
Wenn die Tablette die Spielzeugkiste ersetzt: Toy Story 5 und die digitale Kindheit
Am Startwochenende spielt Pixars Toy Story 5 weltweit 312 Millionen Dollar ein und trifft mit seiner Geschichte vom Kampf zwischen Stoffpuppen und Bildschirmen einen Nerv, der weit über das Kino hinausreicht.
Es ist einer jener Nachmittage, an denen ein Kinderzimmer zum Universum wird. Ein Vater und sein kleiner Sohn hocken auf dem Teppich, umringt von Spielfiguren aus „Cars“, „Toy Story“ und „Paw Patrol“. Gemeinsam retten sie Radiator Springs vor einem Meteoritensturm, Buzz Lightyear eilt herbei. Das Kind lacht, doch im Kopf des Vaters meldet sich das schlechte Gewissen: Ist all die Bildschirmzeit, die diesen Fantasien vorausging, nicht doch zu viel? So schildert es der brasilianische Journalist, der sich mit flauem Magen ins Kino setzt, um „Toy Story 5“ zu sehen – und mit einer Erkenntnis wieder herauskommt, die nichts mit postkartentauglicher Pixar-Rührung zu tun hat.
Der Film, inszeniert vom Pixar-Veteranen Andrew Stanton und Kenna Harris, schickt Woodys und Buzz’ Bande in einen Kampf, der nicht gegen einen Bösewicht aus Plastik geführt wird, sondern gegen eine Tablette namens Lilypad. Sie zieht in Bonnies Kinderzimmer ein und saugt alle Aufmerksamkeit auf. „Die Ära der Spielzeuge ist vorbei“, raunt ein alter Roboter Jessie zu. Was folgt, ist keine Verteufelung der Technologie, sondern ein Plädoyer für elterliche Begleitung. „Toy Story 5“ treffe damit einen Nerv, der weit über das Kino hinausgehe, sagt der Branchenanalyst David A. Gross – und das an einem Startwochenende, das mit 160 Millionen Dollar allein in Nordamerika einen Franchise-Rekord aufstellt. Weltweit kommen 312 Millionen Dollar zusammen, die bislang größte Premiere des Jahres 2026. Nur „Die Unglaublichen 2“ hatten 2018 einen noch stärkeren Animationsstart hingelegt.
Die Zahlen sind Ausdruck einer Filmreihe, die seit 1995 Generationen begleitet und weltweit mehr als drei Milliarden Dollar eingespielt hat – hinzu kommen Milliarden durch Merchandising. Doch der Erfolg der fünften Auskopplung erklärt sich nicht allein aus Nostalgie. Der Konflikt zwischen analoger Fantasie und digitaler Verführung ist zum globalen Familienthema geworden. In den Vereinigten Staaten besitzen laut einer Studie von Common Sense Media bereits 40 Prozent der Zweijährigen ein eigenes Tablet, in Brasilien und Mexiko wird in Elternforen ähnlich heftig diskutiert. Die Pädagogin Josephine Hunt aus New Jersey betont, wie sehr Kinder die elterliche Gerätenutzung nachahmen – ohne deren Zweck zu verstehen. Aus Washingtoner Sicht ist der Film daher mehr als Unterhaltung: Er liefere ein „Gesprächsangebot“, wie die Los Angeles Times anmerkt.
Nach dem Kinobesuch notiert der brasilianische Vater, er wolle künftig bewusster zwischen notwendiger Bildschirmarbeit und gemeinsamer Fantasiezeit unterscheiden. Kein schlechtes Gewissen mehr, sondern eine Begleitung, die auch mal das Tablet zuklappt – nicht aus Prinzip, sondern weil die Geschichten, die sie zusammen erfinden, zählen. Im Film bleibt das letzte Bild uneindeutig: Die Spielzeuge blicken in eine ungewisse Zukunft, während Lilypad still vor sich hin leuchtet. Kein Sieg der einen über die andere Seite, sondern die Aufforderung, beides ins richtige Verhältnis zu setzen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Toy Story 5 greift die Angst vor der Bildschirmzeit von Kindern auf, ohne Technologie zu verteufeln. Der Film legt nahe, dass nicht die Geräte selbst, sondern das Übermaß das eigentliche Problem darstellt – eine Botschaft, die Eltern anspricht.
Toy Story 5 hat die Kinokassen dominiert und mit 160 Millionen Dollar im Inland den größten Start des Jahres hingelegt. Der neueste Teil stellte einen Franchise-Rekord auf und bestätigte die anhaltende Anziehungskraft der Reihe.
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