
Wie ein Sonntagsausflug in der RAV4 die Fragmentierung der globalen SUV-Antriebe spiegelt
Während Argentinien die Plug-in-Hybrid-Zukunft testet, hält Indien am Diesel fest und China bringt Range-Extender nach Indonesien – ein Streifzug durch die unterschiedlichen Tempi der Elektrifizierung.
Als Matías Antico an einem argentinischen Sonntag die neue Toyota RAV4 lenkte, vernahm er zunächst nur das Surren der Elektromotoren. Dann, bei stärkerem Tritt aufs Gaspedal, meldete sich der 2,5-Liter-Benziner nahezu unhörbar, und die Kraft beider Systeme schob den SUV mit 329 PS voran. Die von ihm getestete Plug-in-Hybridversion XSE PHEV, deren Lithium-Ionen-Akku gut 140 Kilometer emissionsfreie Fahrt erlaubt, steht exemplarisch für Toyotas globale Strategie, elektrifizierte Antriebe in nahezu jedes Segment zu tragen – und für die Vielfalt der Lösungen, die dabei je nach Markt zum Einsatz kommen.
In Brasilien startete zur gleichen Zeit der Toyota Corolla Cross 2027, der dort mit dem Jeep Compass und neuen chinesischen Modellen konkurriert. Die Japaner spendierten dem SUV eine GR-Sport-Variante mit aggressiveren Stoßfängern und schwarzen Details, vor allem aber serienmäßige Technik wie ein Reifendruckkontrollsystem und das Infotainment Toyota Play 2.0. Unter der Haube arbeitet weiterhin ein flexibler 2,0-Liter-Vierzylinder, der bis zu 175 PS leistet – von Hybridisierung ist in dieser Baureihe noch keine Rede. Ganz anders in Indien, wo Toyota den Hilux noch im Januar in neuer Form einführt: Das Arbeitstier bleibt ein reiner Diesel, bekommt aber ein vom Land Cruiser Prado inspiriertes Interieur und erstmals eine elektrische Servolenkung. In einem Land, in dem die Pick-up-Zulassungen gering sind, zielt der Hilux auf ein Lifestyle-Publikum – doch auf Batterieelektrik im Nutzfahrzeugbereich verzichten die Japaner hier bewusst.
Während Indien am Selbstzünder festhält, schlägt der chinesische Hersteller Changan in Indonesien einen anderen Pfad ein. Dort debütierte der Deepal S05, ein kompakter SUV mit futuristischem Tech-Sporty-Design und Yacht-inspiriertem Interieur, der sowohl als reines Batteriefahrzeug (BEV) als auch mit Range Extender (REEV) angeboten wird. Im REEV dient ein Verbrenner nur noch als Generator; das System erlaubt Langstrecken ohne Ladeinfrastruktur. Damit adressiert Changan jene indonesischen Käufer, die zwischen dem urbanen Elektroalltag und Überlandfahrten pendeln.
Eine andere Form des Plug-in-Hybrids zelebriert Lamborghini mit dem Urus SE Performante. Dessen 4,0-Liter-V8-Biturbo und ein Elektromotor stemmen gemeinsam 812 PS und 1.000 Newtonmeter – genug für 3,3 Sekunden von null auf 100 km/h, untermalt von einer Titan-Abgasanlage. Zugleich helfen eine unter dem Kofferraumboden verbaute 25,9-kWh-Batterie und reichlich Kohlefaser an Haube, Dach und Kotflügeln, das Gewicht um 32 Kilogramm auf 2.473 Kilogramm zu drücken und über 60 Kilometer elektrische Reichweite zu erzielen. Die Leichtbau- und Elektrifizierungsanstrengungen der Italiener verweisen auf den tiefgreifenden Wandel selbst in der Supersportwagen-Nische.
Dass dieser Wandel mehr ist als Marketing, zeigte ein Crashtest des US-amerikanischen IIHS, der eine Chevrolet Blazer von 1996 und eine von 2026 frontal kollidieren ließ. Das aktuelle Modell schützte seine Insassen überlegen – ein quantitatives Sinnbild für die Fortschritte passiver Sicherheit, die mit neuen Antrieben einhergehen. So standen an jenem Sonntag, an dem Antico durch Argentinien glitt, das Flüstern der RAV4, die trotzige Diesel-Treue des Hilux und die unbändige Kraft des Urus unvereinbar nebeneinander – und doch geeint im Bestreben, den SUV in die Mobilität von morgen zu führen.
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