
Brasiliens frühes WM-Aus gegen Norwegen: Romário fordert Ancelottis Rauswurf, Systemdebatte entbrannt
Nach dem 1:2 im Achtelfinale gegen Norwegen, dem frühesten K.-o.-Scheitern seit 1990, tobt in Brasilien ein Richtungsstreit um Trainer Carlo Ancelotti und den Zustand des nationalen Fußballs.
Mit einem Doppelpack von Erling Haaland beendete Norwegen im Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2026 die brasilianischen Hoffnungen. Das 1:2 bedeutete für die Seleção das früheste Ausscheiden bei einer Endrunde seit 1990. In der Folge entlud sich in Brasilien ein Sturm der Entrüstung, der weit über die taktische Aufarbeitung der Partie hinausreicht und grundsätzliche Fragen zur Ausrichtung des Verbandes aufwirft.
Die Partie in Nordamerika hatte bereits im Vorfeld für Skepsis gesorgt. Nach einem 1:1 gegen Marokko zum Auftakt und zwei 3:0-Siegen gegen Haiti und Schottland mühte sich Brasilien im Sechzehntelfinale zu einem knappen 1:0 gegen Japan. Gegen Norwegen vertraute Carlo Ancelotti auf eine ungewöhnlich passive Herangehensweise. Wie das Fachmagazin The Athletic unter Berufung auf das Trainerteam berichtete, hielt der Italiener die Norweger für schwer pressbar und wollte Räume für Haaland vermeiden. Die Folge war ein Ballbesitzanteil von nur 34 Prozent – ein Wert, der in Brasilien als stilloses Abweichen von der eigenen Identität gewertet wurde. Ein verschossener Elfmeter von Bruno Guimarães, der zuvor sieben seiner letzten acht Strafstöße verwandelt hatte, besiegelte das Aus.
Die Reaktionen aus der brasilianischen Fußballwelt zeichnen das Bild einer tief gespaltenen Nation. Aus Rio de Janeiro meldete sich Weltmeister Romário mit unversöhnlicher Schärfe zu Wort. Auf seinem YouTube-Kanal „Romário TV“ forderte er die sofortige Entlassung Ancelottis und erklärte, er würde als Verbandspräsident den bis 2030 laufenden Vertrag „zerreißen“ und den Trainer vor Gericht ziehen lassen. Die Niederlage sei eine „Schande“, die der Italiener zu verantworten habe. Romário zog Parallelen zu früheren Trainern: Dunga habe nach einer Niederlage gehen müssen, Tite sei nach einer weiteren geblieben und erneut gescheitert – nun werde ein ausländischer Coach trotz des Scheiterns gehalten. In São Paulo und Teilen der europäischen Presse formierte sich hingegen eine Gegenbewegung. Die früheren Weltmeister Cafu und Kaká, beide einst Spieler unter Ancelotti, sprachen sich für Kontinuität aus. Cafu nannte das Ausscheiden eine „große Enttäuschung“, betonte aber, Ancelotti sei der richtige Mann, um die Seleção wieder zu Titeln zu führen. Kaká warnte vor einem Abbruch des Projekts, das die Integration junger Kräfte wie Estêvão und Endrick vorantreibe. Auch Ronaldo, der „Phänomen“, stellte sich hinter den Trainer: Ihn für eine von Haalands Geniestreichen entschiedene Partie verantwortlich zu machen, sei ein emotionaler Fehler; Brasilien benötige Ancelottis europäische Mentalität zur Modernisierung.
Jenseits der Personaldebatte meldete sich Kely Nascimento, die Tochter der Ikone Pelé, mit einer grundsätzlichen Systemkritik zu Wort. In einem Interview mit Reuters bezeichnete sie den brasilianischen Fußball als „kaputt“ – ein geschlossenes, intransparentes Ökosystem, in dem jeder die Probleme kenne, aber niemand sie beheben könne. Sie verwies auf die Korruption und mangelnde Rechenschaftspflicht, die sich direkt in den Leistungen der Nationalmannschaft spiegele. Als Hoffnungsschimmer nannte sie ausländische Investitionen in Traditionsklubs, etwa die Übernahme von Botafogo durch den US-Geschäftsmann John Textor, die Transparenz und externe Kontrolle bringe.
Der brasilianische Verband CBF hatte bereits vor dem Turnier Ancelottis Vertrag vorzeitig bis 2030 verlängert und hält nach dem Ausscheiden an ihm fest. Während die Viertelfinals ohne den Rekordweltmeister ausgetragen werden – sechs der acht verbliebenen Teams kommen aus Europa –, richtet sich der Blick in Brasilien auf die kommenden Monate. Die Debatte, ob ein ausländischer Trainer die tief verwurzelten Strukturprobleme überhaupt lösen kann, wird das Land noch lange begleiten.
| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.80 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.50 | critical |
Ancelotti verdient Zeit, um ein Projekt aufzubauen; die Debatte ist gesund und Romários Wut ist nur eine Stimme unter vielen.
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Romário spricht im Namen der Nation: Der Trainer muss sofort gehen und der Verband sollte den Vertrag ohne Zögern zerreißen.
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Der Block lässt jede Verteidigung von Ancelotti oder Diskussion über langfristige Planung aus und erwähnt nicht die systemischen Probleme, die von Pelés Tochter aufgeworfen wurden.
Der brasilianische Fußball ist grundlegend kaputt; das eigentliche Problem sind Korruption und mangelnde Verantwortlichkeit, nicht nur ein Trainer.
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