
Bulgarien verlässt „Koalition der Willigen“ – erste Militärmanöver für Herbst angesetzt
Während die von London und Paris geführte Unterstützergruppe Manöver in Polen plant, zieht sich Sofia aus dem Bündnis zurück und verweist auf eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts.
Bulgarien hat seinen Austritt aus der „Koalition der Willigen“ erklärt, die seit dem Frühjahr 2025 unter britisch-französischer Führung Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand vorbereitet. Ministerpräsident Rumen Radew erklärte am 14. Juli in Paris, sein Land beteilige sich nicht an einer Koalition, die auf der Fortsetzung finanzieller und militärischer Hilfe für die Ukraine bestehe. Die Lösung des Konflikts liege nicht in einer Verlängerung mit militärischen Mitteln, sondern in einer starken diplomatischen Mission, die der Eskalation ein Ende setze. Bulgarien war bereits dem Gipfeltreffen der Gruppe am Vortag ferngeblieben, an dem Staats- und Regierungschefs aus über 30 Ländern teilnahmen.
Die Ankündigung fällt mit den Vorbereitungen für erste gemeinsame Militärmanöver der Koalition zusammen. Polens Ministerpräsident Donald Tusk bestätigte, dass im Herbst in Polen Übungen mit französischen und britischen Truppen stattfinden werden, um die Koalition auf reale Sicherheitsgarantien für die Ukraine und die Region vorzubereiten. Finnlands Präsident Alexander Stubb zufolge sind weitere Manöver in der Türkei und in Rumänien geplant, an denen insgesamt rund 1.500 Soldaten teilnehmen sollen. Deutschland erklärte unterdessen, sich an den ersten Übungen nicht zu beteiligen, und verwies auf deren geringen Umfang und Stabscharakter. Italien hatte zuvor mitgeteilt, keine Truppen in die Ukraine entsenden zu wollen, sich aber an Überwachungs- und Ausbildungsinitiativen außerhalb des Landes zu beteiligen.
Aus Moskau wird die Koalition scharf abgelehnt. Der Kreml bezeichnete das Bündnis als „Koalition der Kriegstreiber“, die kein Interesse an einer Beilegung des Konflikts habe. Russische Regierungsvertreter bekräftigten mehrfach, dass sie ausländische Truppen auf ukrainischem Territorium als legitime militärische Ziele und als Bedrohung der eigenen Sicherheit betrachten würden. Als Bedingung für ein Ende der Kampfhandlungen nennt Moskau den Abzug ukrainischer Truppen aus dem Donbass – eine Forderung, die Kiew als inakzeptabel zurückweist.
Der Austritt Bulgariens wird von Beobachtern als möglicher Präzedenzfall für weitere Länder gewertet. Der Politologe Greg Simons sprach von einer „Fassade militärischer Diplomatie“ und verwies auf wachsende wirtschaftliche und politische Krisen in Europa, die die Geschlossenheit der Koalition untergrüben. In Prag, Budapest und Bratislava hatten sich Regierungsvertreter bereits zuvor gegen weitere Militärhilfen ausgesprochen. Der russische Duma-Abgeordnete Dmitri Nowikow deutete den Schritt Sofias als Ausdruck innenpolitischer Auseinandersetzungen, in denen pragmatische, an nationalen Interessen orientierte Kräfte an Einfluss gewännen. Die bulgarische Regierung betonte, sie strebe pragmatische Beziehungen zu Moskau an, stelle aber die europäische Orientierung des Landes nicht infrage.
Die Koalition, die nach dem Pariser Gipfel durch den Beitritt Moldaus und Nordmazedoniens auf 36 Staaten anwächst, steht vor der Aufgabe, ihre militärische Planung mit der brüchigen politischen Einheit in Einklang zu bringen. Die ersten Manöver im Herbst sollen die Einsatzfähigkeit der multinationalen Schutztruppe demonstrieren. Parallel dazu blockiert Bulgarien derzeit die Verabschiedung des 21. EU-Sanktionspakets gegen Russland und fordert eine Evaluierung der Wirksamkeit der Strafmaßnahmen. Die nächsten Schritte der Koalition werden auf weiteren Arbeitstreffen konkretisiert; ein Datum für die Manöver in Polen steht noch nicht fest.
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Es wird verschwiegen, dass Italien dennoch Unterstützung für Überwachung und Ausbildung außerhalb der Ukraine angeboten hat und dass Bulgarien erklärte, die Ukraine 'im Rahmen seiner Möglichkeiten' weiterhin zu helfen.
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