
Biometrie-Offensive: Von Jakarta bis Moskau setzen Staaten auf Gesichtserkennung
Mit dem 1. Juli 2026 treten in mehreren Ländern neue Vorschriften in Kraft, die biometrische Verfahren zur Identitätsprüfung bei Mobilfunkverträgen und Behördengängen verpflichtend machen.
Zum 1. Juli 2026 weiten mehrere Staaten in unterschiedlichen Weltregionen die Nutzung biometrischer Identifikationsverfahren aus. In Indonesien wird die Registrierung neuer Prepaid-Mobilfunkkarten an diesem Mittwoch flächendeckend auf eine Gesichtserkennung umgestellt, die mit den Daten des nationalen Bevölkerungsregisters abgeglichen wird. In Russland kündigte der Regierungsapparat an, noch im Juli die Bestätigung der Identität per Biometrie in den Online-Dienst „Immobilienerwerb“ auf dem staatlichen Serviceportal „Gosuslugi“ zu integrieren. Mexikos Telekommunikationsregulierer CRT verlängerte unterdessen die Frist zur Verknüpfung von Mobilfunknummern mit verifizierten Identitäten bis Dezember und führte dabei eine biometrische „Lebendprüfung“ ein.
Aus Sicht der Regierung in Jakarta, wie sie das Ministerium für Kommunikation und Digitales darlegt, soll die Gesichtserkennung die Anonymität im Mobilfunk reduzieren und damit digitalen Betrug sowie die Nutzung gefälschter Identitäten eindämmen. Die Betreiber Telkomsel, XLSmart und Indosat haben nach Angaben des Generaldirektors für digitale Ökosysteme ihre Systeme angepasst. In Moskau betont der Apparat des Vizepremiers Grigorenko, die Kombination aus Biometrie und qualifizierter elektronischer Signatur gewährleiste ein Höchstmaß an Schutz bei Online-Immobilientransaktionen. Die Daten würden verschlüsselt und getrennt von anderen Personendaten im Einheitlichen Biometrischen System (EBS) gespeichert. Mexikos CRT begründet die schrittweise Abschaltung nicht verknüpfter Anschlüsse zwischen August und Dezember mit der Vermeidung einer Überlastung der Telekommunikationsnetze.
Die Maßnahmen fügen sich in einen globalen Trend zur biometriegestützten Verwaltung ein. In den Vereinigten Staaten finalisierte die Einwanderungsbehörde USCIS eine Regelung, die für bestimmte Ausländergruppen ohne aktuellen Registrierungsnachweis eine Online-Registrierung samt Fingerabdrücken und Hintergrundüberprüfung festschreibt. Ausgenommen sind Inhaber gültiger Visa, Green Cards oder Arbeitserlaubnisse. Die Behörde betont, es handele sich um die formelle Verstetigung eines seit April 2025 geltenden Interimssystems. In Russland ist die Biometrie-Funktion Teil des föderalen Projekts „Staat für den Menschen“ und wird von Rosreestr, dem Ministerium für Digitales und dem Zentrum für biometrische Technologien umgesetzt. Aus Jakarta verlautet, die Betreiber speicherten die biometrischen Rohdaten nicht selbst; die Verifikation erfolge nach internationalen Sicherheitsstandards wie ISO 27001.
Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Entwicklungen insofern von Belang, als sie die wachsende Spannung zwischen digitaler Effizienz und biometrischer Datensammlung illustrieren. Während die EU mit der eIDAS-Verordnung einen Rechtsrahmen für elektronische Identifizierung setzt, der biometrische Verfahren einschließen kann, zeigen die Beispiele in Asien und Amerika unterschiedliche Schwerpunkte: In Indonesien und Mexiko steht die Bekämpfung von Kriminalität im Vordergrund, in Russland die Absicherung von Eigentumstransaktionen, in den USA die migrationspolitische Erfassung. Die indonesische Regelung gilt zunächst nur für Neuaktivierungen, Altkunden werden zu einer freiwilligen Neuregistrierung ermutigt. In Mexiko erfolgt die Abschaltung nicht verknüpfter Anschlüsse gestaffelt nach der letzten Ziffer der Rufnummer, beginnend am 15. August. Die russische Integration in das Immobilienportal soll noch im Juli abgeschlossen sein. Die US-Behörde nimmt bis zum 28. August 2026 Stellungnahmen zu möglichen weiteren Änderungen entgegen.
| Russische & GUS-Presse | +0.40 | aligned |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.30 | critical |
Russia frames biometrics as a natural and necessary evolution of public services, aligning it with international standards and digital sovereignty.
The mechanism is to present biometrics as an inevitable technical fact, stripping it of political or liberty-threatening connotations, and placing it in a framework of shared progress among several countries.
Internal debates on personal data protection and criticisms from civil rights organisations, which exist in Russia, are not mentioned.
Mexico and Latin American countries must be wary of uncritical adoption of biometrics, which risks worsening inequalities and being used to suppress dissent.
The mechanism is to link biometrics to concrete episodes of power abuse and corruption in the region, turning a technical reform into a matter of civil rights and trust in institutions.
Potential benefits in terms of access to services for rural or informal populations, which are relevant in Latin America, are not given space.
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