
Kapverden als Spielverderber: Die offene Rechnung in Gruppe H vor dem Finale
Der Debütant Kapverden hat die Favoriten Spanien und Uruguay in Bedrängnis gebracht – vor dem letzten Spieltag ist noch kein Team qualifiziert.
Die Gruppe H der Weltmeisterschaft 2026 erlebt eine unerwartete Zuspitzung: Der Debütant Kapverden, ohne große Namen angetreten, hat den etablierten Kräften Spanien und Uruguay zwei Unentschieden abgetrotzt und damit die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag völlig offen gestaltet. Nach einem torlosen Remis gegen den Europameister und einem 2:2 gegen die Celeste stehen die „Blauen Haie“ mit zwei Punkten gleichauf mit Uruguay, während Spanien mit vier Zählern zwar die Tabelle anführt, aber noch nicht für die Runde der letzten 32 qualifiziert ist. Selbst Schlusslicht Saudi-Arabien (ein Punkt) wahrt rechnerische Chancen.
In Guadalajara kommt es am Freitagabend (Ortszeit) zum direkten Duell der beiden Favoriten. Uruguay, das nach den enttäuschenden Remis gegen Saudi-Arabien (1:1) und Kapverden unter Zugzwang steht, muss gewinnen, um sicher weiterzukommen. Trainer Marcelo Bielsa sprach von einem „Finale“ und forderte von seiner Mannschaft Dynamik und Initiative, um den spanischen Ballbesitz zu unterbinden. Besonderes Augenmerk gilt Lamine Yamal: Der 18-jährige Flügelstürmer, von Nationaltrainer Luis de la Fuente als „Genie“ bezeichnet, soll nach überstandener Verletzung von Beginn an auflaufen. Uruguays Abwehr, die auf Ronald Araújo verzichten muss, steht vor einer schweren Prüfung. In spanischen Medien wird die Partie als „Krieg“ und „heißer Tanz“ beschrieben, bei dem La Roja ihre Titeltauglichkeit unter Beweis stellen will.
Parallel trifft Kapverden in Houston auf Saudi-Arabien. Ein Sieg würde den Inselstaat, der erstmals an einer WM teilnimmt, sicher in die K.-o.-Runde bringen – und je nach Ausgang des Parallelspiels sogar die Gruppenführung ermöglichen. In asiatischen und südamerikanischen Berichten wird die disziplinierte Defensive um Torhüter Vozinha und Innenverteidiger Pico Lopes als Schlüssel für den bisherigen Erfolg hervorgehoben. Die saudische Mannschaft, die nach einem 0:4 gegen Spanien ein negatives Torverhältnis aufweist, benötigt ebenfalls einen Sieg und muss auf Schützenhilfe hoffen. Aus brasilianischer Sicht wird notiert, dass selbst der dritte Platz noch zum Weiterkommen reichen könnte, da die acht besten Gruppendritten in die Runde der 32 einziehen.
Die Konstellation hat unmittelbare Folgen für den weiteren Turnierverlauf. Der Gruppensieger trifft auf den Zweiten der Gruppe J – derzeit Österreich oder Algerien –, während der Zweite auf den bereits als Gruppensieger feststehenden Weltmeister Argentinien um Lionel Messi prallt. Ein statistisches Modell des US-Medienhauses The Athletic sieht Kapverden mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit auf dem zweiten Rang und damit als wahrscheinlichsten Gegner der Albiceleste. In argentinischen Medien wird diese Aussicht mit Spannung erwartet, während in Uruguay die Sorge vor einem frühen Duell mit dem Erzrivalen mitschwingt.
Am Freitagabend werden in Guadalajara und Houston die Karten neu gemischt. Noch nie in der Geschichte der Gruppe H war die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag so ausgeglichen – ein Szenario, das die Dramatik dieser WM unterstreicht.
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