Anmelden
Ausgabe von 10:00 CETDonnerstag, 9. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen765 Briefings heute
Geopolitik & PolitikFreitag, 3. Juli 2026

Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag: Koalition verschärft Krankschreibungsregeln – Ärzteverbände warnen vor Praxisüberlastung

Die Bundesregierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen und eine ärztliche Bescheinigung vom ersten Krankheitstag an vorschreiben; medizinische Verbände rechnen mit Millionen zusätzlicher Praxisbesuche und warnen vor einer Überlastung des Gesundheitswesens.

Die schwarz-rote Koalition hat im Rahmen eines umfassenden Reformpakets beschlossen, die Regeln zur Krankschreibung grundlegend zu verschärfen. Künftig sollen Arbeitnehmer verpflichtet sein, ihrem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vorzulegen; die bisher geltende Drei-Tage-Frist entfällt. Gleichzeitig wird die während der Corona-Pandemie eingeführte und 2023 verstetigte Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abgeschafft. Die genaue Ausgestaltung ist nach Angaben des Regierungssprechers noch offen; Arbeitgeber sollen jedoch die Möglichkeit erhalten, auf die sofortige Vorlage zu verzichten, und Krankschreibungen per Videosprechstunde bleiben zulässig.

Aus Sicht von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist der Schritt wirtschaftlich geboten. Die Zahl der Krankheitstage in Deutschland sei „exorbitant“ und verursache einen Wettbewerbsnachteil; man kehre zu den Verhältnissen vor der Pandemie zurück. Der CDU-Wirtschaftsflügel verweist auf durchschnittlich 18 Fehltage je Arbeitnehmer und Jahr sowie auf Kosten der Lohnfortzahlung von jährlich 82 bis 85 Milliarden Euro, die allein die Betriebe tragen. Die Maßnahmen sind Teil eines 34-Punkte-Pakets, mit dem die Koalition das Arbeitsvolumen erhöhen, Steuern senken und die Konjunktur beleben will. Die parlamentarische Verabschiedung der Kernpunkte ist bis zum Jahresende vorgesehen.

Medizinische Verbände und Kassenärzte reagieren mit scharfer Kritik. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schätzt, dass die Neuregelung zu mindestens 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr führen werde; ihr Vorstand sprach von „Irrsinn“. Der Deutsche Hausärzteverband warnt, dass infektiöse Patienten mit leichten Erkrankungen die Wartezimmer füllen und die Versorgung ernsthaft Erkrankter gefährden würden. Innerhalb der SPD, die dem Beschluss nach eigenen Angaben nur zustimmte, um weitergehende Forderungen der Union wie unbezahlte Karenztage abzuwenden, mehren sich die Bedenken. Arbeitsministerin Bärbel Bas kündigte eine genaue Prüfung der Auswirkungen an, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mahnte, eine Klarstellung sei nötig, damit Erkrankte nicht am ersten Tag in die Praxis gehen müssten.

Internationale Vergleiche zeigen, dass Deutschland bei den Krankmeldungen im oberen Drittel liegt, jedoch nicht die Spitzenposition einnimmt. Nach OECD-Daten weisen Länder wie Norwegen deutlich höhere Fehlzeiten auf, während Italien und Griechenland am unteren Ende rangieren. Die Kombination aus voller Lohnfortzahlung über sechs Wochen und anschließendem Krankengeld gilt als vergleichsweise großzügig, ist aber kein Alleinstellungsmerkmal. Die Debatte über die konkrete Umsetzung der Attestpflicht wird die Koalition in den kommenden Wochen weiter beschäftigen; das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, die Regelung so auszugestalten, dass keine unnötigen Praxisbesuche erzwungen werden.

Divergenz — wer erzählt sie wie
0%Niedrig
2 Blöcke · Positionen von 0.00 bis 0.00
KritischWohlwollend
EURATL
Abweichung zwischen Presseblöcken
Kontinentaleuropäische Presse0.00neutral
Atlantische / angloamerikanische Presse0.00neutral
The story about Germany's mandatory sick note is not present in the provided press bloc materials.
Kontinentaleuropäische Presse0.00
Stimme

The bloc does not address the issue.

Mechanismusassenza

With no relevant articles, no rhetorical technique is employed.

Auslassung

Any reference to the German sick note policy is absent.

Distanz
Atlantische / angloamerikanische Presse0.00
Stimme

The bloc does not cover the topic.

Mechanismusassenza

No rhetorical technique applicable due to lack of coverage.

Auslassung

The entire story is omitted.

Distanz

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Ölpreise steigen nach US-Angriffen auf Iran sprunghaft – Sorge um Straße von Hormus·Die Stimme, die aus einem Schrei geboren wurde: Zum Tod von Bonnie Tyler·Trump: Iran bat nach US-Schlägen um Abkommen – neue Eskalation am Persischen Golf·Frankreich und Marokko eröffnen das Viertelfinale mit der Neuauflage des Halbfinals von 2022·Gewaltausbruch am Flughafen Mexiko-Stadt: Aus Flugzeug verwiesene Passagiere attackieren Personal·Tom Hanks wird 70: Kaffee, Geduld und die Kunst des Wartens·Überschwemmungen in China fordern 39 Tote – Supertaifun Bavi nähert sich Taiwan·Deutschland und USA einigen sich auf Kauf und Stationierung von Tomahawk-Raketen·Ölpreise steigen nach US-Angriffen auf Iran sprunghaft – Sorge um Straße von Hormus·Die Stimme, die aus einem Schrei geboren wurde: Zum Tod von Bonnie Tyler·Trump: Iran bat nach US-Schlägen um Abkommen – neue Eskalation am Persischen Golf·Frankreich und Marokko eröffnen das Viertelfinale mit der Neuauflage des Halbfinals von 2022·Gewaltausbruch am Flughafen Mexiko-Stadt: Aus Flugzeug verwiesene Passagiere attackieren Personal·Tom Hanks wird 70: Kaffee, Geduld und die Kunst des Wartens·Überschwemmungen in China fordern 39 Tote – Supertaifun Bavi nähert sich Taiwan·Deutschland und USA einigen sich auf Kauf und Stationierung von Tomahawk-Raketen·
Akt. 18:593 Sprachen · 7 Quellen
VorherigerGeopolitik & PolitikNächster
7 Quellen|3 Sprachen|2 Min. Lesezeit
Freitag, 3. Juli 2026

Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag: Koalition verschärft Krankschreibungsregeln – Ärzteverbände warnen vor Praxisüberlastung

Die Bundesregierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen und eine ärztliche Bescheinigung vom ersten Krankheitstag an vorschreiben; medizinische Verbände rechnen mit Millionen zusätzlicher Praxisbesuche und warnen vor einer Überlastung des Gesundheitswesens.

Die schwarz-rote Koalition hat im Rahmen eines umfassenden Reformpakets beschlossen, die Regeln zur Krankschreibung grundlegend zu verschärfen. Künftig sollen Arbeitnehmer verpflichtet sein, ihrem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vorzulegen; die bisher geltende Drei-Tage-Frist entfällt. Gleichzeitig wird die während der Corona-Pandemie eingeführte und 2023 verstetigte Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abgeschafft. Die genaue Ausgestaltung ist nach Angaben des Regierungssprechers noch offen; Arbeitgeber sollen jedoch die Möglichkeit erhalten, auf die sofortige Vorlage zu verzichten, und Krankschreibungen per Videosprechstunde bleiben zulässig.

Aus Sicht von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist der Schritt wirtschaftlich geboten. Die Zahl der Krankheitstage in Deutschland sei „exorbitant“ und verursache einen Wettbewerbsnachteil; man kehre zu den Verhältnissen vor der Pandemie zurück. Der CDU-Wirtschaftsflügel verweist auf durchschnittlich 18 Fehltage je Arbeitnehmer und Jahr sowie auf Kosten der Lohnfortzahlung von jährlich 82 bis 85 Milliarden Euro, die allein die Betriebe tragen. Die Maßnahmen sind Teil eines 34-Punkte-Pakets, mit dem die Koalition das Arbeitsvolumen erhöhen, Steuern senken und die Konjunktur beleben will. Die parlamentarische Verabschiedung der Kernpunkte ist bis zum Jahresende vorgesehen.

Medizinische Verbände und Kassenärzte reagieren mit scharfer Kritik. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schätzt, dass die Neuregelung zu mindestens 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr führen werde; ihr Vorstand sprach von „Irrsinn“. Der Deutsche Hausärzteverband warnt, dass infektiöse Patienten mit leichten Erkrankungen die Wartezimmer füllen und die Versorgung ernsthaft Erkrankter gefährden würden. Innerhalb der SPD, die dem Beschluss nach eigenen Angaben nur zustimmte, um weitergehende Forderungen der Union wie unbezahlte Karenztage abzuwenden, mehren sich die Bedenken. Arbeitsministerin Bärbel Bas kündigte eine genaue Prüfung der Auswirkungen an, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mahnte, eine Klarstellung sei nötig, damit Erkrankte nicht am ersten Tag in die Praxis gehen müssten.

Internationale Vergleiche zeigen, dass Deutschland bei den Krankmeldungen im oberen Drittel liegt, jedoch nicht die Spitzenposition einnimmt. Nach OECD-Daten weisen Länder wie Norwegen deutlich höhere Fehlzeiten auf, während Italien und Griechenland am unteren Ende rangieren. Die Kombination aus voller Lohnfortzahlung über sechs Wochen und anschließendem Krankengeld gilt als vergleichsweise großzügig, ist aber kein Alleinstellungsmerkmal. Die Debatte über die konkrete Umsetzung der Attestpflicht wird die Koalition in den kommenden Wochen weiter beschäftigen; das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, die Regelung so auszugestalten, dass keine unnötigen Praxisbesuche erzwungen werden.

Divergenz — wer erzählt sie wie
0%Niedrig
2 Blöcke · Positionen von 0.00 bis 0.00
KritischWohlwollend
EURATL
Abweichung zwischen Presseblöcken
Kontinentaleuropäische Presse0.00neutral
Atlantische / angloamerikanische Presse0.00neutral
The story about Germany's mandatory sick note is not present in the provided press bloc materials.
Kontinentaleuropäische Presse0.00
Stimme

The bloc does not address the issue.

Mechanismusassenza

With no relevant articles, no rhetorical technique is employed.

Auslassung

Any reference to the German sick note policy is absent.

Distanz
Atlantische / angloamerikanische Presse0.00
Stimme

The bloc does not cover the topic.

Mechanismusassenza

No rhetorical technique applicable due to lack of coverage.

Auslassung

The entire story is omitted.

Distanz

Diese Nachricht erschien in

7 Quellen · 3 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Economy & Markets

Steuersprung in Israel, Defizitabbau in Indonesien: Schwellenländer stabilisieren ihre Staatsfinanzen

4 Sprachen · 10 Quellen

Aus Technology

KI-Kompetenz bringt bis zu 92 Prozent mehr Lohn – und verändert das Denken

3 Sprachen · 4 Quellen

Aus Science & Health

Saudi-Arabien prüft Handelskorridor via Syrien – Kanada setzt auf Wirtschaftsdiplomatie

2 Sprachen · 5 Quellen

Mehr lesen