
Badehosen-Verbot am Comersee: Wie Europas Touristenorte gegen den Massenansturm aufrüsten
Varenna am Comersee verhängt Bußgelder für nackte Oberkörper, während von Sardinien bis Folkestone immer mehr Orte den Alltag der Einheimischen vor dem Ansturm der Besucher schützen.
In einem überhitzten Zugabteil auf dem Weg in den britischen Küstenort Folkestone, so schildert es die Journalistin Helen Coffey im „Independent“, drängten sich an einem Sommertag die Körper. Männer mit nacktem Oberkörper, Frauen in knappen Bikinis, die feuchte Haut der Mitreisenden – eine Szenerie, die Coffey als „erschreckende Realität“ beschrieb. Es war der Moment, in dem sie die Entscheidung eines kleinen italienischen Fischerdorfs, gegen solche Anblicke vorzugehen, nicht nur verstand, sondern bejubelte.
Wenige Tage zuvor hatte Varenna am Comer See, ein Ort mit rund 650 Einwohnern, der im Sommer täglich bis zu 17.500 Besucher zählt, neue Regeln erlassen. Wer sich abseits der Strände und Bootsanleger mit nacktem Oberkörper oder in Badekleidung zeigt, muss mit Bußgeldern zwischen 50 und 200 Euro rechnen. Bürgermeister Mauro Manzoni begründete den Schritt gegenüber italienischen Medien mit der Lebensqualität der Einheimischen, die nicht dem Massentourismus geopfert werden dürfe. Gleichzeitig wurde die Größe von Reisegruppen auf 25 Personen begrenzt und der Einsatz von Lautsprechern durch Stadtführer untersagt – bei Verstößen drohen den Guides Strafen bis zu 400 Euro und im Wiederholungsfall ein zeitweiliges Berufsverbot im Gemeindegebiet.
Varenna steht mit dieser Verordnung nicht allein. In Italien, das von den Besucherströmen besonders betroffen ist, haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Kommunen zu ähnlichen Mitteln gegriffen. In Sorrent am Golf von Neapel kostet ein Spaziergang in Badekleidung bis zu 500 Euro, in Portofino wurden „No-Waiting-Zones“ eingerichtet, um Selfie-Staus zu verhindern, und in Venedig können Bußgelder für nackte Oberkörper 350 Euro erreichen. Auf Sardinien wiederum ist das Mitnehmen von Sand oder Muscheln strikt untersagt, am Strand von La Pelosa müssen Handtücher auf einer Unterlage liegen, damit sie keine Sandkörner aufnehmen. Selbst das Bauen von Sandburgen ist im venezianischen Eraclea mit 250 Euro belegt. Die Regeln reichen weit über Italien hinaus: In Spanien ist das Rauchen an Hunderten Stränden verboten, in Japan sind Tätowierungen an vielen Küsten unerwünscht, und im französischen Granville dürfen seit 2009 keine Elefanten mehr baden – eine Konsequenz aus den Hinterlassenschaften eines Wanderzirkus.
Die Maßnahmen treffen auf geteilte Resonanz. Während Geschäftsleute und Anwohner in Varenna die neuen Vorschriften laut lokalen Medienberichten mehrheitlich begrüßen, melden sich auch kritische Stimmen. Der Präsident der Region Apulien, Antonio Decaro, wandte sich gegen Bestrebungen privater Strandbadbetreiber, mitgebrachtes Essen zu verbieten, und betonte: „Das Meer ist ein Allgemeingut und darf nicht zum Luxus werden.“ In Folkestone wiederum, wo die Einwohnerin Coffey ihre Zugfahrt schilderte, wünscht man sich ähnliche Regeln für die eigenen Hitzetage. Ihr Plädoyer für ein „Hitzewellen-Dekorum“ – kein Trinken auf der Straße, kein ungebremstes Entblößen – spiegelt eine Stimmung, die in vielen überlaufenen Küstenorten Europas zu vernehmen ist: den Wunsch, dass der öffentliche Raum auch im Sommer ein Ort der Rücksicht bleibt. Am Comer See, wo sich die engen Gassen nun wieder etwas leeren, hängt die Stille über dem Wasser wie eine frisch verhängte Regel.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.50 | aligned |
Rules are becoming increasingly absurd, but the problem of mass tourism is real: a balance between decorum and freedom must be found.
By juxtaposing various news items about bizarre rules from across Europe, the impression of a rampant and out-of-control phenomenon is created, normalizing the alarm.
The perspective of tourists who might feel penalized by excessive rules is not explored, nor is the positive economic impact of tourism discussed.
In Italy, in the village of Varenna, fines have been introduced for walking around in swimwear in public areas, with penalties from €50 to €200.
The news is reported without commentary or contextualization, presenting the rules as a fact, which normalizes them without judgment.
The overtourism context that led to these rules is not mentioned, nor are the reactions of residents or tourists.
We should adopt the same fines for bad beach behavior: here are seven habits that deserve penalties.
The author uses the Italian example as a pretext for a humorous list of behaviors to fine, turning a local news item into a personal and ironic policy proposal.
The reason why the Italian village introduced the fines (overtourism, protection of residents) is not explained, making the proposal superficial and decontextualized.
Erweitere deinen Horizont
Australien und Indien besiegeln Uranabkommen – strategische Partnerschaft vertieft
5 Sprachen · 17 Quellen
Aus Economy & MarketsVW-Aufsichtsrat berät über Schließung von vier Werken und Abbau von 100.000 Stellen
8 Sprachen · 18 Quellen
Aus TechnologyWashingtoner Exportkontrollen beschleunigen Open-Source-Wende – OpenAI startet GPT-5.6
6 Sprachen · 8 Quellen