Anmelden
Ausgabe von 20:00 CETSamstag, 11. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen990 Briefings heute
Geopolitik & PolitikMontag, 29. Juni 2026

Afrikanische Staaten evakuieren Tausende Bürger aus Südafrika vor landesweiten Protesten

Vor den für den 30. Juni angekündigten Anti-Migranten-Demonstrationen haben mehrere afrikanische Regierungen die Rückholung ihrer Staatsangehörigen beschleunigt, während Präsident Ramaphosa vor Selbstjustiz warnt.

Wenige Tage vor dem Ablauf eines von fremdenfeindlichen Gruppen gesetzten Ultimatums haben Uganda, Nigeria, Malawi, Simbabwe und weitere afrikanische Staaten die Evakuierung Tausender ihrer Bürger aus Südafrika intensiviert. Nach Angaben des ugandischen Außenministeriums wurden bereits 746 Personen für Charterflüge registriert, nachdem ein ugandischer Staatsangehöriger in der Provinz KwaZulu-Natal getötet worden war. Nigerias Regierung bestätigte, dass am Dienstag ein weiterer von fünf genehmigten Evakuierungsflügen der Fluggesellschaft Air Peace in Lagos eintreffen werde; zuvor waren bereits 328 Nigerianer in zwei Etappen ausgeflogen worden. In Durban warteten hunderte Malawier auf Busse, während Simbabwe mit Unterstützung einer privaten Stiftung die Rückführung von bis zu 20.000 Bürgern vorbereitet.

Aus Sicht der südafrikanischen Regierung verurteilte Präsident Cyril Ramaphosa jede Form von Selbstjustiz und stellte klar, dass die Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen allein staatlichen Behörden obliege. Er räumte ein, dass es legitime Sorgen über undokumentierte Zuwanderung, Grenzsicherung und die Belastung öffentlicher Dienste gebe, betonte jedoch, dass diese Fragen nur mit verfassungsmäßigen Mitteln gelöst werden dürften. Die Polizei kündigte eine massive Präsenz an, um Ausschreitungen zu verhindern. Die Organisatoren der Proteste, darunter die Bewegung „March and March“, erklärten, sie riefen nicht zu Gewalt auf, lehnten aber jede Verantwortung für mögliche Eskalationen ab.

Die Evakuierungsmaßnahmen sind Reaktion auf eine Welle fremdenfeindlicher Übergriffe, die in den vergangenen Wochen mindestens zwei Todesopfer gefordert und zahlreiche Migranten aus ihren Wohnungen vertrieben hat. Tausende suchen derzeit Schutz in Kirchen, Schulen und Notunterkünften. Aus afrikanischen Hauptstädten wird die Sorge vor einer weiteren Eskalation am 30. Juni als unmittelbarer Handlungsgrund genannt. Die südafrikanischen Sicherheitskräfte sind nach eigenen Angaben auf mögliche Unruhen vorbereitet, doch die Furcht vor gewaltsamen Ausschreitungen bleibt bestehen.

Die Vorfälle reihen sich in eine wiederkehrende Dynamik xenophober Gewalt in Südafrika ein, die von Teilen der Bevölkerung mit hoher Arbeitslosigkeit, Kriminalität und überlasteten Sozialsystemen begründet wird. Umfragen des Human Sciences Research Council und von Afrobarometer aus dem Vorjahr belegen eine deutliche Zunahme ausländerfeindlicher Einstellungen. Demgegenüber weisen Daten der Statistikbehörde für 2023 einen Migrantenanteil von lediglich 4,1 Prozent der Bevölkerung aus – ein im internationalen Vergleich niedriger Wert. Eine Weltbank-Studie von 2018 kommt zudem zu dem Schluss, dass jeder beschäftigte Migrant durch wirtschaftliche Aktivität etwa zwei Arbeitsplätze für Einheimische schafft. Die südafrikanische Regierung hat Reformen des Asyl- und Visasystems angekündigt, steht jedoch vor der unmittelbaren Herausforderung, die öffentliche Ordnung am Protesttag zu wahren. Die Evakuierungsflüge werden in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Fünf Jahre nach Massenprotesten: USA bekräftigen harte Linie gegenüber Kuba·Merlier sprintet in Bergerac zum zweiten Etappensieg – Slock verpasst Sensation knapp·AfD Sachsen-Anhalt stellt 100-Tage-Programm vor: Abschiebungen und Rundfunkkündigung geplant·Pakistan und Saudi-Arabien warnen vor neuem Konflikt zwischen USA und Iran·Internationale Behörden schlagen Alarm: Neue Betrugswelle mit massgeschneiderten Ködern·US-Militärdelegation in Beirut bereitet ersten israelischen Rückzug aus Pilotzone vor·Nach WM-Aus gegen die Schweiz: Kolumbianer Campaz erhält Morddrohungen – Verband schaltet Justiz ein·Türkei verhängt Strafen gegen mehr als hundert Ärzte wegen hoher Kaiserschnittrate·Fünf Jahre nach Massenprotesten: USA bekräftigen harte Linie gegenüber Kuba·Merlier sprintet in Bergerac zum zweiten Etappensieg – Slock verpasst Sensation knapp·AfD Sachsen-Anhalt stellt 100-Tage-Programm vor: Abschiebungen und Rundfunkkündigung geplant·Pakistan und Saudi-Arabien warnen vor neuem Konflikt zwischen USA und Iran·Internationale Behörden schlagen Alarm: Neue Betrugswelle mit massgeschneiderten Ködern·US-Militärdelegation in Beirut bereitet ersten israelischen Rückzug aus Pilotzone vor·Nach WM-Aus gegen die Schweiz: Kolumbianer Campaz erhält Morddrohungen – Verband schaltet Justiz ein·Türkei verhängt Strafen gegen mehr als hundert Ärzte wegen hoher Kaiserschnittrate·
Akt. 10:332 Sprachen · 8 Quellen
VorherigerGeopolitik & PolitikNächster
8 Quellen|2 Sprachen|2 Min. Lesezeit
Montag, 29. Juni 2026

