
Nato-Gipfel in Ankara: Trumps Druck und die Europäisierung der Allianz
Die 32 Mitgliedstaaten beraten über Verteidigungsausgaben, Ukraine-Hilfe und die Neuausrichtung des Bündnisses, während Washington mit Konsequenzen droht.
Am 7. und 8. Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 32 Nato-Mitglieder in Ankara zu einem Gipfel, der nach Einschätzung des türkischen Präsidenten Erdoğan „entscheidend für die Geschichte des Bündnisses“ ist. Im Zentrum steht die Forderung der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, die Verteidigungsausgaben unverzüglich auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Wie die britische Zeitung Telegraph berichtet, hat Washington den Verbündeten mit „Konsequenzen“ gedroht, sollten sie den 2035-Zielpfad nicht einhalten. Aus Sicht der US-Administration sind viele Partner, darunter Großbritannien, noch weit von diesem Ziel entfernt; London plant bis 2029 lediglich 2,7 Prozent zu erreichen.
Europäische Diplomaten verweisen auf die seit 2016 um 1,2 Billionen Dollar gestiegenen Verteidigungsausgaben der nicht-amerikanischen Alliierten und betonen, dass der Wandel strukturell und unumkehrbar sei. Nato-Generalsekretär Mark Rutte spricht von einer „Nato 3.0“, in der die europäischen Partner und Kanada eine größere Verantwortung für die konventionelle Verteidigung des Kontinents übernehmen. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, soll die Gipfelerklärung diese „Europäisierung“ des Bündnisses explizit festschreiben. Deutschland, das nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA bis 2029 einen Kernverteidigungshaushalt von 3,5 Prozent anstrebt, gilt dabei als treibende Kraft. Gleichzeitig warnt der US-Botschafter bei der Nato, Matthew Whitaker, dass Washington bei Rüstungsgeschäften jene Länder bevorzugen werde, die ihre Zusagen am glaubwürdigsten erfüllten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung der Ukraine. Laut einem Entwurf der Abschlusserklärung, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert, verpflichten sich die Alliierten, Kiew in den Jahren 2026 und 2027 jeweils mindestens 70 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Die ukrainische Führung wird zunehmend als Sicherheitslieferant für Europa gesehen; Kiew drängt auf eine raschere Integration in die EU und perspektivisch in die Nato. Überschattet wird der Gipfel jedoch von den Spannungen infolge des amerikanisch-israelischen Militärschlags gegen den Iran. Aus Washingtoner Sicht haben mehrere europäische Hauptstädte, darunter Rom und Madrid, die Solidarität verweigert, indem sie Überflugrechte verweigerten. Präsident Trump erklärte, er verlange von den Verbündeten nicht Geld, sondern „Loyalität“. Europäische Diplomaten befürchten, dass dieser Konflikt die Atmosphäre des Treffens belasten und die Glaubwürdigkeit der transatlantischen Einheit untergraben könnte.
Die strukturellen Verschiebungen gehen über den aktuellen Gipfel hinaus. Das Pentagon hat eine Überprüfung seiner Truppenpräsenz in Europa eingeleitet und bereits angekündigt, die im Nato-Kräftemodell zugesagten Fähigkeiten massiv zu reduzieren. Aus Sicht des European Policy Centre ist die Annahme, die USA blieben dauerhaft das Rückgrat der europäischen Sicherheit, nicht länger verlässlich. Die Allianz steht vor der Aufgabe, fehlende Fähigkeiten – von Langstreckenraketen bis zu Logistik – aus eigener Kraft aufzubauen. Am Rande des Gipfels ist ein Treffen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj geplant; zudem soll ein Forum der Verteidigungsindustrie Verträge in zweistelliger Milliardenhöhe hervorbringen. Die Abschlusserklärung wird am Mittwochnachmittag erwartet. Ob es gelingt, die Risse im Bündnis zu kitten, bleibt offen.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.50 | critical |
| Indische & südasiatische Presse | +0.60 | aligned |
Das Bündnis steckt in einer tiefen Krise; der Gipfel in Ankara ist entscheidend, aber durch die Spaltung zwischen den USA und Europa untergraben.
Durch die Betonung von Erdogans Bezeichnung des Gipfels als 'entscheidend' und den Kontext der laufenden Kriege wird ein Rahmen existenzieller Krise geschaffen, der Alarm legitimiert.
Es erwähnt nicht die europäischen Pläne zur Erhöhung der Militärausgaben und zur Schaffung einer autonomen Verteidigungsstruktur, die in den europäischen Erzählungen zentral sind.
Europa muss sich darauf vorbereiten, sich selbst zu verteidigen; der Gipfel in Ankara markiert die Geburt einer europäischen NATO.
Indem die europäischen Vorbereitungen als unvermeidliche Reaktion auf die amerikanische Unzuverlässigkeit dargestellt werden, wird die Notwendigkeit einer europäischen Säule universalisiert.
Es erkennt die Möglichkeit einer transatlantischen Versöhnung nicht an und stellt den Bruch als irreversibel dar.
Die NATO erfindet sich als europäische Koalition neu; es ist Trumps Traum und Putins Albtraum.
Durch die Umbenennung des Gipfels in 'NATO 3.0' und die Verwendung der Formel 'Trumps Traum, Putins Albtraum' wird das Bündnis als positiver Neuanfang reprojiziert.
Es lässt die internen Spannungen und die europäische Skepsis aus und stellt den Reset als linearen, von allen gewünschten Prozess dar.
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