenen werden diese Papiere zu Eintrittskarten in eine Welt, die von ihnen erwartet, dass sie nun ihren Platz einnehmen – leise, geordnet und mit unterschriebenem Antrag.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Für Tausende mexikanische Jugendliche beginnt der erste Schritt ins Erwachsenenleben mit der Einberufung zum Wehrdienst. Die Behörden haben die Registrierung für den Jahrgang 2008 geöffnet und rufen selbst Säumige bis 39 Jahre auf, ihre Bürgerpflicht zu erfüllen.
Trotz kriegsbedingter Verzögerungen schreiten iranische Universitäten mit der Sommerregistrierung und den Aufstiegsprüfungen voran. Junge Menschen versuchen, sich eine akademische Zukunft aufzubauen, während sich der Lehrplan einer nationalen Notlage anpasst.
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