Afrikanische Staaten evakuieren Tausende Bürger aus Südafrika vor landesweiten Protesten

Vor den für den 30. Juni angekündigten Anti-Migranten-Demonstrationen haben mehrere afrikanische Regierungen die Rückholung ihrer Staatsangehörigen beschleunigt, während Präsident Ramaphosa vor Selbstjustiz warnt.

Wenige Tage vor dem Ablauf eines von fremdenfeindlichen Gruppen gesetzten Ultimatums haben Uganda, Nigeria, Malawi, Simbabwe und weitere afrikanische Staaten die Evakuierung Tausender ihrer Bürger aus Südafrika intensiviert. Nach Angaben des ugandischen Außenministeriums wurden bereits 746 Personen für Charterflüge registriert, nachdem ein ugandischer Staatsangehöriger in der Provinz KwaZulu-Natal getötet worden war. Nigerias Regierung bestätigte, dass am Dienstag ein weiterer von fünf genehmigten Evakuierungsflügen der Fluggesellschaft Air Peace in Lagos eintreffen werde; zuvor waren bereits 328 Nigerianer in zwei Etappen ausgeflogen worden. In Durban warteten hunderte Malawier auf Busse, während Simbabwe mit Unterstützung einer privaten Stiftung die Rückführung von bis zu 20.000 Bürgern vorbereitet.

Aus Sicht der südafrikanischen Regierung verurteilte Präsident Cyril Ramaphosa jede Form von Selbstjustiz und stellte klar, dass die Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen allein staatlichen Behörden obliege. Er räumte ein, dass es legitime Sorgen über undokumentierte Zuwanderung, Grenzsicherung und die Belastung öffentlicher Dienste gebe, betonte jedoch, dass diese Fragen nur mit verfassungsmäßigen Mitteln gelöst werden dürften. Die Polizei kündigte eine massive Präsenz an, um Ausschreitungen zu verhindern. Die Organisatoren der Proteste, darunter die Bewegung „March and March“, erklärten, sie riefen nicht zu Gewalt auf, lehnten aber jede Verantwortung für mögliche Eskalationen ab.

Die Evakuierungsmaßnahmen sind Reaktion auf eine Welle fremdenfeindlicher Übergriffe, die in den vergangenen Wochen mindestens zwei Todesopfer gefordert und zahlreiche Migranten aus ihren Wohnungen vertrieben hat. Tausende suchen derzeit Schutz in Kirchen, Schulen und Notunterkünften. Aus afrikanischen Hauptstädten wird die Sorge vor einer weiteren Eskalation am 30. Juni als unmittelbarer Handlungsgrund genannt. Die südafrikanischen Sicherheitskräfte sind nach eigenen Angaben auf mögliche Unruhen vorbereitet, doch die Furcht vor gewaltsamen Ausschreitungen bleibt bestehen.

Die Vorfälle reihen sich in eine wiederkehrende Dynamik xenophober Gewalt in Südafrika ein, die von Teilen der Bevölkerung mit hoher Arbeitslosigkeit, Kriminalität und überlasteten Sozialsystemen begründet wird. Umfragen des Human Sciences Research Council und von Afrobarometer aus dem Vorjahr belegen eine deutliche Zunahme ausländerfeindlicher Einstellungen. Demgegenüber weisen Daten der Statistikbehörde für 2023 einen Migrantenanteil von lediglich 4,1 Prozent der Bevölkerung aus – ein im internationalen Vergleich niedriger Wert. Eine Weltbank-Studie von 2018 kommt zudem zu dem Schluss, dass jeder beschäftigte Migrant durch wirtschaftliche Aktivität etwa zwei Arbeitsplätze für Einheimische schafft. Die südafrikanische Regierung hat Reformen des Asyl- und Visasystems angekündigt, steht jedoch vor der unmittelbaren Herausforderung, die öffentliche Ordnung am Protesttag zu wahren. Die Evakuierungsflüge werden in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Divergenz der Quellen

Geopolitik & Politik · 8 Quellen · 2 Sprachen

0%Niedrig

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Neutral100%

Diese Nachricht erschien in

8 Quellen · 2 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Economy & Markets

Steuersprung in Israel, Defizitabbau in Indonesien: Schwellenländer stabilisieren ihre Staatsfinanzen

4 Sprachen · 10 Quellen

Aus Technology

Meta zieht KI-Bildfunktion auf Instagram nach weltweiter Kritik zurück

8 Sprachen · 16 Quellen

Aus Science & Health

Älteste figürliche Kunst in Sulawesi entdeckt – und weitere Funde belegen frühe Gewalt

5 Sprachen · 6 Quellen

Mehr lesen