
ASEAN fordert freie Passage durch Hormus – Spannungen im Südchinesischen Meer
Die Außenminister der ASEAN-Staaten verlangen in Manila ungehinderten Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, während der US-iranische Krieg die Energieversorgung Asiens bedroht.
Die Außenminister des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) haben am Donnerstag in Manila die Freiheit der Schifffahrt in internationalen Meerengen bekräftigt und ausdrücklich einen „ungehinderten“ Transit durch die Straße von Hormus gefordert. Hintergrund ist die anhaltende Blockade der für den globalen Ölhandel zentralen Wasserstraße durch den Iran, die nach gemeinsamen amerikanisch-israelischen Militärschlägen verhängt wurde. Die Unterbrechung der Lieferketten hat in der importabhängigen Region zu akuten Energieengpässen und stark steigenden Ölpreisen geführt; die Philippinen riefen einen nationalen Notstand aus. Ein Entwurf des Abschlusskommuniqués, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, enthält erstmals Formulierungen zur „Freiheit der Schifffahrt und des Überflugs über Meerengen“.
Aus Washingtoner Sicht warnte Außenminister Marco Rubio die ASEAN-Gesandten, eine iranische Kontrolle der Straße von Hormus würde einen „gefährlichen Präzedenzfall“ schaffen. Zugleich bekräftigte er das Interesse an einer diplomatischen Lösung, räumte jedoch ein, dass Teheran die Verhandlungen immer wieder verzögere. Die US-Streitkräfte flogen in der Nacht zum Donnerstag den zwölften Angriff in Folge auf iranische Stellungen. Peking, vertreten durch Vizeaußenministerin Hua Chunying, sprach von einer „neuen Periode der Turbulenz und Transformation“ und rief eindringlich zur Wahrung von Frieden und Stabilität auf. Am Rande des Forums traf Rubio mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow zusammen; Moskau erklärte, Lawrow habe die Bereitschaft zu einer politisch-diplomatischen Beilegung des Ukraine-Kriegs bekräftigt und sich zu den von beiden Staatschefs vorgelegten Vorschlägen bekannt.
Ein zweiter Konfliktherd überschattete das Treffen: Im Südchinesischen Meer kam es binnen weniger Tage zu zwei Zusammenstößen zwischen chinesischen und philippinischen Schiffen. Die chinesische Küstenwache warf Manila „provokative Handlungen“ vor und blockierte nach eigenen Angaben ein Schiff nahe dem Scarborough-Riff; die philippinische Küstenwache berichtete, ein Regierungsschiff auf humanitärer Mission sei mit Wasserwerfern attackiert worden. Rubio bekräftigte die Beistandsverpflichtung Washingtons für den Verbündeten und nannte die Vorfälle „verstörend“. China beansprucht nahezu das gesamte Seegebiet und erkennt den Schiedsspruch von 2016, der die Rechtsgrundlage vieler Ansprüche verneint, nicht an. Dennoch betonte der chinesische Botschafter in Manila, die Gespräche über einen Verhaltenskodex für die Wasserstraße würden davon nicht beeinträchtigt; das Ziel bleibe ein Abschluss bis Ende des Jahres. Malaysias Außenminister zeigte sich zuversichtlich, dass eine Einigung bis zum ASEAN-Gipfel im November gelingt.
Für die ASEAN-Staaten, deren Wirtschaftsleistung von rund 3,8 Billionen Dollar stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängt, ist die Blockade der Straße von Hormus eine unmittelbare Bedrohung. Die Region beherbergt mit der Straße von Malakka und der Straße von Singapur selbst zwei der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt. Rubio versicherte den asiatischen Partnern, die angestrebte Verbesserung der Beziehungen zu Peking werde nicht auf ihre Kosten gehen; ein Besuch von Präsident Xi Jinping in den USA ist für September vorgesehen. Das Abschlusskommuniqué des Forums wird in den kommenden Stunden erwartet. Die Verhandlungen über den Verhaltenskodex im Südchinesischen Meer sollen parallel weitergeführt werden, wobei Beobachter in der Region darauf hinweisen, dass ein für alle Seiten akzeptables Dokument kaum verbindliche Regelungen enthalten dürfte.
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
| Arabische Golfpresse | −0.30 | critical |
ASEAN universalisiert das Prinzip der Freiheit der Schifffahrt als gemeinsames Gut, ohne Partei zu ergreifen.
Indem ASEAN die Freiheit der Schifffahrt als universelles Prinzip und nicht als Forderung gegen einen bestimmten Akteur darstellt, vermeidet es, Iran oder die USA direkt zu beschuldigen und behält eine Vermittlerposition bei.
ASEAN unterlässt es, Iran explizit als Bedrohung für die Schifffahrt zu erwähnen, was andere Blöcke tun, um seine Neutralität nicht zu gefährden.
Die USA versichern ihren asiatischen Verbündeten, dass sie sie nicht im Stich lassen, während sie gleichzeitig mit China zusammenarbeiten, um die Krise zu bewältigen.
Indem der Block die US-chinesische Zusammenarbeit als komplementär zu den Bündnisverpflichtungen darstellt, spielt er Spannungen zwischen den beiden Gleisen herunter und präsentiert die USA als zuverlässigen Führer.
Der Block unterlässt jede Kritik an US-Aktionen, die den Konflikt mit dem Iran verschärft haben könnten, und konzentriert sich stattdessen auf die vom Iran ausgehende Bedrohung.
Die Golfstaaten warnen, dass die iranische Kontrolle der Straße von Hormus einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen würde, und sie unterstützen den Aufruf der ASEAN zu ungehindertem Durchgang.
Indem der Block die US-Warnung zitiert und den Iran als primäre Bedrohung darstellt, schafft er eine Hierarchie von Bedrohungen, die den Aufruf zu offenen Meerengen rechtfertigt und mit den US-Sicherheitsinteressen übereinstimmt.
Der Block unterlässt jede Erwähnung der Rolle der USA im Konflikt oder der Möglichkeit, dass US-Aktionen die Krise provoziert haben könnten, und konzentriert sich ausschließlich auf die iranische Aggression.
Erweitere deinen Horizont
Eskalation im Luftkrieg: Kiew attackiert Wildberries-Logistik, Russland trifft Rüstungsmesse
7 Sprachen · 18 Quellen
Aus TechnologyElon Musk zieht Bilanz: Politische Reue und ungebremster Techno-Optimismus
3 Sprachen · 5 Quellen
Aus Science & HealthFortschritte bei seltenen Erkrankungen: Gentherapien und mRNA-Impfstoffe zeigen erste Erfolge
4 Sprachen · 6 Quellen